Bei der Opening Ceremony des Quiksilver in Memory of Eddie Aikau Contests Anfang Dezember vergangenen Jahres ahnte niemand, wie krank Brock Little bereits war. Gestern ist der Hawaiianer im Alter von 48 Jahren gestorben.

Auf dem Foto, das Brock Little am Strand von Waimea Bay zeigt, kurz bevor er neben Kelly Slater und den anderen Teilnehmern des Big-Wave-Contests in den Lineup paddelt, ist er in Topform. Doch nur zwei Monate später ist Brock nicht wiederzuerkennen: abgemagert bis auf die Knochen, seine Haare hat er durch die Chemotherapie verloren. „Ich schaue in den Spiegel und kann nicht glauben, dass ich das bin“, schrieb er vor wenigen Wochen auf Instagram, als er seine Krebserkrankung öffentlich machte.

Vor drei Wochen machte Brock Little seine Krebserkrankung öffentlich.
Vor drei Wochen machte Brock Little seine Krebserkrankung öffentlich.

Der 50.000-Dollar-Fehler

Brock Little wusste bereits im Dezember, dass er am diesjährigen Eddie nicht teilnehmen könnte. Aber das war auch gar nicht wichtig, er hatte sowieso schon alles erreicht, was er je erreichen wollte. In den 80ern und 90ern hatte er als Surf-Pro seinen Lebensunterhalt verdient und später als Stuntman in Filmen wie Transformer und Pearl Harbor mitgewirkt. Er wohnte in einem großen Haus auf seiner Heimatinsel Oahu und war auch noch mit Mitte 40 eine feste Größe im Lineup von Waimea, selbst wenn die Wellen als Closeouts über die gesamte Bucht brachen. Nur eine Sache gibt es, die ihn bis zum Schluss gewurmt hat und die er nur als den „50.000-Dollar-Fehler“ bezeichnete. 1990 surfte er beim Eddie Contest eine der bis heute größten Wellen und zog kurz danach auch noch in eine gigantische Barrel. Der Sieg war ihm eigentlich so gut wie sicher. Eigentlich. Denn leider rutschte sein vorderer Fuß vom Board, Brock stürzte und wurde nur Zweiter. Den 50.000-Dollar-Scheck nahm Keone Downing mit nach Hause.

In diesem Video ist auch Brock Littles „50.000-Dollar-Fehler“ dokumentiert.

„Never follow Brock Little!“

So lautete eine Lektion, die so mancher Surfer auf die harte Tour lernen musste. Denn Brock Little hielt nicht viel davon, sich die Wellen an einem großen Tag in Waimea Bay erst einmal anzusehen, bevor er hinauspaddelte. „Ich habe jedes Mal Angst, wenn ich am Strand stehe, so sehr, dass mir schlecht wird. Also warte ich nicht zu lange, sondern paddle sofort hinaus“, erzählte Brock einmal in einem Interview. „Die Leute folgen mir, weil sie denken, dass ich schon weiß, was ich tue. Ich kann nur davor warnen: Wenn ich ins Wasser springe, ist es keine gute Idee mir zu folgen – Waimea Bay hat mich schon zweimal beinahe umgebracht.“

Gute Reise, Brock…

Gestern hat Brock Little keine Welle in die Knie gezwungen, sondern ein besonders aggressiver Krebs, der in nur wenigen Monaten seinen gesamten Körper zerstört hat. Brock hätte sich einer aufwendigen Therapie auf dem amerikanischen Festland unterziehen können, zog es aber vor, lieber zu Hause bei seiner Familie zu bleiben, wo er gestern auch starb. In seinem Nachruf auf Brock Little bringt Surfline-Redakteur Ben Marcus auf den Punkt, wieso der Big-Wave-Surfer regelmäßig sein Leben riskierte: „Manche taten es wegen ihres Egos, wegen des Geldes oder wegen des Ruhms. Aber Brock tat es aus Spaß.“ Hoffen wir, dass er dort, wo er jetzt ist, ebenfalls Spaß hat…

Gestern meldete sich Brock Little ein letztes Mal auf Instagram zu Wort, bevor er für immer einschlief.
Gestern meldete sich Brock Little ein letztes Mal auf Instagram zu Wort, bevor er für immer einschlief.

Beitragsbild: Tom Servais/ Quiksilver