Dean Lucas & Adam Coleman

Viele von euch werden die traurigen Nachrichten aus Mexiko in der letzten Woche mitbekommen haben. Zwei Surfer sind wohl bei einem Überfall umgekommen. Doch ist Mexiko wirklich so gefährlich, wie man nach solchen Nachrichten glauben könnte? Wir haben nachgefragt.

Der Fall:
Dean Lucas und Adam Coleman, zwei Surfer aus Perth an der Westküste Australiens, hatten in Kanada gearbeitet und waren dann in einem Van am Pazifik entlang Richtung Süden gefahren. Ihr Ziel hieß Guadalajara in Mexiko und geplant war, dort Ende November anzukommen. Doch sie kamen nie an. Das letzte Mal gesehen wurde die beiden, als sie am 20. November gegen 22 Uhr die Fähre verließen, die Cabo auf der Halbinsel Baja California mit Topolobampa in der Region Sinaloa auf dem Festland verbindet. Eine Fährverbindung zwischen zwei Welten. Während die Baja bei Surfern aus den USA beliebt ist, hat die Region Sinaloa den Ruf von Drogenkartellen kontrolliert zu werden und genau dort verlor sich ihre Spur.

Als die Angehörigen von Dean und Adam nichts mehr von den beiden hörten, gaben sie eine Vermisstenanzeige auf. Nur wenige Tage später fand die mexikanische Polizei genau auf der Route zwischen Topolobampa und Guadalajaraden den Van der Surfer. Er war komplett ausgebrannt und im Inneren befanden sich die Überreste zweier Leichen. Noch ist nicht bewiesen, dass es sich dabei wirklich um Dean und Adam handelt, doch deuten alle Indizien darauf hin. Außerdem wurden inzwischen in Mexiko drei Männer festgenommen. Angeblich haben die auch zugegeben, zwei Touristen erschossen und deren Van angezündet zu haben. Der Grund: Sie setzten sich bei einem Überfall zur Wehr.

Leben in Mexiko:
1999 kam Swantje Salinas das erste Mal nach Mexiko, verliebte sich in das Land und fand dabei ihren Ehemann. Heute betreiben sie zusammen das Puerto Surf House und pendeln zwischen Deutschland und Mexiko. Swantje kennt also den Alltag in Mexiko und weiß, ob es wirklich so gefährlich ist, wie viele nun denken.

Ihr habt euer Surf-Guesthouse bei Puerto Escondido, also weit im Süden. Der Vorfall ereignete sich weiter im Norden, in Sinaloa. Wie weit liegen diese Regionen auseinander und wie unterscheiden sie sich?

Sinaloa liegt ca. 1700 Kilometer entfernt von uns, was hier sicherlich zwei Tage Busfahrt bedeuten würde. Dort im Norden gibt es Mafiakartelle, die sich bekämpfen. Als Folge herrschen dort einfach andere Gesetze, und bestimmte Gebiete sollte man derzeit meiden sowie keinesfalls bei Nacht unterwegs sein. Wir leben im Süden in Oaxaca und haben es für mexikanische Verhältnise friedlich und sicher. Hier haben sich die Kartelle noch nicht ausgebreitet, vielleicht weil es einer der ärmsten Bundesstaaten Mexikos ist und er so weit entfernt von der Grenze zu den USA liegt.

Swantje pendelt seit 16 Jahren zwischen Deutschland und Mexiko.
Swantje pendelt seit 16 Jahren zwischen Deutschland und Mexiko.

Gibt es viele Surfer, die auf eigene Faust durch Mexiko touren und gibt es wirklich so eine Art „No Go-Area“, die man umgehen sollte?

Hier in Mexiko sind viele Surfer vollkommen selbstständig unterwegs. Tatsächlich ist dieser traurige Vorfall auch der erste registrierte dieser Art. „No Go-Areas“ gibt es aber auf jeden Fall. Allerdings eher im Landesinneren, eben genau dort, wo man Drogen gut anbauen kann. Dafür bekannte Bundesstatten sind Guerrero, Michoacán oder Jalisco. An der Küste ist es dagegen in der Regel recht sicher.

Wie gefährlich würdest du es einschätzen, im Van Mexiko auf der Route der beiden Surfer zu durchqueren? Ist das wirklich ein riskantes Vorhaben oder war das Zusammentreffen mit den falschen Leuten am falschen Ort nur unglaubliches Pech?

Ich persönlich würde mich gründlich über die aktuelle Situation erkundigen, bevor ich eine Tour starte: Wo ist es sicher? Wo gibt es Krieg zwischen den Kartellen? In Gegenden, die ich nicht kenne, würde ich unbekannte Straßen meiden, genauso wie Nachtfahrten. Überfälle können immer passieren. Jedoch eher von einfachen Banditen als von Mitgliedern der Drogenkartelle. Man kann nicht ganz so naiv durch die Gegend spazieren wie in Deutschland, würde ich behaupten. Nachts einsame Ecken meiden und lieber mit dem Taxi nach Hause fahren, würde ich ebenfalls raten. Mexiko ist einfach ein anderes Land und ich glaube auch, dass die Sicherheit, die wir in Deutschland gewohnt sind, nicht in vielen Ländern auf dieser Welt existiert.

Das Puerto Surf House...
Das Puerto Surf House…
... und der Grund, warum Surfer nach Mexiko pilgern.
… und der Grund, warum Surfer nach Mexiko pilgern – demonstriert von Swantjes Ehemann David.

Übrigens:
Das australische Surfmag Stab erkundigte sich nach dem Bekanntwerden des traurigen Vorfalls bei Rusty Long. Der Big-Wave-Surfer aus Kalifornien war vor 2006 auch auf der Route durch Mexiko unterwegs. Das war in einer Zeit, kurz bevor die Drogenkartelle ihren Krieg begannen, heute würde er so eine Tour nicht wiederholen. Ganz anders sieht Rusty aber auch die Situation auf der Baja California und rund um Puerto Escondio im Süden. Dort spricht rein gar nichts gegen einen Surftrip – nur die gefährlichen Gegenden dazwischen heißt es zu meiden.