7 Fragen zum Wellenbau in Wolfratshausen

Credit: Jens Schumann

„Stadtratsbeschluss: Wolfratshausen bekommt Surfer-Welle“ – so lautete die Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung vor acht Tagen. Nun wollten wir von den Köpfen hinter dem Projekt, Marcus und Steffi Kastner, wissen, wann die Welle fertig ist. 

1. Gerade hat der Stadtrat von Wolfratshausen 100.000 Euro für euer Wellenprojekt bewilligt. Weitere 160.000 Euro werden als Förderung von der EU beantragt. Gibt es jetzt noch ein Hindernis zu überwinden oder steht der Welle eigentlich nichts mehr im Weg, und der neue Surfspot ist so gut wie fertig?

Für uns als Initiatoren gibt es noch sehr viel zu tun, und wir können heute noch nicht einschätzen, wie lange die ganzen Prozesse und Lösungen dauern werden. Deshalb können wir auch noch nicht vorhersagen, wann tatsächlich gesurft werden kann. Anstehende Aufgaben sind erst mal die Vereinsgründung und anschließend das Einsammeln von 60.000 Euro über Spenden und Crowdfunding. Außerdem muss der Antrag für die EU LEADER-Förderung vorbereitet und gestellt werden. Noch offen ist auch, wie die Haftungsfrage gelöst wird und welche Gutachten dafür eingeholt werden müssen.

Die Köpfe hinter dem Wellenprojekt in Wolfratshausen: Marcus und Steffi Kastner beim Surfen am Eisbach. Credit Frithjof Gauss
Die Köpfe hinter dem Wellenprojekt in Wolfratshausen: Marcus und Steffi Kastner beim Surfen am Eisbach. Credit: Frithjof Gauss

2. Die Kosten für die Welle sollen sich auf 320.000 Euro belaufen. Was ist so teuer am Bau einer Welle? Der Bau?

Die Kosten beinhalten die Maßanfertigung für die Konstruktion zur Erzeugung der Welle. Das wird eine Rampe mit Kicker sein, wobei beide Elemente verstellbar sind. Das ist notwendig, um auf verschiedene Wasserstände und Wasserdurchflussmengen flexibel reagieren und immer eine gute Wellenqualität erzeugen zu können. Aber auch die Kosten für die Uferbereiche, Ein- und Ausstiege und Betonarbeiten im Kanal sind in dieser Summe enthalten.

3. Welche Voraussetzungen müssen für eine Surfwelle überhaupt vorhanden sein? Und welche Hindernisse können bei so einem Projekt auftreten?

Man benötigt grundsätzlich ein Gefälle, Fließgeschwindigkeit und Wasser jeweils in ausreichender Menge bzw. Größe. Die möglichen Hindernisse sind vielfältiger. Je nach Standort kann es widerläufige Interessen von Kraftwerksbetreibern, Stromkonzernen oder Energiebetrieben geben. Es kann um Eigentumsrechte, Hochwasserschutz, Artendurchgängigkeit (= Bau einer Fischtreppe), Naturschutzthemen, Anwohner und und und gehen. Bei uns war die Unterstützung des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung eine große Hilfe, da die die Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber, dem Wasserwirtschaftsamt und anderen Behörden geführt und dabei wichtige Ergebnisse erzielt haben.

4. Kann man sich schon vorstellen, wie die Welle einmal aussehen wird und wie sie zu surfen sein wird?

Die Welle wird voraussichtlich sieben bis acht Meter breit werden. Durch die variable Konstruktion und die voraussichtlich vorhandene Wassermenge sollte die Qualität der Welle zwischen Floßlände und Eisbach liegen.

Auch jetzt kann man an dem geplanten Spot mit etwas Fantasie schon eine Welle erkennen. Dem Eisbach ähnelt sie aber noch nicht.
Auch jetzt kann man an dem geplanten Spot mit etwas Fantasie schon eine Welle erkennen. Dem Eisbach ähnelt sie aber noch nicht.

5. Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, eine Surfwelle zu bauen?

Als begeisterte Surfer im Meer, an der Floßlände (früher) und am Eisbach waren wir nach unserem Umzug von München nach Wolfratshausen auf der Suche nach möglichen Flusswellen. Dabei ist uns immer wieder diese eine Stelle in einem Kanal zur Loisach ins Auge gestochen. Irgendwann haben wir dann endlich allen Mut zusammengenommen, auf die Stadt mit unserer Idee zu zu gehen. Damals wussten wir auch noch nicht, dass es bereits einige andere Initiativen mit ähnlichen Projekten in Deutschland gab (Dauerwelle in Nürnberg, Saalachwelle in Bad Reichenhall, Leinewelle in Hannover, Welle für Passau…).

Die Stelle, an der die Welle entstehen soll. Am oberen Bildrand ist zu sehen, wo der Kanal in die Loisach mündet. Flussaufwärts des Spots befindet sich ein Kraftwerk, das von einem Privatunternehmen betrieben wird. Credit: Marcus Kastner
Die Stelle, an der die Welle entstehen soll. Am oberen Bildrand ist zu sehen, wo der Kanal in die Loisach mündet. Flussaufwärts des Spots befindet sich ein Kraftwerk, das von einem Privatunternehmen betrieben wird. Credit: Marcus Kastner

6. Die Welle wird beim Betrieb nicht umsonst sein. 10 Euro pro Stunden müssen an ein Kraftwerk gezahlt werden. Das klingt nach wenig, aber die Süddeutsche Zeitung hat errechnet, dass es bei dem geplanten Betrieb von 12 Stunden an 4 Tagen von April bis Oktober zu Kosten von über 13.000 Euro pro Jahr kommt. Das klingt wiederum nach viel Geld. Wie viele Surfer müsste die Welle anziehen bzw. müssten sich an den Unkosten beteiligen, dass das funktioniert?

Wie die Ausgleichszahlungen finanziert werden sowie auch alle weiteren Betriebskosten, hängt von dem Betreibermodell ab. Im Moment können wir aber noch nicht sagen, wie das  aussehen wird. Denn dazu müssen noch einige Themen wie zum Beispiel Haftung und Versicherung geklärt werden.

7. Gibt es eine Berechnung, wie viele Surfer die Welle anziehen würde oder wie viele Surfer es überhaupt in der Umgebung gibt?

Ja, im Sommer 2015 haben wir eine Umfrage zur voraussichtlichen Nutzung gemacht. Von den 2.580 Teilnehmern waren dabei fast 75 Prozent Surfer aus der näheren Umgebung, die die Welle auf jeden Fall ausprobieren wollen. Wie viele dann tatsächlich regelmäßig die Welle surfen werden, ist schwer abzuschätzen. Aber wir sind uns sicher, dass wir uns wegen der Nachfrage keine Gedanken machen müssen.

Bonusfrage: Wird die Welle komplett öffentlich zugänglich sein wie der Eisbach, oder muss so ein geplantes Projekt eher in einem Rahmen wie ein Schwimmbad umgesetzt werden?

Den Eisbach kann man mit dem offiziellen Bau einer Welle nicht vergleichen. Die Wellen am Eisbach und an der Floßlände waren mehr oder weniger schon immer da. Wenn aber eine Stadt oder ein Verein eine Konstruktion in einen Fluß oder Kanal einbaut, wird dadurch erst eine neue Situation geschaffen, die rechtlich anders zu bewerten ist. Es gibt verschiedene Ideen, wie das Betreibermodell für so eine Welle aussehen könnte. Wie es bei uns am Ende aussehen wird, ist aber noch offen.

Mehr Inforamtionen gibt es außerdem auf der Website des Wellenprojekts sowie auf Facebook.
Mehr Informationen gibt es außerdem auf der Website des Wellenprojekts sowie auf Facebook.