Vor kurzem stellte sich John John Florence den Nutzern von Reddit, einem in den USA recht beliebten Netzwerk, das Textbeiträge seiner Nutzer verbreitet. John John musste aber nichts selbst verfassen, sondern beantwortete frei nach dem Motto „Ask me anything“ die Fragen der User. Es kamen hunderte zusammen. Nicht alle waren interessant. Aber die spannendsten Antworten haben wir für euch zusammengefasst:

1. Warum bist du so gut?

„Ich bin an einem Ort aufgewachsen, an dem es nichts außer Surfen gibt.“ Okay, damit hat John John recht, aber er brachte auch eine Menge Talent mit. Den Beweis liefert eine Videoaufnahme der ersten Welle, die John John im zarten Alter von drei Jahren abritt. Der Takeoff erfolgte zwar noch über das Knie, dann fuhr John John aber nicht etwa nur geradeaus das Wellenface nach unten, sondern gleich down the line.

Vielleicht hat er das Talent auch von seiner Mum, die charged nämlich auch nicht schlecht.
Vielleicht hat er das Talent auch von seiner Mum, die chargt nämlich auch nicht schlecht.

2. Wann hattest du im Ozean einmal richtig Schiss?

„Das war an einem Outerreef in Hawaii, also richtig weit draußen auf dem Ozean. Tatsächlich konnten wir, ich war mit einem Freund unterwegs, beim Rauspaddeln noch nicht einmal einschätzen, wie groß die Wellen waren. Die brachen einfach so weit entfernt, dass jegliche Relation fehlte. Wir wussten nur, dass es groß war und trugen für alle Fälle auch unsere aufblasbaren Rettungswesten. Irgendwann dachten wir dann, dass wir den Lineup erreicht hätten, setzten uns auf unsere Boards und wollten auf das nächste Set warten. Als es kam, dachte ich nur: Falscher Platz, falscher Zeitpunkt. Dieser gewaltige Berg aus Wasser, der sich da vor uns aus dem Wasser erhob, war sicher 20 Fuß hoch und würde direkt über uns brechen. Die Welle überrollte uns wie eine Lawine aus Weißwasser, ich war einige Zeit unter Wasser, versuchte dabei aber ruhig zu bleiben, bis ich dachte: Es ist Zeit, wieder nach oben zu kommen. Also löste ich meine Rettungsweste aus, wurde auch sofort nach oben gezogen, doch genau in dem Moment, in dem die Oberfläche schon zum Greifen nah war, brach die nächste Welle direkt über mir und drückte mich wieder in Tiefe. Ich wurde ewig mitgerissen, auch weil meine Weste aufgeblasen war. Ich war wirklich lange unter Wasser… ‚Scary‘ ist das Wort, das diesen Moment für mich am besten zusammenfasst.“

3. Wie lange halten deine Boards?

„Beim Freesurfen stehen meines Boards etwa zwei Wochen durch. In Hawaii, wenn ich viel surfe, breche ich auch tonnenweise Boards. Im letzten Winter waren das 38, da lag dann ein riesiger Haufen im Garten vor meinem Haus. Die Wellen in Hawaii brechen eben echt gerne neue Boards.“

Ein ganz normaler Anblick in John Johns Garten.
Ein ganz normaler Anblick in John Johns Garten.

4. Gibt es das perfekte Board?

„Surfboards sind so unterschiedlich, vor allem wie einzelne Boards bei verschiedenen Bedingungen funktionieren. Und du musst immer Kompromisse eingehen. Wenn du zum Beispiel ein Board willst, das schnell über flachen Sections ist, wird es sich auch steifer anfühlen. Für jede Art von Welle gibt es eben andere Boards, die durch ein anderes Tail, Konkav oder Rails besser funktionieren. Am schwierigsten ist es, ein gutes Board für kleine Wellen zu finden. Wenn ich so eines habe, benutze ich es auch nicht mehr beim Freesurfen. Ich hebe es mir für die Contests auf.“

5. Schon mal Haien begegnet?

„Ja, ich bin ein paar Haien begegnet. Einem in Südafrika, in Jeffreys Bay, wo sich auch die Mick-Fanning-Geschichte abspielte. An dem Tag wurde es schon dunkel, ich saß auf meinem Board, schaute nach unten und sah in diesem Moment den Kopf eines Hais unter meinem Board aus der Tiefe direkt auf mich zukommen. Er war nicht riesig, aber groß genug, um mir eine Menge Angst einzujagen. Der Hai tat mir zwar nichts, aber ich war so schnell aus dem Wasser, ich bin regelrecht über das Riff gerannt. Eine andere Begegnung hatte ich in Hawaii. Wir saßen im Lineup, als vielleicht zehn Meter vor uns eine Schildkröte auftauchte und recht wild mit ihren Flossen schlug. Im nächsten Moment schoss ein Tigerhai von unten aus dem Wasser und sprang mit der Schildkröte im Maul vor uns in die Luft. Ich paddelte dann so ruhig wie möglich an Land.“

Manchmal machen Haie John John aber auch keine Angst.
Manchmal machen Haie John John aber auch keine Angst.

6. Was war dein schlimmster Wipeout?

„Sicher der, bei dem ich mir den Rücken brach. Ich konnte mich in den Momenten danach zwar noch bewegen und paddelte auch noch selbstständig in den Channel, wo mir andere zu Hilfe kamen. Aber diese Schmerzen in meinem Rücken, das tat weh.“ Passiert ist das 2011 in Pipeline. John John war tief in der Tube und schon eine lange Zeit auf der Welle. Er hatte sich klein gemacht, ein Rail in der Hand und erwartete, dass er gleich am Ende des Tunnels ausgespuckt würde. Doch dann machte die Welle zu. Die Lippe donnerte wie eine Guillotine direkt auf John Johns Rücken herunter, drückte ihn auf sein Board und brach ihm in diesem Moment einen Wirbel im unteren Rücken.

7. Wie sieht Surfen in zehn Jahren aus?

„Es werden größere Wellen angepaddelt. Es wird mehr Airs, mehr Spins, mehr Flips und  größere Airs auf größeren Wellen geben. Viele versuchen jetzt schon Sachen von den Snowboardern oder Skatern zu kopieren und ins Surfen zu integrieren. Das ist der Weg, um Fortschritte zu machen.“