Am 23. Oktober war es genau zwei Jahre her, dass Maya Gabeira in Nazaré dem Tod nochmal von der Schippe sprang. Damals hatte sich die Brasilianerin von einem Jetski in einen riesigen Brecher ziehen lassen, und für einen kurzen Moment sah auch alles gut aus. Doch dann warf die Welle Maya ab, das Face war einfach zu bucklig. Maya stürzte, brach sich dabei den Knöchel und bekam im nächsten Moment ein ganzes Set aus vier 50-Fuß-Wellen auf den Kopf. Danach trieb sich bewusstlos und mit dem Kopf unter Wasser reglos in der Brandung. Ihrem Tow-In-Partner Carlos Burle gelang es schließlich, sie aus dem Wasser zu ziehen. Es folgten eine Wiederbelebung am Strand und lange Monate auf Krücken. Letzte Woche kehrte Maya nun zum ersten Mal an den Ort zurück, an dem sie beinahe ertrunken wäre. Wir wollten wissen, wieso.

1. Wieso Nazaré, wieso ausgerechnet der Spot, an dem du beinahe gestorben wärst und kein anderer?
Hier brechen einfach die größten Wellen der Welt! Außerdem ist es in Nazaré im Vergleich zu anderen Wellen noch relativ leer. Das ist ein großer Vorteil, denn an anderen Spots musst du für jede Welle dieser Größe richtig kämpfen. Hier kannst du dich im Lineup in Ruhe auf deine Welle vorbereiten und sie dann nehmen, wenn du soweit bist. Das gibt mir zusätzlich Sicherheit.

2. Letztes Woche, am ersten großen Tag des Winters, warst du zwar im Lineup, hast aber keine Welle gesurft. Wieso?
Wegen des starken Winds gab es nur ein kleines Zeitfenster, um zu surfen. Also haben wir beschlossen, dass nur mein Teamkollege Pedro „Scooby“ Viana sein Glück versuchen soll, weil er der beste Surfer im Team ist. Es war gut, dass ich nicht gesurft bin, denn so hatte ich Zeit, mir die Welle genau anzusehen und mich mit meinem neuen Equipment vertraut zu machen. Diese Zeit hatte ich vor zwei Jahren nicht. Damals habe ich den Lineup nicht einmal zu Gesicht bekommen – ich griff sofort nach dem Tow-In-Seil, nahm die erste Setwelle, bin fast ertrunken und sofort im Krankenhaus gelandet.

3. Wie willst du verhindern, dass das noch einmal passiert?
Zum einen haben wir nun zusätzlich einen zweiten Jetski im Lineup, der ausschließlich dafür verantwortlich ist, mich im Ernstfall so schnell wie möglich aus dem Wasser zu holen. Zum anderen steht jetzt immer jemand mit Sauerstoffflasche am Strand für einen möglichen Notfall bereit. Außerdem trage ich eine neue Rettungsweste. Vor zwei Jahren wurde mir meine Weste nämlich vom Körper gerissen und ich wahrscheinlich deshalb so lange unter Wasser gehalten. Meine neue Weste ist ähnlich wie ein Klettergurt am Körper fixiert, die kann ich eigentlich nicht mehr verlieren. Dazu trainiere ich nun noch härter als zuvor und habe mein Apnoetraining intensiviert.

Anders als vor zwei Jahren sind jetzt immer zwei Jetskis im Wasser, wenn Maya Nazaré surft: einer zieht sie in die Welle, während der andere für ihre Rettung zuständig ist.
Anders als vor zwei Jahren sind jetzt immer zwei Jetskis im Wasser, wenn Maya Nazaré surft: einer zieht sie in die Welle, während der andere für ihre Rettung zuständig ist. Foto: Hugo Silva

4. Wofür fürchtest du dich, wenn du am nächsten großen Tag in Nazaré ins Wasser gehst?
In erster Linie möchte ich natürlich nicht wieder ertrinken, aber das möchte ich auch nicht in Jaws oder an irgendeinem anderen Spot. Wovor ich in Nazaré Angst habe, ist die schiere Brutalität der Wellen und das nahe Cliff. Und da es keinen Channel gibt, ist die Welle einfach viel unberechenbarer als alle anderen Big-Wave-Spots auf der ganzen Welt.

5. Hattest du nach dem Unfall Zweifel, ob du jemals wieder große Wellen surfen wirst?
Oh ja und diese Zweifel kommen sogar heute manchmal noch hoch. Aber das sind Gedanken, die ich schnell wieder beiseite schiebe, indem ich mich auf mein Training und meine Ziele als Big-Wave-Surferin konzentriere.

6. Hat dich der Unfall verändert?
Auf jeden Fall. Die letzten beiden Jahren waren nicht leicht: Ich konnte zwei Monate nicht laufen, musste zweimal an der Bandscheibe operiert werden und bin leider immer noch nicht ganz schmerzfrei. Aber ich bin der Ansicht, dass alles Schlechte auch eine gute Seite hat. Heute bin ich besser vorbereitet, habe mehr Erfahrung und kenne mich so gut wie nie zuvor. Ich weiß jetzt, dass ich mehr Geduld haben und mir mehr Zeit für die Wellenauswahl nehmen muss. Hoffentlich heißt das aber nicht, dass ich mich jetzt weniger pushe als vor dem Unfall.

Maya hat ihr Ängste überwunden und surfte einen Tag nach unserem Interview dieses Monster in Nazaré.
Maya hat ihr Ängste überwunden und surfte am Freitag letzter Woche (übrigens einen Tag nach unserem Interview) dieses Monster in Nazaré. Foto: Hugo Silva

7. Planst du, solange in Nazaré zu bleiben, bis du dir eine richtige Bombe geschnappt hast?
Erst einmal bleibe ich nur bis Ende November und hoffe natürlich, noch einige große Tage zu erleben. Dann fliege ich nach Hawaii, wo ich den Winter verbringe. Aber nichts hält mich davon ab, nach Nazaré zurückzukehren, wenn ein großer Swell auf dem Weg ist.

Wer sich noch einmal Mayas Wipeout und die dramatische Rettungsaktion von 2013 ansehen möchte: In dieser neunminütigen Reportage erzählen Maya und Carlos Burle, was damals schiefgegangen ist (Min. 3:25 bis 7:20).