Das geniale Leben des Chippa Wilson

Soviel vorweg: Dies ist nicht bloß ein weiteres Surfvideo. 

Mittlerweile weiß wohl jeder, dass ein Clip aus dem Hause Desillusion immer auch ein Kunstwerk ist, egal wie verstörend es auf den ersten Blick auch sein mag. Alex Knost, der abgerissen wie ein Obdachloser auf dem Fahrrad durch Costa Mesa cruist und sich über die Surfindustrie lustig macht; Dave Rastovich, der über die Seele getrockneter Blumen philosophiert; und nun also Chippa Wilson.

Aber statt selbst zu sprechen, konzentriert sich der Australier lieber auf das Wesentliche (Surfen) und lässt stattdessen Charles Bukowski zu Wort kommen, einen gefeierten Dichter und Schriftsteller der Beat Generation. Sein Gedicht „The Genius of the Crowd“ diente Filmemacher Sebastien Zanella als Rahmen für das Porträt über Chippa Wilson, der jahrelang als Schreiner arbeitete, bevor er plötzlich über Nacht zum „next hot shit“ gehypt wurde. Zu recht. An Land bescheiden und ruhig, mutiert Chippa im Wasser zu einem anderen Menschen – explosiv, experimentell, extrem. Und es sind Sätze wie: „And the best at murder are those who preach against it/ And the best at hate are those who preach love/ And the best at war finally are those who preach peace“ die uns erahnen lassen, wieso Chippa Wilson als einer der talentiertesten Freesurfer seiner Zeit gilt – weil er lieber surft statt zu reden.