„Wer sind bei der Surf DM 2015 deine stärksten Konkurrenten?“ Diese und andere Fragen haben wir Alex Tesch in unserer neuen Rubrik „Nachgefragt“ gestellt. Bei den deutschen Meisterschaften im Wellenreiten, die heute in Vieux Boucau/ Frankreich starten, zählt der Münchner nicht ohne Grund zu den Favoriten: 2011 stand er schon einmal ganz oben auf dem Podium…

Du hast die DM 2011 gewonnen und warst in den Jahren danach auch immer mal wieder im Finale, aber mit einem zweiten Titel hat es seitdem trotzdem nicht geklappt. Wieso?

Meine Schulter war schuld – zumindest zum Teil. Eine lange Geschichte, die schon 2010 mit meiner ersten Schulteroperation begann. Danach war auch alles gut, bis ich mir beim Surfen in Neuseeland 2012 die Schulter erneut ausgekugelt habe und dabei die Verankerungen meiner ersten OP rausgerissen wurden. Danach musste ich offen operiert werden und ewig lang Physio machen. Dazu kam noch, dass ich einige Probleme hatte, die Verletzung im Kopf zu verarbeiten, denn es war absolut nicht klar, wie sich das mit dem Surfen vertragen würde. Zum anderen lief damals bei der DM 2011 einfach alles perfekt: Ich war unglaublich fokussiert, hatte viel Selbstbewusstsein und im Finale den richtigen Riecher für den besten Spot. Das alles kam seitdem leider nicht wieder zusammen. Außerdem sind Arne (Bergwinkl), Leon (Glatzer) und Billy (McGarry) einfach außer Reichweite – die müssten schon sehr viel Pech haben, damit es bei mir mit dem Titel noch einmal klappt.

Hat dir der DM-Titel eigentlich irgendwelche Türen geöffnet?

Auf jeden Fall, denn seitdem werde ich intensiv von ION unterstützt! Von der deutschen Surfszene war ich leider etwas enttäuscht: Da wurde plötzlich geschrieben, dass ich so ein „Rich Kid“ aus Starnberg wäre, das in Sachen Surfen komplett von den Eltern gesponsert würde.

Wie lernt man als Münchner so gut zu surfen?

Ich hatte einfach immer eine unglaubliche Motivation und Disziplin. Ich war mir zum Beispiel nie zu schade, in absoluten Chaoswellen surfen zu gehen, mich in der Zeit außerhalb des Wassers fit zu halten und mein Videomaterial auswendig zu lernen.

Powersurfing vom Feinsten – Alex hat 2011 nicht ohne Grund die Deutschen Meisterschaften gewonnen.
Powersurfing vom Feinsten – Alex hat 2011 nicht ohne Grund die deutsche Meisterschaft gewonnen. Foto: Lars Jacobsen

Warst du stolz, dass du dir als Deutscher, der nicht am Meer aufgewachsen ist, 2011 den Titel geschnappt hast? Im Finale bist du immerhin gegen Arne Bergwinkl (Ecuador), Alex Zirke (Teneriffa) und Tim Schubert (Sylt) gesurft…

Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke – das toppt alles, was bisher passiert ist! Ich habe auch erst nach der Deutschen Meisterschaft live in der TV-Sendung Blickpunkt Sport erfahren, dass ich der Erste in 14 Jahren war, der das geschafft hat. Trotzdem gehe ich damit nicht hausieren und weiß, wo ich mich mit meinem Surflevel in Europa einzureihen habe.

Welche Chancen rechnest du dir bei der Surf DM 2015 aus, und hast du irgendwelche „Secret Moves“ als Ass im Ärmel?

In den letzten Jahren war fast immer das Finale drin, aber bei Chaoswellen kann alles passieren und wenn man Pech hat, geht’s schon nach Runde 1 nach Hause. Aber Top 4 wäre schon wieder gut! Wenn ich meine Air-Reverses stehe, an denen ich den Sommer über gearbeitet habe, sieht es vielleicht gar nicht so schlecht aus…

Alex hat den Sommer in Frankreich verbracht und nicht nur faul am Strand gelegen. Foto: Lars Jacobsen
Alex hat den Sommer in Frankreich verbracht und nicht nur faul am Strand gelegen. Foto: Lars Jacobsen

Wer sind bei der diesjährigen DM deine stärksten Konkurrenten?

Soweit ich weiß, kommt der amtierende deutsche Meister Leon Glatzer nicht, aber Arne und Tobi Schröder sind auf jeden Fall dabei, und man weiß nie, wer noch alles auftaucht. Außerdem werden viele der Junioren, wie Dylan Groen oder Jakob Lilienweiss, jedes Jahr stärker. Auch Alex Zirke überlegt, wieder vorbeizuschauen – worauf ich mich besonders freuen würde, denn es ist echt lange her, seit ich mit ihm surfen war!

Wie sähe für dich das perfekte DM-Finale aus?

Schulterhohe Wellen bei leichtem Onshore auf einer schnellen Left. Neben mir sitzen Adrian Siebert, Paul Günther und Tobi im Wasser, mit denen ich hier in Frankreich als Surflehrer im Puresurfcamp in Moliets arbeite. Das wäre dann eigentlich eine typische Sommer-Surfsession…

Surf DM 2015, 3.-10. Oktober, Vieux Boucau, mehr Infos gibt es auf www.surfdm.de

Du willst wissen, wie es bei den deutschen Meisterschaften 2014 war? Dann schau dir dieses Highlight-Video an: