„Surfer von Blitz getroffen“, meldeten etliche australische Nachrichtenportale am vergangenen Sonntag, den 8. November. Tatsächlich war es ein deutscher Backpacker, der gegen 10.30 Uhr im Lineup von Suffolk Park, einem Spot südlich von Byron Bay an der Ostküste Australiens, von einem Blitz getroffen wurde. Heute, zwei Tage später, liegt der Deutsche noch im Krankenhaus und sein Zustand wird als kritisch bezeichnet. Wir waren nicht vor Ort und wissen daher nicht, wie die Wettersituation war. Tatsache ist aber, dass vor dem Unfall nur 200 Meter entfernt ein Surfcontest für Kids abgebrochen wurde und alle den Strand verlassen haben. Der Grund war das nahende Unwetter. Doch wann ist es höchste Zeit vor einem Gewitter zu fliehen und wann kannst du locker noch ein paar Wellen nehmen?

100-prozentige Sicherheit…
gibt es nicht. Denn es gibt einige Fälle von Menschen, die vom Blitz getroffen wurden, obwohl noch keinerlei Anzeichen eines Gewitters zu erkennen waren. Ein Phänomen, das die Amerikaner „Bolts from the Blue“ nennen und das Wissenschaftler folgendermaßen erklären: „Bolts from the Blue“ sind Blitze, die erst kilometerweit durch die Atmosphäre rasen, bevor sie einschlagen. So wurden schon Blitzeinschläge registriert, die in 40 Kilometern Entfernung vom eigentlichen Gewitter passierten. Das sind aber wirkliche Ausnahmefälle.

Ziemlich sicher…
bist du allerdings, wenn du ein aufziehendes Gewitter nicht zu nahe an dich herankommen lässt. Schließlich ist es kinderleicht, die Entfernung zu einem Gewitter zu bestimmen: Sobald du einen Blitz am Horizont siehst, einfach die Sekunden zählen, bis du den Donner hörst. Dann die Sekunden mit 340 Metern multiplizieren (diese Distanz legt der Schall des Donners pro Sekunde zurück) und schon weißt du, wie weit entfernt sich der Blitz entladen hat. Die Frage ist nur, wie nah darf ein Gewitter kommen, ohne mir gefährlich zu werden: Vielleicht fünf Kilometer oder doch 500 Meter? Tatsache ist, dass es keine exakte Antwort darauf gibt. In Deutschland wird oft geraten, dass es höchste Zeit ist sich in Sicherheit zu bringen, sobald nur noch zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner vergehen. Die Rettungsschwimmer in Australien sind allerdings viel vorsichtiger. Sie befolgen die sogenannte 30/30-Regel. Danach heißt es weg vom Strand, sobald nur noch 30 Sekunden zwischen Blitz und Donner vergehen. Und zurück ins Wasser darfst du erst, wenn seit dem letzten Blitz oder Donner 30 Minuten vergangen sind.

Total unsicher…
wäre es, einfach während des Gewitters im Wasser zu bleiben. Generell ist das Risiko von einem Blitz getroffen zu werden zwar extrem gering. Für Deutschland bezifferten Statistiker dieses Risiko einmal mit 1 zu 16 Millionen. Wer allerdings während eines Gewitters im Lineup den Blitzköder spielt, erhöht seine Chance auf einen Treffer ganz gewaltig. Den Beweis erbrachte ein Experiment deutscher Wissenschaftler der Universität Duisburg 2009. Damals wurde im Hochspannungslabor zum ersten Mal überhaupt ein Blitzschlag in einem Swimmingpool simuliert. War dabei der Pool leer, schlug der Blitz irgendwo im Wasser ein, mal in der Mitte und mal am Rand. Sobald aber ein Dummy im Wasser stand, kannte der Blitz nur ein Ziel: Den Kopf der Schaufensterpuppe, ganz egal, wo sie sich im Pool befand. Hohe Objekte ziehen Blitze eben magisch an und du auf deinem Surfboard überragst so ziemlich alles im offenen Meer.

Blitzeinschläge pro Jahr weltweit.
Wo knallt’s am häufigsten? Weltweite Blitzeinschläge pro Jahr: Grau = 0.1, Grün = 1.4, Gelb = 5, Rot = 20, Schwarz = 70