Surfer reden viel und sagen doch oft wenig. Manchmal aber fällt ein Satz, bei dem wir nur denken: WTF! Und heute stammt unser „Wort zum Sonntag“ von Aaron Gold, der uns erzählt, wie er ertrank und dank Wiederbelebung heute von dem Erlebnis berichten kann.

Das Vorspiel

„Alles begann in den Morgenstunden des 22. Mai mit einem Fehler,“ berichtet Aaron, der sich mit großen Wellen auskennt wie kaum ein anderer. Paddelte der Hawaiianer diesen Winter doch vielleicht in die größte Welle aller Zeiten und verpasste keine Session in Jaws auf Maui, wenn ein großer El-Niño-Swell auf Hawaii traf. „In Fidschi sollte an dem Tag der größte Swell seit 2012 eintreffen, wir waren also auf richtig, richtig große Wellen eingestellt. Aber frühmorgens sah es aus, als ob der Swell noch nicht angekommen war. Es sah eher nach 6 bis 10 Fuß und nicht nach 20 Fuß und mehr aus. 10 Fuß sind nichts besonderes für mich. Aber ich dachte, dass ich ein paar Wellen zum Aufwärmen nehme und dann warte, bis der Swell richtig eintrifft. Also legte ich meine Airbag-Weste nicht an und nahm auch ein kleineres Board als sonst in großen Wellen. Fehler, die ich so nicht nochmal machen würde.“

Der erste Blick im Morgengrauen.
Der erste Blick im Morgengrauen.
Der Vormittag brachte die besten Surfbedingungen. Manchen Wellen mutierten zu wahren "Growern", die über dem Riff immer größer und hohler wurden.
So sahen die Surfbedingungen am Tag des erwarteten Monsterswells in Cloudbreak aus. Manche Wellen mutierten dabei zu wahren „Growern“, die über dem Riff immer größer und hohler wurden.

Der Wipeout

Aaron paddelte dann in den Lineup und nahm die erste Welle des Tages. Sie sah perfekt aus, doch das täuschte. „Als ich in die Welle paddelte, wurde das Face mit einem Schlag so hohl, dass es mir buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzog und der starke Wind mich oben in der Lippe hielt. Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Versuch, den Drop zu stehen oder vom Board zu springen. Am Ende sprang ich ab, tauchte auch ins Wellenface ein und wurde gespült. Es zog mich echt weit mit, und ich blieb lange unter Wasser. Als ich dann spürte, dass die Welle mich loslässt, begann ich, an meiner Leash nach oben zu klettern Richtung Oberfläche. Ich wusste, dass ich an die Luft musste. Ich kam weit nach oben, konnte schon das Board spüren und die Lichtbrechung an der Oberfläche  sehen, da brach die nächste Welle über mir, und alles wurde schwarz. Es war, als ob irgendjemand einfach einen Schalter umgelegt hätte – so plötzlich gingen die Lichter bei mir aus. Es war ganz anders als sonst, wenn ich nah an die Bewusstlosigkeit komme. Normalerweise beginne ich, Sterne zu sehen und weiß, dass ich gleich bewusstlos werde. Nicht aber dieses Mal.“

 

Normalerweise beginne ich Sterne zu sehen und weiß, dass ich gleich bewusstlos werde. Nicht aber dieses Mal.

Die Rettung

Kaum war Aaron verschwunden, rasten die Jetskis in die Impactzone, um nach ihm zu suchen. Uri, ein Ex-Navyseal und Fidschi-Local, sah schnell Aarons Board im Wasser treiben und hielt darauf zu. Für ihn war klar, dass die Leash gerissen sein musste, und er suchte den Umkreis nach einem Zeichen von Aaron ab. Erst als Uri das zweite Mal um das Surfboard kurvte, sah er, dass Aaron noch an der Leash hing. Dann vergingen nur noch wenige Momente, bis die Wiederbelebung an Bord eines der Boote begann und Aaron wieder zu Bewusstsein kam.

Aaron Gold kam anscheinend nochmal mit dem Schrecken davon.
Aaron Gold kurz nachdem er wieder zu Bewusstsein kam.

„Aber noch bevor ich wieder aufgewacht war, war mein Unfall schon online gepostet worden“, erzählt Aaron. „Darüber müssen wir wirklich reden, denn niemand konnte zu diesem Zeitpunkt wissen, wie es ausgehen würde. Denn wenn ich nicht wieder aufgewacht wäre, würde ich nicht wollen, dass meine Familie durch einen Online-Post von dem Unfall erfährt.“

Das Nachspiel

Zwei Tage später ging es Aaron dann wieder so gut, dass er beinahe surfen gegangen wäre. „Es war perfekt. Cloudbreaks bei 6 Fuß, und ich fühlte mich gut. Dann siegte aber die Vernunft. Ich habe es sein lassen und will erst wieder hundertprozentig fit werden.“

Aaron scheint sein Nahtoderlebnis aber recht gut verkraftet zu haben. Zumindest soweit die Bilder diesen Rückschluss zulassen.
Auf den Bildern zwei Tage nach Aarons Nahtoderlebnis sieht es so aus, als ob er alles gut verkraftet hat.

Wie die Monsterswell-Session in Cloudbreak an diesem Tag weiterging, seht ihr hier.