Heute zu Halloween wollen wir dich das Fürchten lehren! Mit Horror-Holddowns, die dir die letzte Luft aus den Lungen pressen; Freaksets, die dich mit aller Wucht auf das seichte Korallenriff nageln; und Freunden, die dich einfach auf dem offenen Meer vergessen. Daher  haben wir einige deutsche Surfer nach ihren schlimmsten Horrorerlebnissen gefragt und folgende Antworten bekommen:

Bevor Yoyo Terhorst sein eigenes Surfcamp in Portugal eröffnete, stellte er sich am anderen Ende der Welt einer ganz anderen Herausforderung, die mit dem längsten Holddown seines Lebens endete:

„4:30 Uhr morgens in Coolangatta, Queensland. Verschlafen greife ich zu meinem klingelnden Handy. Am anderen Ende der Leitung höre ich die aufgeregte Stimme meines Kumpels Dru Adler. ‚Get ready mate, we are going to Straddy!‘ Ich hatte keine Ahnung, wovon er redete, aber solche Aktionen kannte ich von Dru. 30 Minuten später wartete er auch schon im Auto vor dem Haus. Ich schnappte mir mein Brett und Boardshorts, aber als Dru mich sah, rief er nur: ‚One board? You better take more!‘. Also lief ich noch einmal zurück, holte zwei weitere Boards und kroch immer noch schlaftrunken ins Auto. Bei dröhnender Musik erklärte mir Dru, dass Straddy seine absolute Lieblingswelle sei und uns der Fotograf Andrew Shields auf seinem Boot mitnehmen würde. Langsam dämmerte es mir: Dru hatte mir schon länger immer wieder von South Stradbroke Island erzählt – einer Welle, die aus sehr tiefem Wasser auf eine sehr flache Sandbank trifft und unglaublich hohl und kraftvoll bricht. Außerdem hatte ich gehört, dass man zu Straddy normalerweise über eine breite Flussmündung paddeln muss und es dort vor Haien nur so wimmelt. All das und die Tatsache, dass es über 6 Fuß haben sollte, was nach Drus Maßstäben wirklich ordentlich war, wirkten sich nicht unbedingt beruhigend auf meinen Gemütszustand aus. Am Hafen angekommen stellte uns der Fotograf noch einen jungen Typen aus Tahiti vor, der tatsächlich mit seinem eigenen Coach und eigenem Jetski vor Ort war. Ach ja, der wurde außerdem von einer großen Energydrink-Marke gesponsert und hatte den Ruf ein Barrel-Spezialist zu sein. Es schien also eine ernsthafte Session bevorzustehen. Als wir dann aufs Meer rausfuhren, erkannte ich, wie groß die Wellen wirklich waren und dachte bloß: ‚Was mache ich hier eigentlich?‘

Die Welle katapultierte mich so heftig auf die Sandbank, dass es sich anfühlte, als würden sich 20 Sumoringer gleichzeitig auf mich werfen.

Aber dann versuchte ich, meinen Kopf auszuschalten und sagte mir: ‚Scheiß drauf, Hauptsache Eier haben und zumindest eine Welle surfen!‘ Der Rest der Session lässt sich relativ schnell zusammenfassen: Etwa 45 Minuten im Wasser, drei angepaddelte Wellen, drei der heftigsten Wipeouts meines Lebens und drei gebrochene Boards. Außerdem hatte ich beim zweiten Wipeout den längsten Holddown, an den ich mich erinnern kann! Die Welle katapultierte mich so heftig auf die Sandbank, dass es sich anfühlte, als würden sich 20 Sumoringer gleichzeitig auf mich werfen. Damit war der Alptraum aber noch lange nicht vorbei. Diese Welle ist extrem heimtückisch: Sie schmeißt dich auf den Grund des Meeres, lässt dich kurz los, saugt dich wieder nach unten und gerade wenn du anfangen willst, an die Oberfläche zu schwimmen, zieht sie dich noch einmal in die Tiefe und presst dich erneut auf den Sandboden. So gierig nach Luft geschnappt habe ich seitdem nie wieder nach einem Wipeout. Insgesamt kostete mich diese Session also eine Menge Surfbretter, eine noch größere Menge Nerven und gefühlt fast mein Leben. Aber gleichzeitig war ich so stolz auf mich wie bei keiner noch so guten Barrel zuvor. Es gibt eben nichts Besseres, als seine Grenzen auszutesten, man sollte es nur nicht übertreiben.“

Yoyo Terhorst
Yoyo Terhorst hat seinen Quiver inzwischen wieder aufgefüllt

Wer beim Isarsurfen schon einmal dem Tod von der Schippe gesprungen ist, erfahrt ihr hier…