Selbst Kelly Slater konnte seinen Augen nicht trauen, als Bethany Hamilton mit nur einem Arm den weltbesten Surferinnen in Fidschi die Show stahl. Hier erklärt die 26-jährige Hawaiianerin, wie sie ihre Surftechnik nach dem Haiangriff angepasst hat.

Paddeln

„Früher als Kind, lange vor dem Haiangriff, war ich richtig gut im Paddeln. Ich konnte praktisch jedem in meinem Alter locker davonpaddeln. Vielleicht, weil ich im Schwimmclub war. Auf jeden Fall profitiere ich immer noch davon, weil ich so einen starken Paddelarm habe. Meine Technik habe ich aber auch ein wenig angepasst. Ich ziehe meine Hand nicht neben dem Rail durchs Wasser, sondern direkt unter meinem Board. Ständig werde ich auch gefragt, ob ich nicht nur im Kreis paddeln würde. Eigentlich bekomme ich aber eine ziemlich gerade Linie hin.“

Bethany in Action in Fidschi.

Duckdive

„Für mich ist es extrem wichtig, die Augen unter Wasser immer offen zu lassen. Denn so kann ich unter einer Weißwasserwalze erkennen, wo die Turbulenzen vielleicht nicht so stark sind und mich so hindurchmogeln. Wenn ich tief tauchen will, knie ich mich auf mein Board und drücke es so mit meinen Knien anstatt mit meinem Arm nach unten. Wenn es dann unter Wasser ist, tauche ich hinterher und ziehe mich an das Board heran. Oder ich werfe mein Board einfach weg, wenn es gar nicht anders geht.“

Kleine, schwache Wellen mag sie nicht. Daher war Cloudbreak ideal für Bethany.
Kleine, schwache Wellen mag sie nicht. Daher war Cloudbreak ideal für Bethany.

Wellen anpaddeln

„Ich paddle immer spät an. Meist mache ich nur drei oder vier Paddelschläge, die allerdings mit voller Kraft – quasi ein Sprintstart. Klar dass meine Drops so oft sehr spät sind, aber viele davon stehe ich auch. Wenn eine Welle kommt, die ich haben will, drücke ich in dem Moment, in dem ich mich umdrehe, auch das Tail des Boards tiefer unter Wasser. So poppt das Board fast wie ein Korken wieder nach oben und gibt mir zusätzlichen Paddelschub zum Start.“

Bethany mit ihrem Sohn Tobias, der übrigens genau heute Geburtstag hat.
Bethany mit ihrem Sohn Tobias, der übrigens genau heute Geburtstag hat. Er wird 1.

Takeoff

„Das Geheimnis ist, den Schwung der Welle auszunutzen, dann geht es ganz leicht. Am schwierigsten fallen mir daher auch kleine, schwache Wellen. Wenn ich aber mit ausreichend Schwung in die Welle komme, setze ich meine Hand einfach in die Mitte des Boards und drücke mich hoch.“

Dass Bethany zu wenig Power hat, kann wirklich niemand sagen.
Dass Bethany zu wenig Power hat, kann wirklich niemand sagen.

Geheimwaffe

„Die Idee hatte mein Vater, als er sah, wie ich erfolglos gegen die Wellen eines Beachbreaks ankämpfte. Er hatte auch schon auf den Boards der Lifeguards Griffe gesehen und so haben wir es einfach ausprobiert. Jetzt habe ich immer eine Art Griff recht weit vorne auf dem Board, der mir bei Duckdives hilft. Eigentlich ist das nur eine kurze Schnur, die an zwei Leashplugs hängt.“

Wie in Cloudbreak deutlich zu sehen war: Je steiler die Wellen, desto besser surft Bethany.
Wie in Cloudbreak deutlich zu sehen war: Je steiler die Wellen, desto besser surft Bethany.

Surfen

Ace Buchan, einer der Pros auf der Worldtour, hatte Bethany in Fidschi beobachtet und meinte danach: „Natürlich hat sie schon gesurft, bevor sie ihren Arm verlor, und ihre Technik war früher bestimmt auch schon gut. Jetzt nutzt sie ihre linke Schulter aber wirklich extrem gut, um Schwung zu holen oder mehr Power in ihre Turns zu bekommen. Ich glaube auch, dass Bethany gewonnen hätte, wenn die Wellen größer gewesen wäre. Sie hat so viel Kraft und sah so entspannt in den Barrels aus – einfach unglaublich.“