Eine Welle, die es locker in die Top Ten unserer persönlichen „Surfspots, die wir einmal im Leben gesurft haben müssen“ schafft. Leider bleibt das wohl ein Wunschtraum, denn Sandspit ist ein wahres Biest von einer Welle, das nicht leicht zu zähmen ist.

Was ist so toll an Sandspit?

Für uns entspricht diese Welle so ziemlich der ultimativen Spaßfabrik in Sachen Surfen. Wer einmal gesehen hat, wie sich ein Surfer in dieser kleinen, superhohlen Barrel geparkt hat und endlose Sekunden lang down the line gerast ist, muss einfach sagen: „Das will ich auch.“ Dazu kommt, dass du dir keine Sorgen machen musst. Denn du surfst über Sand und nicht über einem scharfen Korallenriff. Außerdem sind Sandspit-Tubes nicht so groß und brutal wie Pipeline-Barrels, sondern erscheinen vergleichsweise fast klein und bilden dabei doch so perfekte Röhren. Tatsächlich erinnert Sandspit verdammt an Kelly Salters Wavepool-Tube, und deren Magie kann sich wirklich niemand entziehen.

Dane Reynolds parkt im Sandspit-Pit und lässt die Welle die ganze Arbeit machen.
Dane Reynolds parkt im Sandspit-Pit und lässt die Welle die ganze Arbeit machen.

Klingt doch ganz „easy“, oder?

Stimmt, aber die Tube von Sandspit ist nur eine Seite der Medaille und zwar die einfache. Der Takeoff ist die andere Seite: Du paddelst in eine buckelnde, sich windende Wasserwand, die urplötzlich in die Höhe schießt und ihre Lippe weit auswirft. Grund ist der Backwash, der an diesem Spot von einer Hafenmauer zurückgeworfen wird und jeden Takeoff-Versuch in einen Drahtseilakt verwandelt. Im Prinzip gibt es zwei Varianten: Du wirst plötzlich in die Luft katapultiert und hast keine Ahnung warum. Oder du stehst einen supersteilen Freefall-Takeoff und erfährst im nächsten Moment, was so toll an Sandspit ist (siehe oben).

Zwei Bilder, die zeigen, was Backwash mit einer Welle machen kann.
Zwei Bilder, die zeigen, was Backwash mit einer Welle machen kann.
Josh Kerr ist aber einer der wenigen Surfer, denen selbst solche Freaks unter dem Board nichts anhaben können.
Josh Kerr ist aber einer der wenigen Surfer, denen selbst solche Freaks unter dem Board nichts anhaben können.

Bricht Sandspit jeden Tag?

Nein, eigentlich bricht Sandspit fast nie. Denn der Swell muss wirklich heftig sein, dass er die geschützte Sandbank an Kaliforniens Küste erreicht. Letzte Woche war es aber wieder einmal soweit und von Mittwoch bis Freitag rollte eine brust- bis kopfhohe Tube nach der anderen über die Sandspit-Sandbank. Zur selben Zeit brachen in Mavericks riesige Wellen, die jedes zweitstöckige Gebäue locker überragt hätten – das nur um zu verstehen, welche Swellhöhe Sandspit benötigt.

Ein Clip von letzter Woche. Ab Minute 1 ist Dane Reynolds zu sehen (extrem entspannt) und ab Minute 2.14 ein Ritt, der wie eine optische Täuschung aussieht (zuerst dachten wir, dass der Surfer rückwärts surft), aber vollkommen real ist.

Noch was?

Ja, denn wenn Sandspit „on“ ist, verbreitet sich das wie ein Lauffeuer. Kein Wunder, dass sich im Lineup fast so viele Pros wie bei einem Worldtour-Event tummeln. Letzte Woche wurden etwa Dane Reynolds, Josh Kerr, Yadin Nicol, Bobby Martinez gesehen… Selbst eine Welle abzubekommen, ist dementsprechend kompliziert.

Ich will trotzdem hin!

Dann auf nach Santa Barbara (liegt nördlich von Los Angeles in Kalifornien) und nach dem Yachtclub fragen. Sandspit liegt direkt vor der Hafenmauer. Übrigens ein Surfspot, der durch Menschenhand erschaffen wurde, als man 1929 die Schutzmauer für den Yachthafen errichtete. Geplant war das natürlich nicht, sondern reiner Zufall. Wer weiß, ob die Welle auch so gut geworden wäre, wenn man sie ganz bewusst geplant hätte.

Sandspit im Überblick - natürlich brach keine Welle, als der Satellit darüber flog.
Sandspit im Überblick – natürlich brach keine Welle, als der Satellit drüberflog.