Die Insel der Haie

Auf La Réunion spricht man nicht mehr von Haikrise, sondern vom Hairisiko. Ein Team von Vice war vor Ort, um herauszufinden, was das bedeutet und kam mit einer halbstündigen Doku über die Haigefahr auf der Insel zurück.

Die Fakten für alle, die nur die Fakten wollen oder keine 33 Minuten Zeit haben für die gesamte Doku:

Was ist passiert?

Seit 2011 gab es auf La Réunion 18 Angriffe, wovon sieben tödlich endeten. Ein ungeheure Zahl, denn das entspricht 13 Prozent aller Haiangriffe weltweit und das auf einer Küstenlänge von nur 65 Kilometern.

Gab es früher keine Angriffe?

Doch, aber viel weniger. Durchschnittlich nur etwa einen pro Jahr.

Welche Haie greifen an?

Zwei Arten: Bullen- und Tigerhaie. Die Bullenhaie scheinen rund um La Réunion auch größer zu sein als sonstwo auf der Welt. Durchschnittlich erreichen die Tiere Längen von über drei Metern und scheinen auch noch immer näher in Richtung der beliebten Strände zu ziehen.

Welche Gründe gibt es für die Angriffe seit 2011?

Niemand weiß es genau, aber es kursieren viele Theorien. Sicher ist auf jeden Fall, dass La Réunion perfekte Bedingungen für Bullenhaie bietet. Während der Regenzeit fließen Unmengen an Regenwasser durch die Flüsse ins Meer und schaffen dort in Küstennähe einen Mix aus Süß- und Salzwasser. Bullenhaie mögen das.

Doch das war schon immer so. Warum greifen die Haie aber plötzlich an? Viele denken, dass der Mensch durch Überfischung, Fischfarmen oder Wasserverschmutzung die Haie zum Ausweichen in andere Zonen gezwungen hat. Auf der anderen Seite gibt es die Theorie, dass ein vor wenigen Jahren eingerichtetes Meeresschutzgebiet der Auslöser ist, da sich dort die Fische uneingeschränkt vermehren können und dieser Nahrungsreichtum hungrige Haie anzieht. Tatsächlich haben 12 der 13 Angriffe seit 2011 in der Schutzzone stattgefunden. Locals sagen, dass sie seit den 60er Jahren auf der Insel surfen und es die Probleme erst gibt, seitdem die Schutzzone eingerichtet wurde.

Eine weitere Theorie hat mit dem kommerziellen Fangverbot von Haien zu tun. Denn in den 80er und 90er Jahren war Haifisch-Curry eine Spezialität auf La Réunion. Vor 15 Jahren wurde dann der Haifang verboten. Folglich können sich die Haie seit 16 Jahren uneingeschränkt vermehren.

Kurz: Niemand kann genau sagen, was die Angriffsserie auslöste.

Welche Folgen haben die Angriffe auf der Insel?

Seitdem das Wort „Haikrise“ mit La Réunion verbunden scheint, leidet die Wirtschaft. Früher kamen 450.000 Touristen pro Jahr, heute 300.000. Die Tauch- und die Surfindustrie sind quasi tot. In der Bevölkerung gibt es Spannungen. Viele denken, dass zu wenig getan wird. Als dann Wissenschaftler begannen die Haie zu fangen, zu markieren und wieder ins Meer zu entlassen, wurden Ausschreitungen befürchtet. Die Menschen sagten, dass die Wissenschaftler die Haie besser töten, statt sie wieder frei zu lassen. Jetzt wird jeder Hai von drei Metern Länge getötet und nur kleinere Exemplare markiert.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es?

In der ersten Phase setzte die Regierung auf Verbote. Baden wurde verboten, surfen, schwimmen, und jeder Tourist, der mit dem Flugzeug ankam, wurde per Durchsage auf die Haigefahr hingewiesen.

Jetzt, in der zweiten Phase, wird mehr auf Beobachtung und Schutz gesetzt. So gibt es vor Surfstränden zu bestimmten Zeiten zwei Ringe von Haiabwehrtruppen. Den äußeren Ring bilden Boote, die mit Kameras bestückt sind und den Meeresboden nach Haien absuchen. Den inneren Ring bilden dann Taucher mit Harpunen, die die Surfer warnen und an Land bringen sollen, falls ein Hai auftaucht. Tatsächlich ist aber in den vier Jahren, seitdem es dieses Programm gibt, nicht ein Hai von den schwimmenden Bodyguards gesichtet worden.

Ein tauchender Bodyguard im Einsatz.
Ein tauchender Bodyguard im Einsatz.

Da das Taucherprogramm aber sowieso nur für eine kleine Zone umsetzbar ist, wurden 2015 auch zwei Strände mit Netzen gesichert.

Seit einem Jahr sind die Haitnetzte installiert.
Seit einem Jahr sind die Hainetze installiert.

Wird sonst nirgends auf der Insel gesurft?

Doch, es gibt Spots, die trotz der potentiellen Gefahr gesurft werden. Manche Locals sagen, dass sie immer wachsam sind und ständig das Riff unter sich im Auge behalten. Andere bemalen ihre Boards im Zebra-Look (ob das funktioniert, steht hier) oder setzen auf elektronische Haiabwehrgeräte. Sicher wird sich auch die neue Anti-Hai-Leash auf La Réunion gut verkaufen.

Saint Leu ist der beste Spot auf La Réunion. Ein Hainetz gibt es nicht, gesurft wird dennoch.
Saint Leu ist der beste Spot auf La Réunion. Ein Hainetz gibt es nicht, gesurft wird dennoch.