Kelly wurden schon übermenschliche Kräfte zugeschrieben, so übermächtig dominierte er oft die Wettkämpfe. Doch dann kam 2016, und alles wurde anders: In sieben Heats trat Kelly bisher an und verlor sechs davon. Vier Theorien zur Formkrise des Superstars!


Theorie 1: Kelly ist zu alt

Tatsächlich gibt es rein statistische Hinweise, dass Kelly seinen Leistungspeak überschritten haben könnte. Diesen Verdacht schürt zumindest Michael Jordan, der Fantasy Surfing Commissioner (= ein Computerspiel wie „Fußball Manager“, nur dass man eben ein Surfteam für die Contests zusammenstellt). Michael analysiert nämlich ständig alle Daten jedes einzelnen Heats und weiß daher so gut wie alles über die Punkte, die die verschiedenen Surfer holen. Seine Aussage zum Thema Alter: „Im Durchschnitt holen die Surfer mit 26 Jahren die höchsten Punktezahlen in ihren Heats. Spätestens ab 31 nehmen die Punktezahlen dann deutlich ab.“ Das heißt natürlich nicht, dass ältere Surfer nicht mehr gewinnen können, aber rein statistisch stehen ihre Chancen eben schlechter – so wie für Kelly, der inzwischen 44 ist.

Im idealeren Alter sind dagegen zum Beispiel Jordy Smith (28), Julian Wilson (27), Jeremy Flores (27), Matt Wilkinson (27), Adriano de Souza (29), Nat Young (24) oder John John Florence (23).

Es ist erst ein halbes Jahr her, dass Kelly quasi nicht stürzen konnte und immer wieder auf die Füße kam.

Theorie 2: Kelly hat keine Lust mehr

Kelly meinte schon häufiger, dass er keine Lust hat zu surfen, wenn die Wellen nicht gut sind. Aber entscheidet die Lust oder Motivation tatsächlich über Sieg oder Niederlage in einem Heat? „Absolut“, sagt Jeremy Sheppard, der als Sports Science Manager in einem der australischen High-Performance-Zentren Surfer betreut. „Die meisten scheitern, weil sie nicht verstehen, dass Surfen ein richtiger Sport ist. Du musst dich mit deinem Gegner beschäftigen, die Wellen studieren und wissen, wo du die meisten Punkte holen kannst. Einfach nur zu surfen, reicht nicht aus. Ein Beispiel: 2013 in Bells Beach gewann Adriano de Souza. Der Grund dafür war seine Bereitschaft, jede Sekunde für den Contest zu opfern. So saß er auf einem der Trainingsbikes im Athletenbereich, während die Ladies ihre Heats surften. Er beobachtete jede Welle, um herauszufinden was die Judges mit den meisten Punkten belohnen. Am Ende verschaffte ihm das vielleicht den Vorsprung zum Sieg. Vorbereitung ist eben alles.“

Kelly dagegen schien 2016 bisher nicht sonderlich motiviert in Sachen Vorbereitung. In Snappers, beim ersten Contest des Jahres an der Gold Coast, machte er einen großen Bogen um die Contest-Sandbank, während andere dort etliche Sessions surften. „Viel zu voll“, lautete seine Meinung nur. Genauso erschien Kelly in Margaret River an der Westküste zum noch laufenden Drug Aware Pro in letzter Minute. Diesmal war es ein Pressetermin für seine Marke Outerknown, der ihn aufgehalten hatte. Er schied in Runde 2 aus.

Kelly vor wenigen Tagen in Margaret River. Der Unterschied ist deutlich: Vor einem Jahr wäre er nicht gestürzt.

Oder wurde Kelly einfach nur die göttliche Unterstützung gekündigt? Die Antwort steht auf der nächsten Seite.