Anatomie der besten Session ihres Lebens

Fünf australische Pros machten sich auf die Suche nach einer mystischen linken Tubemaschine irgendwo auf den Mentawais. Dass sie am Ende die besten Wellen ihres Lebens finden würden, ahnten sie nicht.

In dem 15-Minuten-Clip…

ist der gesamte Trip der fünf Jungs Connor O’leary, Cooper Chapman, Jackson Baker, Wade Carmichael und Kalani Ball zu sehen. Das Highlight dieser Surfmission waren aber eindeutig zwei Tage an einem extrem selten gesurften Spot, dem die fünf den Namen „Condoms“ verpassten. Denn das war der Ort, wo selbst die Surfpros überrascht waren, wie perfekt eine Welle brechen kann. Eine Überraschung, denn zu Beginn waren die Zweifel groß.

Die fünf Surfer, die in "Condoms" so perfekt Wellen fanden, wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
Die fünf Surfer, die in „Condoms“ so perfekte Wellen fanden wie noch nie zuvor in ihrem Leben.

Zweifel zum Start

Als der Anker ins Wasser fiel, war noch noch kaum eine Welle über dem Riff zu erkennen. Würde der angekündigte Swell noch kommen oder lag dieser Spot einfach zu geschützt? Sollte man warten oder gleich weiterziehen? Die Crew beschloss zu warten, und tatsächlich zeigten sich bald Lines. Wellen, die jeden durchschnittlichen Surfer in Ekstase versetzt hätten, die die Pros aber nur als eine fette linke Wall bezeichneten.

Wade unter der schwimmenden Behausung während der Surfmission.
Wade unter der schwimmenden Behausung während der Surfmission.

Dann setzte die Ebbe ein

Und kaum war das Wasser über dem Riff seichter, verwandelte sich die träge Welle in einen Zylinder aus Wasser, der unendlich erscheinende Tubes formte. Gleichzeitig traf der Swell mit immer größeren Sets ein, bis die Wellen locker die Double-Overhead-Marke erreichten. Kaum ein anderer Surfer konnte diese röhrenden Barrels noch meistern, und so saßen die fünf alleine im Lineup und ritten durch einen Wassertunnel nach dem anderen.

"Condoms", wie die Jungs den Spot nannten, in seiner ganzen Pracht.
„Condoms“, wie die Jungs den Spot nannten, in seiner ganzen Pracht.

Tag zwei

Am nächsten Morgen meinte der Kapitän des Boots nur: „It’s two feet bigger and six feet thicker.“ Kurz: Die Wellen hatten sich selbst für die Pros von spaßig zu „heavy“ entwickelt. Trotzdem paddelten noch zwei im Vergleich unerfahrene Surfer Richtung Lineup. Aber sie wollten wohl eindeutig keine der Setwellen und platzierten sich ein gutes Stück weiter down the Line über dem Riff. „Ein Platz, an dem man sich besser nicht befinden sollte“, meinte Wade später nur. Opfer dieses Fehlers wurden aber nicht die zwei Surfer, sondern Wade selbst. Der riesenhafte Aussi hatte während der gesamten Session noch nicht einmal zurückgezogen und war über die Wellen hergefallen wie ein Germane über das römische Heer – wobei sein Look mit Vollbart und langen Haaren diesen Eindruck noch vervollständigte. Doch sein kompromissloser Einsatz nutzte Wade nichts, als er in eine Setwelle paddelte, Vollgas durch die Tube raste und ihm dann einer der beiden Surfer im Weg lag. Im nächsten Augenblick knallte er auf das Riff und spürte, wie die Korallen Fleisch aus seinem Rücken rissen.

Wer solche Wellen reiten will, muss bereit sein den Preis dafür zu zahlen. Wade kurz bevor er die Rechnung bekam.
Wer solche Wellen reiten will, muss bereit sein, den Preis dafür zu zahlen. Wade kurz bevor er die Rechnung bekam.

An Bord…

holte der Kapitän dann ein Stück Koralle aus Wades Rücken, das die Größe eines Champagnerkorkens hatte. Natürlich kein Grund für Wade die Session zu beenden. Minuten später war er wieder im Lineup. Wohlgemerkt bei immer seichterem Wasserstand und Tubes, die so brutal brachen, dass sie wie ein sich plötzlich auftuendes Loch im Ozean aussahen. Um die Stimmung zu verdeutlichen, die bei diesem Anblick auf dem Boot herrschte, eignet sich wohl am besten das Zitat eines der Crewitglieder: „Maybe it’s a good day to die, doing what you love.“

Das Highlight des Trips: 48 Stunden am Spot Condoms zusammengefasst in knapp fünf Minuten.