Der wohl beste Nachwuchssurfer Italiens, Leonardo Fioravanti, war am vergangenen Wochenende in Wales beim Red Bull Unleashed dabei, dem ersten Contest im Surf Snowdonia-Wavepool. Ob so die Zukunft des Surfens aussieht? Uns hat er es verraten.

Werden die besten Surfer der Worldtour vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr von Spot zu Spot, sondern von Pool zu Pool um die Welt reisen?

Nein, die Welle im Wavepool reicht für einen Fun-Event wie Unleashed, aber nicht für die World Surf League mit Kelly Slater und Mike Fanning. Aber wer weiß, vielleicht entsteht bald ein neuer Wavepool, der größere Welle produziert, mit Sections für Barrels oder richtig große Airs. Dann wäre alles möglich.

Was ist besser an einem Contest im Pool und was schlechter?

Der Ozean ist immer für eine Überraschung gut. Jederzeit kann ein großes Freakset heranrollen oder die Tube des Tages brechen, das macht Surfcontests aufregend. Du weißt einfach nie, was gleich passiert. In einem Wavepool gleicht praktisch eine Welle der anderen. Du weißt, dass in genau drei Minuten deine Welle kommt, und du weißt auch, wie sie aussehen wird. Lustig ist, dass du plötzlich anfängst, die Welle zu studieren und deinen nächsten Ride Turn für Turn durchzuplanen – so wie einen Run in einem Skatepark. Aber für Zuschauer, die nicht viel mit Surfen zu tun haben, ist ein Poolcontest wahrscheinlich spannender. Sie sind viel näher an der Action dran, es gibt DJs und immer nur drei Minuten, in denen nichts passiert. Im Ozean kann es passieren, dass auch 15 Minuten lang kein Surfer eine Welle nimmt.

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Näher kommen die Zuschauer der Action bei keinem anderen Surfcontest (Foto: Red Bull Content Pool)

Wie würdest du eine Welle in Surf Snowdonia beschreiben?

Die Wellen machen extrem viel Spaß, verdienen aber nicht das Prädikat „perfekt“. Das Surfen fühlt sich auch komplett anders an als im Ozean. Vielleicht weil der Pool mit Süß- und nicht mit Salzwasser gefüllt ist. Ich hatte deshalb extra ein Epoxyboard dabei, das mir mehr Auftrieb geben sollte. Am Ende bin ich aber nicht damit zurecht gekommen und habe mein normales Shortboard gesurft. Circa acht Wellen habe ich gebraucht, um mich an den Pool zu gewöhnen und herauszufinden, welche Tricks funktionieren. Mein bester Run bestand aus einem guten Turn zum Start, einem Layback, einem Carve und einem Blowtail Reverse zum Schluss.

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Quasi ein Skatepark aus Süßwasser (Foto: Red Bull Content Pool)

Wer gewinnt einen Poolcontest?

Bei Unleashed ging es um drei Dinge: Speed, Flow und Abwechslung. Deshalb hat auch Albee Layer aus Hawaii gewonnen, er war der vielseitigste Surfer mit dem größten Trickrepertoire. Für mich war im Heat gegen Billy Stairdman Schluss – es war knapp, aber am Ende war Billy einfach einen Tick besser.

Was war die größte Überraschung, die Unleashed für dich bereithielt?

Normalerweise werde ich bei Contests nie nervös. Ich bin immer damit beschäftigt nach Wellen Ausschau zu halten, so dass keine Zeit bleibt über Punktvergaben oder ähnliches nachzudenken. Aber als ich in dem Pool saß, alle Augen auf mich gerichtet waren und ich genau wusste, dass ich in drei Minuten mein bestes Surfen zeigen muss, wurde ich richtig nervös.

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Leonardos Rail hält trotz Anfangsnervosität (Foto: Red Bull Content Pool)

Wer gegen wen surfte und wie die Heats ausgingen, erfahrt ihr auf der Event-Website. Die Video-Highlights gibt es hier.