Das Monster-Tube-Finale von Puerto Escondido

Credit: WSL
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Samstagmorgen war der Swell in Mexiko etwas kleiner, aber auch cleaner geworden. So wurde Tag 2 der Puerto Escondido Challenge zur wahren Barreljagd, nachdem es am Freitag eher ums Überleben gegangen war.

Swellcheck am Morgen

Über die Bedingungen am Samstagmorgen für die beiden Halbfinale und das Finale der Puerto Escondido Challenge sagten die Kommentatoren: „Ein bisschen kleiner als am Vortag.“ Tatsächlich war das ein wenig untertrieben, denn die Wellen waren über Nacht ein ganzes Stück kleiner geworden. Statt der lebensbedrohlichen Wasserberge von über 35 Fuß, warteten nun vielleicht 20-Fuß-Faces auf die Surfer. Im direkten Vergleich mag das spielerisch erscheinen, doch das täuscht. Denn die berüchtigte „Death Closeout Section“ von Puerto Escondido war immer noch präsent. Dabei handelt es sich um Wellen, die beim Takeoff wie ein perfekter Peak aussehen, dann aber plötzlich auf die innere Sandbank treffen und sich in einem Sekundenbruchteil verwandeln. Aus einer cleanen Wall wird dann ein gieriger Höllenschlund, der fast das gesamte Wasser von der Sandbank saugt. Oft sah es aus, als würde die Welle über ihre eigenen Füße stolpern. Einem Surfer sollte das an diesem Tag auch noch zum Verhängnis werden.

So sahen die Wellen an Tag 2 für das Finale aus.
So sahen die Wellen an Tag 2 für das Finale aus.

Der Mann des Tages

Grant „Twiggy“ Baker wachte Samstagmorgen auf, sah den Ozean und wollte nur noch eins: surfen. „Genau meine Lieblingsgröße für Puerto Escondido“, sagte der 43-jährige Südafrikaner. Dabei sprach er nach seiner Einschätzung übrigens von 12 Fuß. Aber Big-Wave-Surfer messen die Wellen ja meist von hinten, also den viel kleineren Rücken der Welle und nicht das Face. Vor vorne gemessen waren einige Sets sicher doppelt so hoch. „Twiggy“ surfte dann auch kompromisslos, als ob es sich um einen Spaßsurf mit kopfhohen Wellen handeln würde. Er zog in eine Barrel nach der anderen und bremste dabei teils mit beiden Armen im Face ab, um noch tiefer in die Tube zu kommen. Wohlgemerkt auf einer Gun zwischen 9 und 10 Fuß, die so leicht zu manövrieren ist wie ein Sattelzug durch einen Kreisverkehr. „Twiggy“ war der Mann des Tages und holte sich den Sieg beim ersten Contest der Big Wave World Tour in Mexiko. Als Preisgeld gab es dafür 25.000 Dollar und eine der coolsten Trophäen (nur unsere persönliche Meinung) bei einem Surfcontest.

Twiggy gewinnt vor Greg Long, dem amtierenden Big Wave Weltmeister.
Twiggy gewinnt vor Greg Long, dem amtierenden Big-Wave-Weltmeister.

Die Zusammenfassung des Finales mit einigen „Twiggy-Ritten“.

Der Pechvogel des Tages

Am Freitag war Makua Rothman aus Hawaii für uns der Mann des Tages. Kein Surfer musste bei der Puerto Escondido Challenge mehr einstecken und gab trotzdem nicht auf. Am Samstag sah es dann so aus, als wollte der Ozean nochmal zeigen, dass er am Ende immer der Stärkere ist. Makua machte den Takeoff tief hinter einer Barrelsection, doch die Welle machte zu, zeigte ihre berüchtigte „Death Closeout Section“ und verschluckte Makua in einer explodierenden Walze aus Sand, Schaum und Wasser. „Ich wurde hochgesaugt, ging ‚over the falls‘ und schlug voll auf meiner 10-Fuß-Gun ein. Oder meine Gun schlug auf mir ein“, berichtete Makua später. Auf jeden Fall überstanden eine seiner Rippen und wohl auch ein Bein den Wipeout nicht unbeschadet. 20 Minuten nach Beginn des Finales war der Contest für ihn vorbei.

Makuas letzter Ritt für den Tag.

Die Highlights vom potentiell lebensbedrohlichen Tag 1 gibt es hier in 3 Minuten zusammengefasst.

Wer sich immer schon gefragt hat, wo die Jungs ihre riesigen Guns lagern. Hier ist die Antwort: Im Pool.
Wer sich immer schon gefragt hat, wo die Jungs ihre riesigen Guns lagern. Hier ist die Antwort: Im Pool.