Heute Abend gegen 18 Uhr startet der Livestream der Todos Santos Challenge, und bei Wellenfaces von bis zu 40 Fuß rechnen wir mit einer richtig guten Show. Vor allem, seit Kelly Slater gestern angekündigt hat, bei diesem Stopp der Big Wave World Tour ebenfalls am Start zu sein! Was ihn und die besten Big-Wave-Charger der Welt (u.a. Greg  Long, Nathan Fletcher und Makua Rothman) in Todos Santos erwartet? Wir haben den Spot vor der Küste Mexikos einmal genauer unter die Lupe genommen… 

Das Grauen lauert am Horizont. Es schleicht sich an, kommt immer näher und schlägt plötzlich wie aus dem Nichts zu. „In Todos Santos sieht man die Wellen nicht kommen, der kleinste Wasserhügel wächst plötzlich zu einem haushohen Brecher empor“, erklärt Gary Linden, der Gründer der Big Wave World Tour, die Besonderheit des Spots. „Wer das nicht weiß und zur falschen Zeit am falschen Ort sitzt, wird von den Wassermassen einfach überrannt.“ Gary, der hier in 25 Jahren nicht einen guten Swell verpasst hat, passiert das aber kaum noch, er hat im Laufe der Zeit gelernt die Zeichen zu deuten: „Mit anderen Surfern im Lineup reden? Nein, Ablenkung ist gefährlich. Ich behalte lieber den Ozean im Auge, beobachte jede Bewegung auf der Oberfläche und erspare mir so den einen oder anderen Wipeout.“

So sah Todos Santos während des letzten El-Nino-Winters 1998 aus. Heute werden wir dort sicher ähnliche Ritte sehen!
So sah Todos Santos während des letzten El-Niño-Winters 1998 aus. Heute werden wir dort sicher ähnliche Ritte sehen!

Wenn alle Welt von dem Big-Wave-Spot Todos Santos spricht, ist das eigentlich falsch. So heißt zwar die Inselgruppe mitten im Pazifik, 20 Kilometer von der mexikanischen Küste und nur per Boot zu erreichen. Aber der korrekte Name für den Surfspot vor der schroffen Felsklippen am nordwestlichsten Punkt der Inselgruppe lautet „Killers.“ Ungebremst trifft hier die Dünung auf die Küste, wenn sich zwischen Dezember und Februar gewaltige Stürme aus Alaska ihren Weg in Richtung Süden bahnen.

Greg Long hat sich vor drei Tagen schon einmal in Todos Santos warmgesurft...
Greg Long hat sich vor drei Tagen schon einmal in Todos Santos warmgesurft…

Wenn die Wellen hier Höhen von 15 bis 20 Meter erreichen, ist in „Killers“ die Hölle los – Surfer aus der ganzen Welt drängen sich im Lineup. Einer von ihnen ist dann auch Gary Linden, lieber sind dem 65-Jährigen aber die Tage, an denen die Wellen nicht ganz perfekt sind und er alleine im Wasser sitzt. Seit es Wellenvorhersagen im Internet gibt, erlebt er solche Tage allerdings nur noch selten. „Früher war ich hier oft der einzige Surfer, schlief ich in dem alten Leuchtturm, surfte den ganzen Tag und kehrte müde, aber unglaublich glücklich zurück nach Hause.“ Eine Sache hat sich aber nicht geändert: die Welle. „In „Killers“ gibt es keine Postkartenperfektion, hier ist alles roh und ungehobelt. Zuerst der steile Takeoff, dann ein Drop nahe am freien Fall. „Ein Gefühl, als würdest du ein paar Stockwerke in die Tiefe stürzen“, erklärt Gary. „Der Ritt ist nicht sehr lang, aber intensiv und mit etwas Glück wirft die Welle ihre Lippe so weit nach vorne, dass du sogar getubed wirst. Für mich geht es in Todos Santos aber mehr um das Gesamterlebnis: Hier draußen fühlst du dich der Natur so nah, es gibt nur dich und die Welle.“