Der nächste Urlaub steht an und jedes Mal die gleichen Fragen: Wo geht’s hin und wird es dort auch gute Wellen geben? Julian Siewert hat genau aus diesem Grund für seinen Blog Surfnomade.de den interaktiven „Surftrip Planner“ entwickelt, der dir diese Fragen in Zukunft schnell und einfach beantworten soll. Wir wollten wissen, wie das funktioniert. 

Wie kamst du auf die Idee, einen digitalen Surftrip Planner zu entwickeln?
In Surfforen und Facebook-Gruppen stolpert man immer wieder über die gleiche Frage: Was ist die beste Surfregion für einen bestimmten Monat? Antworten geben meist Surfcamp-Betreiber, denen es in erster Linie darum geht, neue Kunden anzulocken. Verlässliche und unabhängige Infos sind im Netz nur schwer zu finden. Daher war es mein
Ziel, mit dem Surftrip Planner ein Online-Tool zu entwickeln, das möglichst individuell auf die Bedürfnisse von Surf-Travellern eingeht. Dabei sollte das persönliche Surfniveau genauso berücksichtigt werden wie die Surfbedingungen für jeden einzelnen Monat des Jahres.

Wie funktioniert der Surftrip Planner?
Ganz einfach: Nachdem du dein Level angegeben hast (Anfänger, Intermediate oder Fortgeschrittener), wählst du deinen Reisemonat sowie die Dauer deines Surftrips. Der Surftrip Planner spuckt dann das beste Ziel für dich aus.

Erfahre ich das nicht auch im Stormrider Guide oder auf Websites wie wannasurf.com?
Klar, inzwischen gibt es für fast jedes Surferparadies einen eigenen Guide mit jeder Menge Infos über lokale Surfbedingungen und Spot-Eigenschaften. Allerdings richten sich diese aufwendig produzierten Handbücher in erster Linie an fortgeschrittene Surfer, die sich mit der Beurteilung von Wellen, lokalen Windmustern und der Ausrichtung von Surfstränden gut auskennen. Surfanfänger und Intermediates tun sich aber schwer damit, die bunten Grafiken und Wellen-Charts richtig zu deuten. Denn was nützt dir als Anfänger eine perfekte Tube, die über einem messerscharfen Korallenriff bricht? Mit deinem Softboard wirst du sie kaum surfen können. Der Surftrip Planner soll diese Lücke schließen, ist kostenlos und auf Deutsch verfasst.

was nützt dir als Anfänger eine perfekte Tube, die über einem messerscharfen Korallenriff bricht? Mit deinem Softboard wirst du sie kaum surfen können.

Der Surftrip Planer übernimmt also für mich die Reiseplanung?
Genau. Er verrät dir, ob du als Intermediate im Juni lieber nach Andalusien oder doch besser nach Nordspanien fahren sollst. Oder ob es für Surfanfänger im Februar besser in Brasilien oder in Marokko ist. Ein Beispiel: Die besten Breaks Portugals sind für fortgeschrittene Surfer ziemlich wertlos, wenn der Nortada, ein starker Nordwind, von Ende Mai bis August bläst und die wenigen größeren Sommer-Swells gnadenlos plattbügelt. Für Anfänger ist der Wind hingegen weniger störend. Denn zum einen beeinflusst er die ersten Stehversuche im Weißwasser kaum. Und zum anderen lässt ein schräg auflandiger Wind die Wellen in der Regel etwas langsamer brechen, für den Takeoff in der grünen Welle bleibt den Surfeinsteigern so mehr Zeit.

Was kann der Surftrip Planer noch?
Er hat für jede Surfregion eine Auswahl an Surfcamps, über die ich selber bereits eine Review geschrieben habe oder die mir von anderen Surfern empfohlen wurden. Auch für Fragen zum geeigneten Neoprenanzug, zu mobilem Internet, Arbeitsmöglichkeiten vor Ort sowie Yoga- und Kletterangeboten hält der Planner passende Antworten parat.

Julian weiß genau, wann du wo die besten Wellen findest. Klar, dass er Ende Oktober mit seinem Bulli in Portugal unterwegs war…

Woher stammen die Daten, mit denen du den Surftrip Planner gefüttert hast?
Fast alle Surfdestinationen, die im Planner empfohlen werden, habe ich schon selber mit dem Surfboard bereist. Zu den mir noch unbekannten Reisezielen, wie etwa Nicaragua oder Sri Lanka, habe ich befreundete Surfer befragt. Für Wassertemperaturen, lokale Windmuster und Swell-Häufigkeiten habe ich zusätzlich noch einige Websites wie seatemperature.org oder Windguru ausgewertet.

Hast du selbst bei deiner Surftrip-Planung schon einmal komplett daneben gegriffen?
Oh ja, und wie! Im Juni 2010 durfte ich mal für eine Woche die Wohnung eines Kumpels an der Costa da Caparica im Süden Lissabons hüten. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Für einen Mietwagen hatte ich aber keine Kohle, so dass ich an Ort und Stelle auf Wellen hoffte. Leider sorgte der ungünstige Küstenverlauf dafür, dass der schwache Nordswell einen großen Bogen um mich machte. Ich hätte also genau so gut zu Hause am Müggelsee bleiben können…

Was wäre denn im Moment die jeweils beste Surfdestination für Anfänger,  Intermediates und Fortgeschrittene, wenn ich zwei bis drei Wochen Zeit habe?
Für Südeuropa ist der November definitiv einer der besten Surfmonate des Jahres. Die Swells haben Power, und der Atlantik ist noch erstaunlich warm. Ich selbst komme gerade aus Portugal und hatte extrem gute Surfbedingungen mit vielen cleanen Offshore-Sessions. Für fortgeschrittene Surfer ist es in Portugal oder in Andalusien also derzeit top! Anfängern und Intermediates würde ich im Moment eher die Kanaren oder eine Fernreise nach Brasilien empfehlen – warmes Wasser, viel Sonne und etwas sanftere Wellen sind gerade am Anfang Gold wert.