Kurz nachdem der Kieler Local gestern das Finale der Surf DM 2015 gesurft hatte, verriet uns Jonas, mit welchen Bedingungen der Atlantik dieses Jahr in Vieux Boucau aufwartete und warum sein rechtes Auge an Halloween erinnert:

Was ist dir denn passiert? (Jonas hatte gerade seine Sonnenbrille abgenommen und sein rechtes Auge präsentiert: komplett zugeschwollen, in Farbtönen, die von Dunkelrot bis Violett reichen – als ob er beim Preisboxen einen Volltreffer abbekommen hätte.)

Das ist beim Surfen vor zwei Tagen passiert. Eine Welle hat vor mir zugemacht, ich bin rausgekickt und über die Lip gesprungen. In der Luft habe ich das Board an der Leash zu mir gezogen, aber nicht gemerkt, dass das Board in meine Richtung zielte. Die Nose traf mich zielgenau ins Auge, und einen kurzen Augenblick war alles schwarz. Wir sind sofort ins Krankenhaus gefahren und ich war gestern noch einmal beim Augenarzt, der aber meinte, dass ich so surfen gehen kann. Also bin ich letztendlich doch wie geplant bei der deutschen Meisterschaft gestartet.

Konntest du überhaupt etwas sehen?

Das war gar nicht so leicht. Wenn ich auf einer Welle war, musste ich mich total darauf konzentrieren, das rechte Auge aufzubekommen. Das ist so geschwollen, dass ich die Lider nur mit Mühe auseinander bekomme.

Hat das Finale trotzdem Spaß gemacht?

Ja, aber die Bedingungen waren nicht einfach. Ich habe heute Setwellen gesehen, die sicher Vier-Meter-Faces hatten. Das sind eher Bedingungen wie in Australien – nicht das, was deutsche Surfer oft an ihren Küsten vorfinden.

Hast du dir trotz der heftigen Bedingungen eine Wettkampfstrategie zurecht gelegt?

Ohne Plan ging heute gar nichts. Vor allem die Strömung musstest du immer im Kopf haben, und außerdem waren keine Fehler erlaubt. Wenn du zum Beispiel von ganz draußen eine Welle genommen hast und du dann nach einem Turn gestürzt bist oder die Welle zugemacht hat, hattest du gegen die Strömung wenig Chancen. Du musstest teilweise mit einer Walze ans Ufer, am Strand zurück zum Channel laufen und wieder rauspaddeln. Insgesamt hat das sicher acht Minuten gedauert und der Heat ist nach 25 Minuten vorbei – da bleibt nicht viel Zeit, um einen Fehler auszubügeln.

Wäre ein intensives Lauftraining als Vorbereitung hilfreich gewesen?

Ich habe mich ja tatsächlich auf die DM vorbereitet und deshalb den letzten Monat in Dänemark verbracht. Laufen stand da auch auf dem Programm, und das Training war heute definitiv kein Nachteil.

Was war heute ansonsten ausschlaggebend – Surfperformance oder richtige Wellenwahl?

Die guten Wellen zu bekommen war wichtiger, die musstest du dann aber auch surfen können. Gemein war, dass die Gezeit gegen uns gearbeitet hat. Mit jeder Minute lief das Wasser weiter ab, und die Strömung wurde stärker. An der Inside gab es auch kleinere Wellen, die nur so nach Manövern schrieen. Ein wenig Pokern gehörte aber definitiv dazu: Du musstest entscheiden, wo du dich platzierst, um gute Wellen abzubekommen.

Wie denkst du, lief es für dich im Finale? (Als wir Jonas trafen, war das Ergebnis noch geheim und sollte erst am Abend auf der Abschlussparty verkündet werden.)

Nicht so gut, wahrscheinlich Platz drei oder vier. Aber ich bin happy, mit quasi 50% Sehkraft überhaupt so weit gekommen zu sein! Mein Ziel waren die Top 10 und das habe ich geschafft.

Ob Jonas mit seiner Einschätzung recht hatte oder nicht, lest ihr hier

Action-Shot: A. Johannes Wyneken