Der Münchner Michi Mohr ist einer der wenigen deutschen Big-Wave-Surfer und seit einem Jahr mit seinem Wohnmobil auf Europatour. Im Dezember erlebte er in Nordportugal eine Woche Perfektion, die ihn zwei Boards und einen Wetsuit kostete.

„Den ganzen letzten Herbst und Winter war ich mit meinem Wohnmobil zwischen Nordspanien und Portugal unterwegs und wechselte meinen Standort je nach Wellenvorhersage. In dieser Woche im Dezember sollten die Sterne perfekt für die gesamte portugiesische Küste stehen: 8 Fuß bei 14 Sekunden mit leichtem Offshore aus Osten für Tage am Stück, hieß es in der Forecast. Ich kannte die Sandbänke an diesem Strand in Nordportugal bereits von meinen früheren Trips und betete, dass sie nicht von den letzten größeren Swells platt gemacht worden waren. Meine Gebete wurden erhört: Fünf Tage lang surfte ich hohle 6- bis 8-Fuß-Beachies und war bis auf zwei Sessions immer alleine. Die Perfektion und Fülle der Wellen machte mich schier verrückt. Statt entspannt im Lineup zu sitzen und sich über diese einsamen perfekt brechenden A-Frames zu freuen, wollte ich mich am liebsten zerteilen, um gleichzeitig auf der Linken und der Rechten zu sein, da einfach alle Wellen so perfekt und hohl waren. Nach einer Woche Traumbedingungen war der Spuk wieder vorbei und hatte seine Spuren hinterlassen: Zwei Boards mussten zur Reparatur, genauso wie mein von Finnen zerschlitzter Wetsuit. Mich selbst hatte es an den Beinen und der Nase erwischt und ich fühlte mich, als hätte mich ein Laster überfahren. Trotzdem bereute ich keine Sekunde, denn ich hatte gerade die beste Surfwoche des ganzen Winters erlebt. Eigentlich hätte ich nach diesen intensiven Sessions ein paar Tage Pause gut vertragen können, aber ich schnappte mir gleich den nächsten Flieger Richtung Madeira, wo der erste richtig große Swell des Winters pünktlich zu Weihnachten anrollte.“

Michi Mohr, Big-Wave-Surfer auf Europatour