Am Donnerstag vergangener Woche paddelte Garrett McNamara an dem kalifornischen Big-Wave-Spot Mavericks in eine der heftigsten Wellen, an der sich je ein Mensch versucht hat – und scheiterte. Die „Schadensbilanz“: komplizierter Bruch in Arm und Schulter, OP, mehrmonatige Reha. Der Winter ist für den 48-jährigen Big-Wave-Hellman wohl erst einmal gelaufen, während Mavericks ihrem Ruf als eine der brutalsten Wellen der Welt einmal mehr gerecht wurde. Doch was genau ist eigentlich passiert und wieso hatte Garrett McNamara noch einmal Glück im Unglück? Wir haben die Antworten!

Was für eine Welle ist Mavericks überhaupt?

Eine verdammt brutale. Schon an cleanen Tagen ist der Spot in der Half Moon Bay eine echte Herausforderung: Eine Mavericks-Welle zu reiten, hat mit normalem Surfen nämlich wenig gemein, schon der Takeoff gleicht eher einem Sprung aus dem zweiten Stock. Die Welle baut sich so abrupt auf und wirft ihre Lippe nach vorne, dass das Board kaum das Wasser berührt, während der Surfer aufspringt. Dann heißt es, sein Heil in der Flucht zu suchen und der detonierenden Lippe zu entkommen. Oft verfehlt die herabstürzende Wasserwand den Surfer nur um eine Armlänge oder weniger. Hinzu kommt, dass die Welle knapp 700 Meter vom Ufer entfernt bricht und immer größer als die Spots an der restlichen Küste ist. Das Geheimnis liegt auf dem Meeresgrund und beginnt weit vor der Küste. Von dort steigt eine Rampe aus schwarzem Fels langsam aber kontinuierlich an, genau bis zur Takeoff-Zone. Umgeben ist diese Rampe von zwei tiefen Gräben, die parallel verlaufen. Wenn nun eine Welle auf die Küste zurollt, wird sie über die Rampe abgebremst und wächst dabei höher und höher aus dem Meer. Gleichzeitig wird durch diesen Prozess Wasser aus den beiden Gräben in der Welle nach oben gesaugt, die dadurch mehr Volumen bekommt und noch höher wird. Tatsächlich wurde hier schon eine Welle dokumentiert, die die „Schallmauer“ von 100 Fuß (33 Meter) erreichte – gesurft wurde sie allerdings nicht, nur beobachtet.

Wie waren letzte Woche die Bedingungen in Mavericks?

Nur etwa halb so groß: etwa 40 bis 50 Fuß, aber dafür extrem unberechenbar. Ein gewaltiger El Niño-Sturm tobte unmittelbar vor der amerikanischen Westküste und brachte zwar haushohe Wellen, aber eben auch starken Onshore. Doch in der Nacht zu Donnerstag drehte der Wind plötzlich auf offshore – und McNamara wachste seine 10-Fuß-Gun. Er war einer der wenigen Surfer, die sich den heftigen Bedingungen stellen wollten. Lediglich die beiden Mavericks-Locals Ion Banner und Nic Vaughn sowie der Brasilianer Everaldo „Pato“ Teixeira paddelten mit ihm am nächsten Morgen in den Lineup hinaus, allen anderen waren die Bedingungen zu heftig. Das Meer glich an diesem Tag einem Topf voll brodelndem Wasser, das in alle möglichen Richtungen strömte und die Wellen noch unberechenbarer als sonst machte. „Mavericks war groß, dunkel, häßlich, furchteinflößend und gnadenlos“, erinnert sich Fotograf Frank Quirarte, der McNamaras Wipeout mit eigenen Augen sah.

Garrett McNamara kurz vor seinem Wipeout in Mavericks.
Da sah es noch so aus, als würde Garrett McNamara eine der der heftigsten Wellen, die jemals angepaddelt wurden, auch surfen. Sekundenbruchteile später holte ihn die Realität hart auf den Boden der Tatsachen zurück und das im wahrsten Sinne des Wortes. Foto: Phil Gibbs/ WSL Big Wave Awards

Wieso McNamara seine Tow-In-Weste beinahe zum Verhängnis wurde und wieso er trotz allem Glück im Unglück hatte, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.