Was erwartet uns in Rio?

Heute startet der Oi Rio Pro, und nichts wird so sein, wie es war. Vielleicht wendet sich das Image des einzigen WSL-Contests in Brasilien sogar zum Positiven. Denn bislang genoss der Spot den zweifelhaften Ruf, „das hässliche Entlein“ der Worldtour zu sein.

Neuer Spot!

Die Surfer schimpften: „Das Wasser macht uns krank“ und „Die Wellen sind shit“. Doch die Kritik schien niemanden zu kümmern. Die Miniatur-Trabantenstadt, die als Conteststandort dienen sollte, wurde am selben Ort wie immer aus dem Boden gestampft: Barra Da Tijuca, einem Stadtteil von Rio de Janeiro, wo die Schönen und Reichen der Stadt wohnen, wie etwa der ehemalige Fußballgott Ronaldo. Neu war nur ein Steg, auf dem die Surfer hoch über dem Strand und den Köpfen der Fanmassen direkt aus der Zeltstadt bis ins Wasser laufen würden. Anscheinend war es zu schwer, den Pros einen Weg über den Strand zu bahnen.

Die berühmte Brücke, die leider vollkommen umsonst gebaut wurde.
Die berühmte Brücke, die leider vollkommen umsonst gebaut wurde.

Doch dann drehte der Ozean auf, schickte einen riesigen Swell und demolierte die Zeltstadt. Als Folge muss der Contest nun 25 Kilometer weit nach Grumari umziehen. Ein großer und recht geschützter Strand in einem städtischen Park. Statt Großstadtatmosphäre wird nun fast schon Dschungelflair herrschen. Dort ist das Wasser sauber, und die Wellen sollen besser sein. Rookie Conner Coffin war gestern schon am neuen Spot im Wasser und meinte danach: „Die Wellen brechen nicht direkt auf den Sand (wie bei dem alten Spot), es gibt mehr Platz für Manöver und auch Air-Sections. Insgesamt fühlt sich die Welle mehr wie ein richtiger Spot an und nicht nur wie ein Shorebreak.“

Der neue Spot in Rio. Also wir wären zufrieden mit der Welle.
Der neue Spot in Rio. Also wir wären zufrieden mit der Welle.

Wenn in Grumari alles so toll ist, warum wurde dann dort nicht schon in den letzten Jahren gesurft? „Ein logistischer Alptraum“, meinten die Organisatoren nur, was sich auf die Menschenmassen bezieht, die sich zu dem Strand aufmachen werden. Daher ist der einziger Nachteil für die Pros auch, dass sie sich etwa 45 Minuten durch das Verkehrschaos von Rio kämpfen müssen, um ihre Arena zu erreichen.

So sah es letztes Jahr am Strand von Rio aus. Dieses jahr könnten die Fans dann zu einem Next-Level-Verkehrschaos führen, wenn alle zum neuen Spot fahren.
So sah es letztes Jahr am Strand von Rio aus. Dieses Jahr könnten die Fans dann zu einem Next-Level-Verkehrschaos führen, wenn alle zum neuen Spot fahren. Credit: WSL

Keiner kommt!

Na gut, keiner ist leicht übertrieben. Aber einige der Stars haben abgesagt: Kelly Slater, Joel Parkinson und Kai Otton kommen nicht. Die Gründe sind nicht ganz klar, aber die Wasserqualität könnte die Ursache sein. Taj Burrow, der ja seinen Rücktritt verkündet hat und deshalb nicht in Rio ist, sagte etwa: Es ist kein Geheimnis, dass das Wasser schmutzig ist. Letztes Jahr erinnerte es eher an Abwasser.“ Von Joel heißt es auch, dass er nach dem Contest 2015 in Rio wochenlang an einer mysteriösen Krankheit litt und es ein paar anderen Surfern auch so erging. Offiziell nennen die Surfer die Gründe für ihr Fernbleiben aber nicht, da sie eigentlich verpflichtet sind, an jedem Contest der Tour teilzunehmen. Außer sie sind verletzt oder haben einen anderen driftigen Grund. Ansonsten drohen Disziplinarstrafen der WSL-Tour. Kelly scheint davor aber keine Angst zu haben. Er nannte nur vage „persönliche Gründe“ für sein Fernbleiben. Übrigens eine dramatische Entscheidung für Kelly. Denn mit dem Schwänzen des Rio-Contests hat er die Chancen auf einen weiteren Weltmeistertitel wohl komplett aufgegeben. (Okay, die waren nach den ersten Ergebnissen sowieso recht gering.)

Wieder dabei ist dafür aber Filipe Toledo, der seit seiner Verletzung in Snappers Anfang März nicht mehr surfen konnte. Vor einer Woche stand er dann wieder zum ersten Mal auf seinem Board und wird im Contest dabei sein.

Für alle, die vor Ort sind, könnte es eine ziemliche Air-Show werden.

Was machen die Wellen?

Dienstag sieht gut aus mit einem 5-Fuß-Swell. Danach wird es zwei Tage recht mau, und am Freitag trifft dann neuer Swell ein. Unsere Prime-Prognose: Start heute am Dienstag, dann Pause und ab Samstag geht es dann weiter.

Livestream immer ab 12 Uhr mittags hier.