Es hätte sein erster ‚Eddie‘ werden sollen, aber bereits auf dem Weg zum Flughafen hörte Maui-Local Albee Layer die ersten Gerüchte. Der Big-Wave-Contest auf der Nachbarinsel Oahu würde mit größter Wahrscheinlichkeit doch nicht stattfinden. Also tat Albee das einzig Richtige: Er ließ seinen Flug verfallen und machte sich auf den Weg nach Jaws. 

Denn der Swell war zwar zu klein, um den ‚Eddie‘ abzuhalten, aber immer noch groß genug, um den Big-Wave-Spot auf Maui zum Leben zu erwecken. Tatsächlich sollte es dann auch ein Tag der Superlative in Jaws werden, und nur ein paar Stunden später fand sich Albee Layer im Lineup neben Big-Wave-Größen wie Shane Dorian und Ian Walsh wieder. Zunächst sah auch alles gut für Albee aus. Der 24-Jährige schnappte sich eine der dicksten Bomben des Tages (siehe Foto) und das, obwohl er immer auf viel kürzeren Boards als die anderen Surfer unterwegs ist. Während beispielsweise Shane Dorian bei haushohen Wellen nie ohne 10-Fuß-Gun das Haus verlässt, schwört Albee auf Boards, die maximal 8.8 Fuß messen. „Mit einem längeren Board erwischt du die Welle zwar früher, hast aber viel weniger Kontrolle. Mit einem kürzeren Board kann ich Drops stehen, bei denen andere keine Chance haben“, erklärt Albee seine Wahl.

Aber auf seiner letzten Welle an diesem Tag in Jaws ging diese Strategie nicht ganz auf. „Ich war vielleicht einen Tick zu spät dran. Als ich aufstand, merkte ich, wie der Wind von unten gegen das Board drückte und ich für einen kurzen Moment in der Luft hing“, erzählte Albee später im Krankenhaus. „Aber ich stand den Drop und dachte noch: ‚Cool, ich hab’s geschafft!‘ Doch der Chop auf der Wasseroberfläche machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich wurde nach oben katapultiert und hatte plötzlich kein Board mehr unter den Füßen.“ Was dann geschah, muss sich ungefähr angefühlt haben wie der Zusammenstoß mit einem Fünftonner. „Der Aufprall auf der Wasseroberfläche war so heftig, dass ich beinahe das Bewusstsein verlor“, erinnert sich Albee. Ein unglaublicher Schmerz schoss durch meinen Nacken, und ich hatte keinerlei Gefühl mehr in meinen Armen. Ich konnte nicht einmal meine Flotation Vest auslösen. Die Welle riss mich unter Wasser mit, drückte mich immer weiter in die Tiefe und ich hatte keine Ahnung, wie ich es jemals zurück an die Oberfläche schaffen sollte. Irgendwann spürte ich zumindest meinen rechten Arm wieder und schaffte es, den Griff meiner Rettungsweste zu ziehen. Doch anstatt nun an die Oberfläche zu treiben, wurde ich weiter unter Wasser gedrückt. Also löste ich auch noch die zweite Kartusche meiner Weste aus.“ Albees Glück war, dass er eine der neuesten Auftriebswesten am Körper trug. Diese Modelle, die es erst seit kurzem gibt, sind statt mit einer mit zwei Kartuschen ausgestattet – für den Fall, dass eine Kartusche defekt ist oder die Wassermassen so heftig sind, dass der Surfer zusätzlichen Auftrieb benötigt. Diese Art „Superboost“ hatte in Albees Fall auch den gewünschten Erfolg: „Endlich spürte ich einen Sog nach oben. Als ich wieder auftauchte, war sofort ein Jetski neben mir, aber ich konnte mich kaum aus eigener Kraft auf den Schlitten ziehen. Mein Körper hatte einfach den Dienst eingestellt und ich rechnete schon mit dem Schlimmsten.“ Im Krankenhaus gab es dann aber Entwarnung: Kein Wirbel und kein Knochen war gebrochen, lediglich die Wirbelsäule war durch den Aufprall gestaucht worden. Albee konnte das Krankenhaus noch am gleichen Tag verlassen – allerdings mit Halskrause.

Die Welle, die Albee Layer ins Krankenhaus schickte.
Die Welle, die Albee Layer ins Krankenhaus schickte.

Die Halskrause muss Albee zwar noch ein paar Tage tragen, aber ansonsten ist er noch einmal glimpflich davongekommen...

Die Halskrause muss Albee zwar noch ein paar Tage tragen, aber ansonsten hatte er noch einmal Glück im Unglück.

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