Die großen Stars waren gestern sicher Gabriel Medina und Tyler Wright, die beim Quik bzw. Roxy Pro siegten. Aber es gab auch eine ganze Reihe an Nebendarstellern, die abseits des Rampenlichts das eine oder andere Schicksal besiegelten:

Nebendarsteller: Geduld
„Wenn du perfekte Wellen über eine Sandbank brechen siehst, ist es schon zu spät. Du musst ins Wasser, wenn du denkst, dass es bald gut werden könnte“, lautet ein Spruch unter den Locals in Hossegor. Denn die Gezeiten verändern die Wellen hier schneller, als du deinen Neo anziehen kannst. Eine Lektion, die der Atlantik Owen Wright in seinem Quarterfinal gegen Adriano de Souza erteilte. Denn Owen hatte gute Wellen zu Beginn des Heats gesehen, große Setwellen, die perfekt die Sandbank entlangliefen. Er hatte Priority, also setzte er sich auf sein Board und wartete auf das nächste Set. Doch das ließ sich Zeit, über 15 Minuten lang nahm Owen keine Welle, bis das nächste große Set heranrollte. Doch inzwischen war das Wasser weiter abgelaufen und die Welle brach anders, fast wie ein Closeout. Owen hatte zu lange gewartet, surfte keine Welle mehr und unterlag Adriano. Der hatte nämlich nicht auf die Setwellen gesetzt, sondern ein paar kleinere genommen.

Der Heat Owen gegen Adriano in der Zusammenfassung.

Nebendarsteller: Hype
Es war das vierte Quarterfinal des Quik Pro, das schon seit Tagen zum Heat des Contest hochgehypt wurde: John John Florence gegen Gabriel Medina, das Duell der beiden Air-Giganten. Doch nachdem sich die beiden Superstars 30 Minuten duelliert hatten, kamen wir uns vor, als hätte man uns die süßeste Praline aller Zeiten versprochen und dann doch nur einen ollen Kinderriegel in die Hand gedrückt. Im Prinzip passierte nicht viel. Medina nahm kleinere Wellen an der Inside und holte Wertungen zwischen 6 und 7 Punkten. Nicht wirklich hohe Scores, aber ausreichend, um John John tief ins Comboland zu schicken. Denn der Hawaiianer wartete, wartete und wartete auf die Setwellen, die nie kommen sollten. Kurz vor der Schlusssirene änderte er dann doch noch seine Taktik und nahm eine kleine Welle. Tatsächlich entpuppte sich der Ritt dann als der Beste des ganzen Heats, aber John John fehlte danach die Zeit, um noch nachzulegen.

Nebendarsteller: Kälte
Am Morgen sah der Atlantik aus wie ein gigantischer Whirlpool. Das Wasser war so viel wärmer als die Luft (Thermometercheck bei Sonnenaufgang: 2 Grad), dass sich dicke Dampfschwaden aus dem Wasser erhoben. Warm fanden es die Surfer deshalb auch nur im Wasser und bitterkalt am Strand. Selbst warme Fußbäder wurden genutzt, um nicht komplett auszukühlen.

Ohne Fußbad wäre Bede Durbidge wohl nicht nochmal ins Wasser gegangen.
Ohne Fußbad wäre Bede Durbidge wohl nicht nochmal ins Wasser gegangen.

Nebendarsteller: Unbarmherzigkeit
Französische Beachbreaks können sanft und nett sein oder fies und brutal. In letzterer Stimmung begegneten sie Tatiana Weston-Webb im zweiten Semifinal des Roxy Pro. Geschlagene zehn Minuten prügelte eine Welle nach der anderen auf sie ein, bis sie es endlich wieder in den Lineup geschafft hatte. Das ist ein Drittel des gesamten Heats, den sie in der Impact Zone verbrachte. Gewonnen hat sie am Ende dennoch gegen Carissa Moore.

Nebendarsteller: Sand
Es war das erste Semifinal des Quik Pro, als er sich in seiner ganzen Pracht zu zeigen begann: Sand, der von den Wellen nach oben gesaugt wird und die Wasserwände dunkelbraun färbt. Jeder, der schon mal in Frankreich surfen war, kennt dieses Schauspiel, das sich immer bei Ebbe auf den Sandbänken abspielt. Und er weiß wohl auch, dass das ein sicheres Zeichen für sehr schwierige Surfbedingungen ist. Den Profis ging es auch nicht besser: Julian Wilson hatte noch zehn Minuten Zeit und hätte nur 4.5 Punkte gebraucht, um Bede Durbidge zu besiegen. Eine lächerlich kleine Wertung, aber es gab nur noch Closeouts – braune Closeouts, um genau zu sein.

So sahen die Wellen aus, als zum Finale wieder mehr Wasser auf der Bank war.
So sahen die Wellen aus, als zum Finale wieder mehr Wasser auf der Bank war.

Nebendarsteller: Huey
Wenn Huey, der Wellengott, gegen dich ist, hast du keine Chance. Wenn aber Huey auf deiner Seite ist, bist du praktisch unschlagbar. Es scheint, als ob Huey mit Gabriel Medina war. Nicht nur, dass der Brasilianer im zweiten Semifinale gegen Adriano de Souza die erste 10 des Tages holte. Nein, auch im Finale gegen Bede Durbidge sah es so aus, als ob alle Wellen zu Gabriel kommen würden. Die Statistik spricht für sich: Gabriel surfte doppelt so viele Wellen wie Bede und bekam auch fast doppelt so viele Punkte von der Jury (Gabriel: 9 und 8.5 Punkte, Bede: 4.67 und 4.77 Punkte).

Gabriel Medinas 10-Punkte-Ritt.

Nebendarsteller: Rangliste
Mit einem Sieg hätten die Besten der Rangliste vielleicht eine Vorentscheidung in Sachen Weltmeistertitel herbeiführen können. Aber die Titelanwärter Mick Fanning, Adriano de Souza, Owen Wright und Julian Wilson scheiterten allesamt vor dem Finale. Die Spannung bleibt also für den nächsten Contest in Peniche erhalten und vielleicht auch noch bis zum Saisonabschluss in Pipeline. Genauso lief es beim Roxy Pro. Denn die Top 3, Carissa Moore, Courtney Conlogue und Sally Fitzgibbons, flogen alle vor dem Finale raus.

Alle Highlights vom Finaltag.