Update, 11. Februar: Die Straße entlang des North Shores war kilometerlang zugeparkt, die Zuschauermassen wältzten sich Richtung Waimea Bay und es war erst vier Uhr morgens. Doch kaum ging dann die Sonne auf, wurde allen klar: Der Swell ist viel zu klein. Statt 40 Fuß erreichten die Wellen vielleicht 10 Fuß. Es gab keine Diskussionen, der  Quiksilver in Memory of Eddie Aikau Contest wurde abgesagt. Kaum zu glauben, da die Vorhersagen so gut aussahen und die Contestorganisatoren nicht den kleinsten Zweifel für den Start des Events am Mittwoch hatten. Noch läuft die Waiting Period bis Ende Februar, aber niemand weiß, ob in den nächsten zwei Wochen noch ein so großer Swell auf Hawaii eintrifft. Daher sieht alles so aus, als ob wir doch noch Jahre warten, bis The Eddie wieder stattfindet. Vorab aber schon einmal alle Gemeinheiten der Bucht, alle Verschwörungstheorien rund um den Contest und alles andere, um beim Livestream-Event (irgendwann in der fernen Zukunft) mit Fachwissen zu glänzen.

Das letzte Mal…
lief The Eddie im Dezember 2009, also vor sechs Jahren, und insgesamt wurde der Contest in seiner 31-jährigen Geschichte auch nur acht Mal ausgetragen. In den anderen Jahren reichte einfach kein Tag an die Anforderungen in Bezug auf die Wellenhöhe heran. Warum die Chancen dieses Jahr aber besonders gut waren, findest du hier.

Seit gestern…
grünes Licht für The Eddie gegeben wurde, ist unter den 28 eingeladenen Surfern (zu denen unter anderem Kelly Slater, John John Florence, Shane Dorian, Sunny Garcia und Jeremy Flores gehören) Hektik ausgebrochen. Manche machten sich sofort auf den Weg Richtung Hawaii, wie etwa Jeremy Flores oder Tom Carroll, der erst zwei Tage zuvor von Hawaii nach Australien zurückgeflogen war und nun die Strecke wieder in die entgegengesetzte Richtung antritt. Andere, die schon auf Hawaii waren, müssen sich dagegen nur für ein passendes Board entscheiden.

Jeremy Flores wird Dienstag Nacht auf Hawaii ankommen und Mittwochmorgen gegen den Swell des Jahres in Waimea Bay antreten. Hoffentlich kommt er mit dem Jetlag klar.
Jeremy Flores wird Dienstagnacht auf Hawaii ankommen und Mittwochmorgen gegen den Swell des Jahres in Waimea Bay antreten. Hoffentlich kommt er mit dem Jetlag klar.
Die Qual der Wahl für Ian Walsh: 10.6, 9.8 oder doch 11.2? Thruster oder Quat?
Die Qual der Wahl für Ian Walsh: 10.6, 9.8 oder doch 11.2? Thruster oder Quad?

Der Swell muss…
über 20 Fuß erreichen, damit The Eddie überhaupt startet. Damit ist aber die Swellhöhe im offenen Ozean gemeint. Wenn die Wellen dann über dem Riff in Waimea Bay brechen, stürzen sich die Surfer in Wellenfaces zwischen 30 und 40 Fuß. Schau mal im vierten Stock aus dem Fenster, dann kannst du dir den Blick beim Takeoff in die Tiefe vorstellen. Tatsächlich ändert sich auch die Laune von Waimea Bay schlagartig, sobald der Swell 20 Fuß überschreitet. „Bei 10 Fuß kann jeder Waimea surfen“, meint North-Shore-Legende Brock Little. „Da sind dann gefühlte 100 Surfer im Wasser. Wird es aber größer als 20 Fuß schaffen es vielleicht noch zehn Surfer überhaupt in den Lineup, wie an dem Tag Ende Januar, als selbst Kelly Slater wieder an den Strand gespült wurde.“

So sieht die Waimea Bay aus, wenn sie dem Contest würdig ist.
So sieht die Waimea Bay aus, wenn sie dem Contest würdig ist.

An Gemeinheiten…
hält Waimea Bay einiges bereit. Da wäre zum einen der Shorebreak. „Wenn er dich erwischt, hält er dich fest und lässt eine 4-Meter-Slab nach der anderen über dir detonieren“, beschreiben die Waimea-Lifeguards den Shorebreak, aus dem sie schon so einige Surfer retten mussten. Denn jeder Surfer muss genau timen, wann er vom Strand ins Wasser sprintet, sonst landet er in der gnadenlosen Shorebreak-Mühle. Dann gibt es den Takeoff, denn die Wellen rollen aus extrem tiefen Wasser in die Waimea Bay und treffen unvermittelt auf das Lavariff (ja, hier formt wirklich Lava das Riff und keine Korallen). Als Folge wird das Wellenface beim Drop extrem steil und es dementsprechend schwierig, den Takeoff zu meistern. Außerdem gibt es noch Freaksets, die als Closeout über die ganze Bucht brechen und den gesamten Lineup abräumen. Manchmal treiben nach so einem Set ein Dutzend gebrochene Boards im Wasser.

Wie ein 100-Punkte-Ritt in Waimea Bay aussieht und welche Verschwörungstheorien letzte Woche kursierten, steht auf der nächsten Seite.