Was für eine Woche für Big-Wave-Surfer: Zuerst reisten alle hektisch nach Hawaii, als Anfang der Woche der Quiksilver in Memory of Eddie Aikau Contest grünes Licht bekam. Dann gestern die große Enttäuschung: Der Swell war zu klein und der Eddie damit erst einmal Geschichte. Doch schon morgen geht es in Kalifornien weiter. Dort findet nämlich der Titans of Mavericks Contest statt und die Forecast sieht äußerst vielversprechend aus. Wie groß es wird, was Mavericks so gefährlich macht und wieso Grant „Twiggy“ Baker nicht eingeladen ist? Wir haben die Antworten für euch!

1. Letzte Woche traf einer der besten Swells aller Zeiten in Mavericks ein. Wieso fand der Contest nicht an diesem Tag statt?

Der Zeitpunkt wäre fast perfekt gewesen, denn die offizielle Waiting Period des Titans of Mavericks Contests geht vom 1. Januar bis zum 31. März 2016. Trotzdem kam von den Organisatoren kein grünes Licht. Schuld war der Super Bowl, der am Sonntag darauf in Santa Clara, nur etwa eine Autostunde entfernt von Half Moon Bay, stattfinden sollte! Kein Scherz: Die Eventorganisatoren mussten im Vorfeld eine Erklärung unterzeichnen, dass sie den Contest nicht im Zeitraum des Endspiels der amerikanischen Football-Liga abhalten. Die lokalen Sicherheitskräfte hatten schlichtweg Angst, dass sich zehntausende Super Bowl-Besucher die Big-Wave-Show nicht entgehen lassen würden – Menschenmassen, die den kleinen Küstenort Half Moon Bay schlichtweg überfordert hätten.

Viel besser geht es kaum! Der 4. Februar wäre ein würdiger Tag für den Mavericks-Contest gewesen…

2. Wird es morgen auch so groß?

Nicht ganz. Denn anders als letzte Woche ist das Tiefdruckgebiet viel weiter von der Küste entfernt – gute 3000 Kilometer, also etwa doppelt so weit. Trotzdem sind die Forecast-Experten optimistisch: „Das Gute an diesem Sturm ist seine Größe und Stärke, mit 50-Fuß-Wellen auf dem offenen Ozean“, erklärt Kevin Wallis von Surfline. „Für einen wahren XXL-Swell müsste der Sturm allerdings näher an die Küste kommen.“ Eine gute Show ist in Mavericks dennoch zu erwarten. „Wir erwarten im Laufe des Freitags Sets von 25 bis 30 Fuß, wobei die beste Zeit sicherlich morgens zur High Tide sein wird“, meint Wallis. Los geht’s gegen 7.30 Uhr früh beziehungsweise 16.30 Uhr deutscher Zeit, natürlich zu verfolgen im Livestream.

Der Sturm verpasst knapp Hawaii (daher auch kein Eddie), schickt aber 30-Fuß-Wellen nach Nordkalifornien.
Der Sturm verpasst knapp Hawaii (daher auch kein Eddie), schickt aber 30-Fuß-Wellen nach Nordkalifornien.

3. Wer geht beim Titans of Mavericks Contest an den Start?

24 der besten Big-Wave-Surfer der Welt. Ähnlich wie beim Quiksilver in Memory of Eddie Aikau Contest gibt es keine Möglichkeit, sich für den Contest zu qualifizieren – wer nicht eingeladen wird, hat Pech gehabt. Einige große Namen stehen auf den Starterlisten beider Events, etwa Shane Dorian, Mark Healey, Greg Long, Kohl Christensen, Jamie Mitchell, Dave Wassel und Nathan Fletcher. Gesurft wird bis zum Finale in Sechser-Heats. Wer in Mavericks an den Start geht, entscheidet das Organisationskomitee „Committee 5“ (kurz auch C5 genannt), das von Mavericks-Pionier Jeff Clark angeführt wird. Um eine Einladung für den Contest zu erhalten, muss man sich übrigens nicht nur regelmäßig im Lineup von Mavericks sehen lassen, sondern sich auch in seiner lokalen Gemeinde engagieren und einen gesunden Lifestyle haben.

Dave Wassel hatte diese Woche ziemlichen "Termindruck".
Dave Wassel hatte diese Woche ziemlichen „Termindruck“.

4. Wieso ist Grant „Twiggy“ Baker nicht eingeladen?

Weil er gewagt hat, sich gegen das Committee 5 aufzulehnen! Die Gründe dafür sind so umstritten wie mysteriös. Alles begann damit, dass sich Big Wave World Tour Commissioner Peter Mel mit dem Committee 5 traf. Man wollte den Contest in die Big Wave World Tour integrieren, aber die Verhandlungen scheiterten. Daraufhin wurde Peter Mel, selbst ehemaliger Mavericks-Champ, von der Starterliste gestrichen – „Interessenkonflikt“ lautete die lapidare Begründung. Daraufhin schaltete sich Grant „Twiggy“ Baker ein und machte öffentlich, was viele dachte: Dass es unfair sei, einen Big-Wave-Veteran wie Peter Mel von einem Contest wie dem Titans of Mavericks auszuschließen. Sein Kommentar wäre vielleicht folgenlos geblieben, wenn er nicht auch noch eine Petition in Umlauf gebracht und die bereits eingeladenen Big-Wave-Surfer dazu aufgefordert hätte, sich für die Rehabilitation Mels einzusetzen. Das war in den Augen der Organisatoren zu viel des Guten – „Twiggy“, der den Titans of Mavericks 2006 bereits einmal gewonnen hatte, musste bestraft werden. In einer anonymen Abstimmung beschloss man, ihn vom diesjährigen Contest auszuschließen. In der Begründung des Komitees heißt es nur: „Grant Baker (…) hat gewisse Eventkriterien verletzt, indem er durch seine Petition die Teilnahme anderer Athleten am Event gefährdete und damit den Entscheidungsprozess des Komitees in Frage stellte.“

5. Wie fühlt sich ein Wipeout in Mavericks an?

Brutaler als in Waimea Bay. Meint zumindest der hawaiianische Big-Wave-Charger Shane Dorian, der beide Wellen schon gesurft ist. „Wipeouts in warmem Wasser fühlen sich auch brutal an, aber normalerweise paddel ich einfach wieder in den Lineup und kann normal weitersurfen“, erzählte Shane kürzlich in einem Interview. „Aber wenn ich in einem Wetsuit stecke und mich wieder zurück an die Oberfläche kämpfen muss, bin ich danach so erschöpft, dass ich nur noch nach Hause will.“

Niemand stürzt gerne in Mavericks, denn unter der Wasseroberfläche lauern Weiße Haie und scharfe Felsen...
Niemand stürzt gerne in Mavericks, denn unter der Wasseroberfläche lauern Weiße Haie und scharfe Felsen…

Was den Spot so gefährlich macht und wieso Mavericks eigentlich Mavericks heißt, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.