Fundstück der Woche

Es sieht aus wie ein Baumstamm und ist auch fast so schwer.Trotzdem soll so ein Olo ein voll funktionstüchtiges Surfboard sein. Du brauchst einfach nur etwas Hilfe, es ins Wasser zu bringen.

Was ist ein Olo?
Ein echtes Olo ist auf jeden Fall schon hunderte Jahre alt und glitt nur unter königlichen Füßen durchs Wasser. Denn im 17. und 18. Jahrhundert durften nur hawaiianische Häuptlinge oder Könige auf diesen finnenlosen, bis zu 100 Kilogramm schweren und über sieben Meter langen Boards aus Vollholz über die Wellen gleiten. Wer nicht blaublütig war und sich trotzdem am Bau eines Olos versuchte, wurde kurzerhand enthauptet. Dementsprechend klein war die Olo-Surfszene. Wenn dann allerdings eine neues Board gebraucht wurde, fällte man nicht einfach einen Baum. Nein, man folgte einem strengen Ritual: Zuerst musste ein geeigneter Wiliwili-Baum gefunden werden, denn kein anderes Holz war gut genug für königliche Füßen. Dann wurde ein roter Kumafisch als Opfer am Fuß des Stamms abgelegt und nach einem kurzen Gebet der Baum gefällt.

Sind Olos vom Aussterben bedroht?
Eindeutig ja! Heute gibt es auf der ganzen Welt noch zwei Olos aus der Zeit der haiwaiianischen Könige. Eines davon steht im Bishop Museum in Honolulu. Wer es genauer unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass Deck und Bottom nicht einfach flach, sondern konvex gearbeitet sind und die Rails messerscharfe Kanten haben. Bemerkenswert, da den frühen Shapern nur scharfe Steine und Korallen als Werkzeuge zur Verfügung standen.

Tom Wegener mit einem seiner Olos aus der eigenen Werkstatt.
Tom Wegener mit einem seiner Olos aus der eigenen Werkstatt.

Werden Olos heute noch gebaut?
Der Markt ist mausetot, würde ein Ökonom wohl über die aktuelle Nachfrage nach Olos sagen. Ein Shaper von heute hat sich aber dennoch an einem Olo versucht: Tom Wegener. Der Shaper von Australiens Sunshine Coast geht nämlich nicht surfen, um andere zu beeindrucken, sondern um neue Erfahrungen zu sammeln. Daher verdanken wir Tom auch schon die plötzliche Auferstehung der Alaia-Boards vor einigen Jahren. Wahrscheinlich war der Erfolg der kleinen, dünnen Alaias auch der Grund, warum sich Tom später an den Bau eines Olos wagte.

Kann man darauf surfen?
Die eindeutige Antwort darauf lautet: Jein. Den Beweis brachte Tom selbst, als er sein Eigenbau-Olo zum ersten Mal testete: „Wenn du eine Welle erwischst, die nicht einmal kopfhoch ist, taucht das Olo einfach ab und surft wie ein Delfin in der Welle, statt auf der Oberfläche zu gleiten. 30 Zentimeter unter Wasser ist das Board mit der Welle Richtung Strand geritten. Zuerst ließ ich nicht los und versuchte mich festzuhalten. Dabei hätte es mir aber beinahe die Arme abgerissen. Olos funktionieren erst richtig, wenn die Wellen groß und kräftig genug sind, das schwere Board so zu beschleunigen, dass es aus dem Wasser taucht. Leicht zu reiten sind sie dann aber auch keinesfalls“, erzählt Tom. „Ehrlich gesagt ist es verdammt schwer, so ein Monster zu surfen.“

Knapp fünf Meter lang und 80 Kilo schwer ist der Olo-Nachbau, auf dem sich Tom Wegener und Dave „Rasta“ Rastovich in kleinen Wellen versuchen.