Offiziell gehen die Deutschen Meisterschaften im Wellenreiten erst morgen zu Ende, aber die Sieger stehen längst fest. Trotzdem gibt es einige Dinge, die ihr garantiert noch nicht über die Surf DM wusstet. Pressesprecher Jens Unger hat sie uns verraten!

1. Der prominenteste Teilnehmer…

„Das war sicher Francesca „Frankie“ Harrer, eine amerikanische Pro-Surferin mit deutschen Wurzeln, die plötzlich bei der DM auftauchte. Ich wusste nicht, dass sie kommt und konnte es kaum glauben, als sie plötzlich im ersten Heat loslegte. So surfen eigentlich nur die Mädels auf der World Tour. Dann erinnerte ich mich an eine Video von ihr, das ich mal vor zwei Jahren gesehen hatte und das sie bei massiven Wellen in Teahupoo zeigt. Da wurde mir einiges klar. Frankie war total umgänglich und zeigte keinerlei ‚Starallüren‘, wie man es vielleicht von einer amerikanischen Pro-Surferin erwarten würde. Sie gab Interviews und quatschte auch ein bisschen Deutsch mit uns.“

Hier gibt Frankie eine kleine Kostprobe ihrer deutschen Sprachkenntnisse.

2. Die weiteste Anreise…

„Die hatte wider Erwarten nicht Frankie Harrer aus Kalifornien, sondern die Münchnerin Valeska Schneider. Sie verbringt nämlich gerade ein Auslandssemester an der australischen Gold Coast und ist extra für die DM angereist! Leider konnte sie den Erfolg vom letzten Jahr nicht wiederholen und sich den Titel bei den Longboard Women holen. Dafür belegte sie aber sowohl im Longboarden als auch in der Open Class Women den dritten Platz. Das Jahr in Australien hat ihrem Surfen einen richtigen Schub verpasst, und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von Valeska hören werden.“

3. Die härteste Entscheidung…

„Den Contest an nur zwei Tagen durchzuziehen. Bei 72 Heats macht das allein 24 Stunden Nonstop-Surfen – eigentlich kaum zu schaffen! Das funktionierte auch nur, weil wir die 150 Starter auf drei verschiedenen Podien gleichzeitig ins Wasser schickten. Wieso der gannze Stress? Die Vorhersage sagte ab Dienstag starken Südwind und noch größere Wellen für die gesamte Woche voraus, und wir wollten einfach nicht riskieren, die Surfer in noch schwierigeren Bedingungen rauszuschicken. Es gab lediglich eine winzige Chance, dass am letzten Contesttag der Surf noch einmal ganz okay werden könnte, aber das Risiko war uns einfach zu groß. Und am Ende war es auch die absolut richtige Entscheidung von Contest Director und DWV-Präsident Philipp Kuretzky, den Contest an den ersten beiden Tagen durchzuziehen. Die Wellen waren zwar mit 5 bis 6 Fuß recht groß und für so manchen Teilnehmer sicher eine Herausforderung, aber dafür konnten wir auch wirklich gutes Surfen sehen.“

4. Die größte Überraschung…

„War sicherlich das Ausscheiden des amtierenden deutschen Meisters Marc Piwko im Viertelfinale. Marc hatte einfach extremes Pech und erwischte nur Closeouts. Nach dem Heat musste er seinem Ärger erst einmal Luft machen und ging eine Bank weiter freesurfen, wo er plötzlich aus den steilsten Barrels schoss. Glück und Pech liegen beim Surfen in Frankreich einfach extrem nah beieinander…“

Marc Piwko ist Titelverteidiger und macht schon seit mehreren Wochen die Beachbreaks an der französischen Atlantikküste unsicher. Foto: Patrick Steiner
Dieses Jahr hatte der amtierende deutsche Meister Marc Piwko kein Contestglück, dafür aber umso mehr Spaß beim Freesurf. Foto: Patrick Steiner

5. Der knappste Heat…

„Das Finale der Longboard Men mit Adrian Siebert, der sich die letzten drei Jahre den Titel holte, dem mehrmaligen deutschen Meister Thomas Schmidt sowie Pro-Surfer Arne Bergwinkl. Meiner Meinung nach hätte jeder der drei gewinnen können, und die Scores zeigten am Ende auch, wie knapp es wirklich war: Tommy Schmidt gewann mit 11.03 Punkten vor Adrian Siebert mit 10.43 Punkten und Arne Bergwinkl mit 10.10 Punkten. Alle drei haben einen komplett anderen Style: Tommy surfte dicke Bomben, Adrian beherrscht Hang 5s und andere klassische Longboardmanöver wie kein anderer, und Arne macht so kraftvolle Turns wie kein anderer. Ich habe die Judges an diesem Tag nicht um ihren Job beneidet…“

6. Der jüngste Teilnehmer…

„Das war der 12-jährige Leo Schulze. Nur ein paar Monate älter ist Tim Elter, der sich bei den Grommets (bis 14 Jahre) den Sieg holte und bei den Cadets (bis 16 Jahre) sogar Dritter wurde. Tim ist seit 2013 bei jeder DM dabei und wird jedes Jahr besser. Was mich dieses Jahr wirklich überrascht hat ist zu sehen, wie viele gute Nachwuchssurfer wir haben. Früher waren immer mal wieder ein paar Ausnahmetalente wie Arne Bergwinkl oder Leon Glatzer dabei, aber mittlerweile gibt es eine breite Masse an richtig guten, jungen Surfern. Namen wie Tim Eltern, Lenni Jensen oder Juan Fischer werden wir sicher noch öfter hören.“

„Ich habe alles riskiert“, sagt Tim nach seinem Heat. Und das musste er wohl auch, denn die Wellen waren weit überkopfhoch. Aber der Einsatz hat sich gelohnt. Tim schafft es durch variationsreichen Manöver in der Klasse der Grommets auf Platz 1. Platz 2 belegt Marco Teichner Watts gefolgt von Luca Holy.
Tim Elter surft jedes Jahr besser und hat mit seinen gerade einmal 12 Jahren und trotz Fliegengewicht schon richtige Powercarves drauf. Wie gut er wohl surft, wenn er mal 18 ist? Wir sind gespannt!

7. Der beste Heat…

„Ganz klar das Finale der Open Men. Bis auf Marc Piwko waren alle Favoriten noch im Rennen: Arne Bergwinkl, Alexander Tesch, Jakob Lilienweiß und Vincent Scholz. Vincent schnappte sich die erste Welle des Heats, und Arne nahm gleich die nächste – das war schon einmal ein echt guter Opener. Trotzdem war schnell klar, dass Arne schwer zu schlagen sein würde. Er surft einfach noch einen Tick radikaler als die anderen und holt noch mehr Schwung raus. Das liegt aber sicherlich daran, dass er in Ecuador mit Welle vor der Haustür groß geworden ist. Außerdem verbringt Arne seit er 14 ist jeden Sommer hier in Frankreich. Das war bei diesen schwierigen Bedingungen sicher ein Vorteil, denn er weiß genau, welche Wellen er nehmen muss. Es war ein unglaublich spannender Heat, in dem wir deutsches Powersurfen vom Feinsten gesehen haben. Das Level bei der Deutschen Meisterschaft hat sich in den letzten Jahren wirklich kontinuierlich verbessert. Es gab zwar immer schon Spitzensurfer, aber dass so viele Leute so gut surfen, gab es meiner Meinung nach noch nie.“

Mit solchen Barrels holte sich Arne Bergwinkl dieses Jahr den Titel und darf sich nun Deutscher Meister im Wellenreiten nennen.
Mit solchen Barrels holte sich Arne Bergwinkl dieses Jahr den Titel und darf sich nun Deutscher Meister im Wellenreiten nennen.