Am Donnerstag, dem Tag bevor der Drug Aware Pro in Margaret River startete, jagte ein großer Hai die letzten Surfer bei Sonnenuntergang aus dem Wasser. Wir wollten herausfinden, was da los war.


Was war los?

Am Donnerstagabend kurz vor Sonnenuntergang um genau 17.58 Uhr waren nur noch sechs der Pro-Surfer im Wasser beim Freesurfen am Hauptpeak von Margaret River: Kanoa Igarashi, Jeremy Flores, Caio Ibelli, Alessa Quizon, Wiggolly Dantas und der Italiener Leo Fioravanti. Da tauchte ein Hai vielleicht 20 Meter entfernt von ihnen auf. Der Brasilianer Caio Ibelli sah den Raubfisch wohl zuerst. „Ich rief den anderen sofort zu, was ich gesehen hatte, und wir surften mit der nächsten Welle zusammen an Land“, erzählte Caio. „Nur Leo erwischte die Welle nicht und musste alleine auf die nächste warten.“ Schließlich kamen alle unbeschadet am Ufer an.

Sieht gut aus, aber wir wären am Freitagmorgen trotzdem nicht die Ersten im Wasser gewesen.
Sieht gut aus, aber wir wären am Freitagmorgen trotzdem nicht die Ersten im Wasser gewesen.

Ist das normal?

Zumindest nicht ungewöhnlich. Margaret River hat schon lange den Ruf, dass es im Wasser nur so vor Haien wimmelt. Sperrungen von Stränden nach Haisichtungen sind nicht ungewöhnlich, und alle paar Jahre kommt es auch zu einem Angriff. Der letzte war 2013. West-Oz Local Taj Burrow, der Margarets genau kennt, meinte nach dem Vorfall auch nur im Scherz: „Es ist eher ungewöhnlich, wenn am Abend niemand von einem Hai aus dem Wasser gejagt wird.“

Haben die Verantwortlichen der WSL-Tour keine Angst vor einem Angriff – vor allem nach dem Vorfall in J-Bay letztes Jahr?

Doch, sehr sogar. Deshalb wird auch einiges zur Haiabwehr unternommen. So gibt es Jetskis, die mit Sonargeräten bestückt sind und ständig das Gewässer rund um die Riffe absuchen. Wird ein verdächtiges Objekt geortet, nähern sich die Fahrer so weit, bis sie mit Unterwasserkameras herausfinden, was da unter Wasser schwimmt. Außerdem sind beim Drug Aware Pro keine Wasserfotografen erlaubt. Wer Fotos macht, ist entweder an Land oder auf einem Jetski – aber er schwimmt keinesfalls im Meer. Wohl auch eine Folge von Mick Fannings Begegnung mit einem Hai in J-Bay. Damals wurden nämlich alle Surfer sofort aus dem Wasser an Bord eines Jetskis geholt. Nur an den Wasserfotografen Kelly Cestari dachte niemand. Der schwamm ganz langsam und ruhig ans Ufer.

Haben die Surfer keine Angst?

Sie klingen auf jeden Fall nicht so, als ob sie sich Sorgen machen würden. Deutlich wird das am Beispiel von Courtney Conlogue, die am Morgen nach dem Haivorfall im dritten Heat in Margarets surfte. Courtney zog nämlich eine kleine Blutspur hinter sich her, als sie nach dem Heat aus dem Wasser kam. Sie hatte sich an den Steinen einen unschönen Schnitt am Fuß zugezogen. Den Heat abzubrechen, kam ihr nicht in den Sinn. Sie blieb lieber blutend im Wasser. Demnach dürfte sie nicht allzu viel Angst verspürt haben.

“It’s just a part of Margarets – it’s the Wild West”, meinte Courtney Conlogue nur, als sie auf den Hai vom Vorabend angesprochen wurde.
“It’s just a part of Margarets – it’s the Wild West”, meinte Courtney Conlogue nur, als sie auf den Hai vom Vorabend angesprochen wurde.

Krass!

Stimmt, wobei ein wenig unheimlich scheint die Westküste Australiens schon zu sein. Denn eine brandneue Wunderwaffe gegen Haie ist wohl gerade eines der meistgesuchten Accessoires in Margaret River. Dabei handelt es sich um eine Leash oder genauer um den Prototypen einer Leash der Firma Modom mit integrierter Haiabwehr. Klar, das gibt es schon. Aber das neue Modell soll kaum schwerer sein als eine normale Leash und schränkt so die Performance der Pros in keinster Weise ein. Außerdem gibt es Gerüchte über Testläufe mit erstaunlichen Ergebnissen: Angeblich wurden für den Versuch menschliche Beine aus rohem Fleisch nachgeformt und Bullenhaien als Köder gegeben. Ohne Leash wurde der Dummy verschlungen. Mit Leash rührten die Haie das „Bein“ nicht an. Bisher haben nur die Modom-Teamrider die Leash und wohl auch Kelly Slater.

Wie funktioniert das?

Offiziell wird wenig bekannt gegeben. Aber das Prinzip soll auf Magneten basieren, genau wie bei diesem Gerät in unserer Story über Haiabwehrgeräte.