Bist du bereit für Porthleven?

Sie reizt dich. Klar, wer könnte solchen Rundungen auch widerstehen? Aber sei gewarnt, der Lockruf von Porthleven gleicht der einer Sirene und kann dich schnell ins Unheil führen. Also verlass dich lieber auf unsere ultimative Checkliste und mache den Test, ob du bereit bist für Englands beste Welle oder nicht.

Hast du Geduld?
Porthleven liegt an der Südküste Englands und ist daher von den klassischen West- und Nordwestswells im Atlantik abgeschirmt. Wellen gibt es nur, wenn ein Swell aus Südwesten kommt, was selten ist. Oder ein riesiger Swell aus Westen, der seine Lines um die Südspitze Cornwalls herumdrehen lässt. Wer im Sommer hier vorbeikommt, findet fast todsicher nur eine spiegelglatte See vor. Aber auch im Winter heißt es geduldig auf den richtigen Tag zu warten. Ziehen die Stürme etwa zu weit im Norden über den Atlantik, treffen die Swells in einem zu steilen Winkel auf England und drehen nicht um die Südspitze. Dann bricht in Porthleven nicht die kleinste Welle. Oder es ist wie in diesem Jahr: Die Stürme treffen direkt auf England und ersticken jeden Gedanken an eine Surfsession durch heulenden Onshore schon im Keim. Tatsächlich hat sich das Wetter erst jetzt im Februar so beruhigt, dass sich Portleven endlich in seiner ganzen Pracht zeigte. Geduld ist also gefragt, doch bringst du genug davon mit?

Ben Skinner, der vielleicht beste Longboarder Englands weiß Porthleven zu nehmen.
Ben Skinner, der vielleicht beste Longboarder Englands weiß Porthleven zu nehmen.

Stehst du auf Gummi?
Wie erwähnt ist Porthleven ein Winterspot. Okay, manchmal kannst du Glück haben und dort schon im September oder Oktober einen Swell abbekommen, aber meistens herrscht tiefster Winter, wenn der Spot läuft. In England bedeutet das Wassertemperaturen von acht, neun oder vielleicht zehn Grad, was eigentlich nur mit Booties, Haube und Handschuhen zu genießen ist. Daher stellt sich die Frage: Bist du gerne im dicken Neopren unterwegs?

Um das geschützte Riff an der Südküste zu erreichen, muss ein Swell wirklich riesig sein.
Um das geschützte Riff an der Südküste zu erreichen, muss ein Swell wirklich riesig sein.

Bis du schnell?
Es gibt zwar auch eine kurze, heftige Linke, aber eigentlich meint man von dem Righthander, der in die Hafeneinfahrt bricht, wenn man von Porthleven spricht. Eine Welle, die eine Menge Power hat, sich pfeilschnell vor dir aufbaut und dann verdammt hohl das Riff entlang rast. Wer nur einen Tick zu spät dran ist, fällt beim Takeoff quasi in das Face und muss schon die Grenzen der Physik ausreizen, um den Drop zu stehen. Schaffst du das?

Hast du Selbstbewusstsein?
Porthleven gilt als die beste Welle ganz Englands. Dazu kommt, dass der Spot selten läuft. Als Folge macht sich jeder Profi, Nachwuchsprofi und Möchtegernprofi auf den Weg, wenn doch einmal alle Faktoren zusammenkommen und das Riff zum Leben erwecken. Dazu kommt, dass der Spot sowohl bei Ebbe als auch bei Flut recht gefährlich wird. Das Zeitfenster um Midtide ist demenstprechend klein und gut besucht. Bist du dann bereit, dir deinen Platz im Lineup zu erkämpfen, während eine Meute von Fotografen ihre Objektive auf dich richtet?

Verlockend oder erschreckend? Liegt ganz beim Betrachter.
Verlockend oder erschreckend? Liegt ganz beim Betrachter.

Bis du bereit die Konsequenzen zu tragen?
Das Riff ist gemein: uneben, schroff und ziemlich seicht. Wer den Takeoff versemmelt, kommt (wenn er Pech hat) in den zweifelhaften Genuss, sich wie eine Flipperkugel zu fühlen, während er von Stein zu Stein gespült wird. Ein Schicksal, wie es selbst den Besten in Porthleven droht. 2008 etwa wurde Russel Winter per Helikopter ausgeflogen, nachdem er sich einen offenen Armbruch zugezogen hatte. Und Russel war immerhin der bislang einzige Engländer, der es je unter die weltbesten Surfer auf die World Pro Tour geschafft hat. Einmal schlug er sogar Kelly Slater. Lässt dich selbst das kalt?

Hast du fünf der fünf Fragen mit „ja“ beantwortet? Gut, dann bist du bereit für Porthleven. Viel Glück!