Der amtierende deutsche Meister Marc Piwko redet Klartext: über Facebook-Freundschaften, Olympia, Klamottenvorlieben und sein Leben in Amsterdam. Ein launiges Interview von und mit Konstantin Arnold.

Wenn man im Lexikon „Tausendsassa“ nachschlägt, erscheint ein Bild von Konstantin Arnold. Der 25-Jährige ist Buchautor (Adventura), Blogger (BYND Magazine), Journalist (u.a. für VICE) und Moderator. Für uns hat er den amtierenden deutschen Meister Marc Piwko zum Interview getroffen. Herausgekommen ist ein Zwiegespräch, das die beiden so auch nachts um halb vier in einer dunklen Kneipenecke hätten führen können…

Marc Piwko ist das, was sich deutsche Surferherzen in ihrer ganzen Wettkampfromantik ausmalen. Auf einmal da. Nur eben zehn Minuten zu spät für dieses Interview, weil sein Chef auch in den Abendstunden noch auf warmen Filterkaffee angewiesen ist. Leichtfüßig wie eine spanische Sternschnuppe, die unbekümmert den Weg in den deutschen Surfolymp gefunden hat. Er ist der Champ der Herzen. Im Sich-selbst-nicht-zu-ernstnehmen. Jedenfalls bis September. Ein unentdeckter Frauentyp. Mit weicher Schale und hartem Kern. Mit immer gleichem Scheitel und einer wunderschönen Schwester. Marc Piwko. Echt und unbekümmert vom Boardstein bis zur Skyline.

Konstantin: Manchmal erinnerst du mich an ein spanisches H&M-Model. Aber ein intelligentes..

Marc: Genauso fangen deine Interviews mit mir immer an! [haha]

Okay, dann versuchen wir’s anders! Hast du in Scheveningen schon mal am Pier geküsst?

Leider nicht. Oder zählt, dass ich meiner Mama dort einen Kuss auf die Wange gegeben habe?

Du Perverser. Deine Mama hat mich letztens auf Facebook geaddet.

Die Frage ist, warum sie das nicht machen sollte? Ich würde dich auch adden, wenn ich dein Hipster-Profil sehen würde.

Vielleicht kommt keine Mütze bei erfahrenen Frauen auch einfach gut an. Aber mal ernsthaft: Hast du viele Frauen getroffen, weil du der Deutsche Meister bist?

Nein. Ich hatte mir mehr von diesem Titel erwartet.

Mehr Kilos?

Manche Frauen wissen es genau, tun aber so, als ob sie mich nicht kennen würden.

Stolz & Peinlich! Wie mit den nie gesehenen Facebook-Freundschaften.

Von denen gibt’s viele! Da hat sich nach der letzten DM auf jeden Fall einiges getan. Im Endeffekt find ich es aber geil, dass die Leute einfach Interesse an einem haben.

Dich gibt es mittlerweile auch als Facebook-Fanpage. Zu viele weibliche  Beziehungsanfragen für zu wenig Koordinationsfähigkeit oder macht das dein Surfen einfach generell professioneller?

Ich habe lange darüber nachgedacht, eine Fan-Page zu erstellen, aber hatte eigentlich nie wirklich Lust drauf [Lüge, Anm. des Autors]. Für die Sponsoren ist es aber letztlich ein guter Gewinn. Wenn du nicht gerade Dane Reynolds bist, musst du dich eben fügen. Somit ist mein eigenes Profil privat und ich kann endlich wieder so viel Scheiße posten wie ich will.

Mit solchen Cutbacks stehen Marcs Chancen nicht schlecht, bei der diesjährigen Surf DM seinen Titel zu verteidigen. Foto: Patrick Steiner Photography
Mit solchen Cutbacks stehen Marcs Chancen nicht schlecht, bei der diesjährigen Surf DM seinen Titel zu verteidigen. Foto: Patrick Steiner Photography

Dieser Schachzug gibt dir also die Privatsphäre zurück, die du brauchst, um bei O’Neill ungestört Kaffee zu kochen?

Ich trinke keinen Kaffee… Next Question! Oder kapier ich die Frage nur wieder nicht?

Vielleicht sollten wir für dich und die Leser kurz klären, was du gerade in Amsterdam treibst!

[haha] Ich arbeite gerade für das O’Neill Headquarter in Amsterdam als Praktikant im Marketing.

Also doch Kaffee kochen? Diese Stadt ist definitiv zu dirty für deinen ordentlichen Scheitel!

Das ist auf jeden Fall wahr. Beides! Ich habe krasse Situationen erlebt, seitdem ich hier bin.

Raus damit!

Ich kann nicht in die Details gehen. Aber Holland und Amsterdam entsprechen wirklich genau den Vorstellungen, wenn man an Holland, Amsterdam und Drogen denkt. Viel gesehen, viel erlebt!

Ich find Drogen Scheiße!

Dafür hast du viel anderen Blödsinn im Kopf [haha]. Ich bin auch kein Fan von Drogen, verstehe es aber, wenn Leute neugierig sind.

Ich habe einmal in einer sehr skurrilen Situation Kelly Slaters Jersey angehabt, bevor er am nächsten Morgen in seinen Viertelfinal-Heat gepaddelt ist.

Hat er was dazu gesagt?

Davon weiß Kelly nichts!

Du Rebell! Hat er dich dafür zum Arbeiten in seine Outerknown Child-Work Factory geschickt?

Ich finde Outerknown passt zu dir! Du trägst gerne gutgebügelte Karohemden statt vollgedrucktes Surf-Apparel. Weißt du eigentlich gerade, was wirklich cool ist?

Da hast du recht! Ich finde die Klamotten nicht schlecht. Habe aber auch die gleichen Sachen bei O’Neill. Ich mag es, Styles zu mixen. Manchmal eleganter und manchmal edgy wie du bist [was immer das auch bedeuten mag, Anm. des Autors]. Mein heimlicher Held.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, was Marc von Olympia hält.