„Besser du gehst woanders surfen“, ist ein Satz den niemand gerne zu hören bekommt. Warum es dennoch ein gute Idee sein kann, auf die Locals zu hören, die dich wegschicken, beweist eine Anekdote aus Schottland.


Zugetragen hat sie sich Mitte Februar an einem schottischen Riff, das für seine unbarmherzigen Strömungen bekannt ist und dessen Namen ungenannt bleibt: „Es waren zwei Surfer, die wirklich noch nicht sehr gut waren und die in diesen Surfbedingungen an diesem Spot keinesfalls im Wasser sein sollten“, berichtete der schottische Local Marc Boyd. „Ich hatte sie vor der fiesen Strömung gewarnt, aber sie wollten sich nichts sagen lassen, und natürlich kam es, wie es kommen musste: Sie waren in der Strömung gefangen und mussten paddeln wie verrückt.“

Marc Boyd kennt die Tücken Spots in Schottland und hat schon mehr als einmal erlebt, wie selbst erfahrene Surfer der Panik nahe waren.
Marc Boyd kennt die Tücken der Spots in Schottland und hat schon mehr als einmal erlebt, wie selbst erfahrene Surfer der Panik nahe waren.

Einer entkommt, der andere nicht

Einer der beiden Surfer schaffte es, der reißenden Strömung zu entkommen, der zweite nicht. Marc surfte weiter, behielt den Surfer bei seinem Kampf gegen die Strömung aber immer im Auge. Nach einiger Zeit ging er an Land und wanderte um eine Landspitze herum, um zu sehen, wo sich der Surfer in der Strömung befand. „Zu diesem Zeitpunkt muss der Surfer schon sicher 40 Minuten gegen die Strömung angepaddelt sein. Als ich ihn dann beobachtete, erkannte ich, dass er im Begriff war aufzugeben. Er saß auf seinem Board und winkte mit den Armen, als ob er Hilfe haben wollte. Unglaublich war, dass der die ganze Zeit stur gegen die Strömung angepaddelt ist und so immer weiter hinaus getrieben wurde. Der Grundsatz: Paddel niemals gegen die Strömung, sollte doch eigentlich jedem bekannt sein.“

Wenn du an diesem Spot merkst, dass du in der Strömung bist, ist es schon zu spät.
Wenn du an diesem Spot merkst, dass du in der Strömung bist, ist es schon zu spät.

Zu weit abgetrieben, um ihm noch helfen zu können

Der Surfer war in seiner Notlage inzwischen so weit abgetrieben, dass Marc ihm nicht mehr hinterherpaddeln konnte. Denn so wären beide in Seenot geraten. Also schrie er so laut wie möglich und winkte mit seinem Board, um den Surfer auf sich aufmerksam zu machen und ihm Anweisung zu geben. Es folgte ein frustrierendes Hin und Her: Einmal hörte der Surfer auf Marc und paddelte in die richtige Richtung, dann änderte er plötzlich seine Meinung, kämpfte wieder gegen die Strömung und wurde erneut abgetrieben. Man muss wissen, dass an diesem Spot der große Swell in Kombination mit den Gezeitenströmungen bei Ebbe zu hausgroßen Brechern und extremen Verwirbelungen führte. Marc war kurz davor, die Küstenwacht zu alarmieren. Er war vom vielen Schreien schon heißer, als der Surfer plötzlich doch auf ihn zu hören schien.

Weißwasserwalzen wie auf diesem Foto rollten auch an dem Tag heran, als Marks Warnungen ignoriert wurden.
Weißwasserwalzen wie auf diesem Foto rollten auch an dem Tag heran, als Marks Warnungen ignoriert wurden.

Einmal drehte er noch um

Das Schicksal schien es gut mit ihm zu meinen. Eine kleinere Welle rollte heran, sie würde den Surfer in die Steine am Ufer spülen. „In so einer Situation sind Steine deine Freunde“, meint Marc. „Doch da bekam der Typ Angst, paddelte wieder hinaus, geriet wieder in die Strömung und alles begann von vorne. Da wurde mir klar, dass der Surfer gar keinen Überblick über die Situation hatte.“ Aber Marc gelang es noch einmal, dem Surfer Anweisungen zu geben, und diesmal gelangte er tatsächlich in seichtes Wasser.

Marc war sauer

„Der Typ hatte nicht auf meine Warnungen gehört, die ihm geholfen hätten und durch sein Verhalten meine Session ruiniert“, zählt Marc auf, warum er fuchsteufelswild war. Auch, wenn er zugeben muss, dass der Surfer wohl gar nicht verstanden hatte, in was für eine Situation er geraten war.

Und was lernen wir aus der Geschichte?

Locals sind nicht immer nur böse, manchmal wollen sie andere auch nur vor Unheil bewahren.