Jeder Surfer will besser werden. Doch wie wir bisher versucht haben das nächste Level zu erreichen, war wohl falsch. Zumindest laut neuen Erkenntnissen aus den USA.

Was wir bisher dachten:
Üben, üben, üben war das Motto. Egal, was wir auch erlernen wollten, sei es eine Gitarre zu spielen, einen Handstand zu machen oder den ersten Takeoff im Weißwasser, ständiges Versuchen und Scheitern schien der Weg zum Erfolg zu sein. Je mehr wir nur üben würden, desto schneller wären wir auch am Ziel.

Wirst du beim Bodysurfen nur besser im Bodysurfen?
Wirst du beim Bodysurfen nur besser im Bodysurfen?

Ist das falsch?
Nicht komplett, denn der Weg des Trainierens ohne Unterlass führt tatsächlich zum Erfolg. Nur haben Forscher der John-Hopkins-Universität in Baltimore nun eine Abkürzung zum Ziel gefunden.

Wie lief die Studie ab?
Zuerst dachten sich die Forscher eine Aufgabe aus, die für jede Testperson komplett neu wäre. Schließlich konzipierten sie einen Test, der an ein Computerspiel erinnerte. Die Vorgabe lautete, einen Cursor auf einem bestimmten Weg über einen Computerbildschirm zu führen. Zur Lenkung des Cursors diente eine Art Gamepad mit Druckknöpfen. Es ging also um motorische Fähigkeiten, da der Cursor nur den richtigen Weg nahm, wenn die Testperson im richtigen Moment und Rhythmus Druck ausübte und wieder locker ließ.
Dann bildeten die Forscher drei Gruppen und ließen alle eine Trainingssession mit dem Gamepad absolvieren. Für Gruppe 1 war es damit vorbei. Gruppe 2 bekam eine zweite Trainingssession, die haargenau wie die erste ablief. Und Gruppe 3 absolvierte ebenfalls ein zweites Training, allerdings wurde die Aufgabe in kleinen Details abgeändert. Einen Tag später mussten dann alle drei Gruppen die Aufgabe wiederholen und wurden dabei nach ihren Leistungen bewertet.

Auf Foamboards in Backdoor oder Surfen im hundsgemeinen Shorebreak von Waimea Bay. Ist Jamie O'Brien vielleicht nur so gut, weil er jeden Tag etwas Neues ausprobiert?
Auf Foamboards in Backdoor oder Surfen im hundsgemeinen Shorebreak von Waimea Bay. Ist Jamie O’Brien vielleicht nur so gut, weil er jeden Tag etwas Neues ausprobiert?

Was war das Ergebnis?
Zu erwarten war, dass Gruppe 1, die nur ein Training hatte, am schlechtesten abschnitt. Schließlich hatten die Probanden nur die Hälfte der Zeit für das Erlernen der neuen Fähigkeiten zur Verfügung gehabt. Deshalb brauchten sie im Vergleich länger und machten mehr Fehler. Die wirkliche Überraschung war, dass Gruppe 3 (mit zwei verschiedenen Trainingseinheiten) Gruppe 2 (mit zwei gleichen Trainingseinheiten) um Längen schlug. Tatsächlich erledigten die Probanden der Gruppe 3 die Aufgabenstellung doppelt so schnell und viel genauer als die Mitglieder der Gruppe 2.

Was lernen wir daraus?
Wir können schneller besser surfen, wenn wir es richtig anstellen. Ein Beispiel: Du willst endlich deine erste Tube schaffen. Dann wartest du auf den perfekten Tag dafür, an dem die Wellen weder zu groß noch zu klein sind, und versuchst Welle für Welle die selbe Line durch die Tube. Irgendwann wirst du Erfolg haben. Wenn du aber beschließt, dass du deine erste Tube schaffen willst und dich dann bei jeder Session daran versuchst, egal wie die Bedingungen auch sind, du es mal backside sowie frontside versuchst, und du selbst in Closeout ziehst, könntest du viel schneller aus deiner ersten Barrel wieder ans Tageslicht kommen. Dasselbe gilt für den ersten Takeoff, den ersten Cutback, Bottomturn, einfach alles: Je unterschiedlicher die Bedingungen sind, in denen du trainierst, desto schneller lernst du dazu.

Wieso ist das so?
Nehmen wir an, du machst deinen ersten Takeoff. In dem Moment, in dem du aufspringst, speichert dein Gehirn den Bewegungsablauf ab. Machst du dann den nächsten Takeoff, ruft dein Gehirn nur die gespeicherten Informationen ab. Du trainierst sozusagen etwas, was du schon kannst. Wenn du beim nächsten Takeoff aber vielleicht ein anderes Board unter dir hast oder die Wellen vom Onshore choppy sind, stellst du dich einer neuen, wenn auch sehr ähnlichen Herausforderung, und du lernst etwas dazu. Und jetzt kommt der Knaller: Wenn du bei deiner nächsten Session im Wasser bist, werden deine Takeoffs schneller und flüssiger sein, und du wirst seltener stürzen. Denn nun ruft dein Gehirn alle Informationen ab, die es bei den unterschiedlichen Bedingungen speichern konnte und du perfektionierst so unterbewusst deine Bewegungsabläufe. Kurz: Plötzlich kannst du etwas und weißt nicht wieso.