Wer nach Australien fliegt, nach Südafrika oder nach Kalifornien, weiß von den Haien dort und der potentiellen Gefahr, beim Surfen unfreiwillig in die Nahrungskette eingereiht zu werden. Wer nach Bali fliegt, braucht sich dagegen keine Sorgen zu machen. Oder doch?


Eine kleine Vorgeschichte

Ein Vorfall, den ich selbst erlebt habe. Allerdings ist das schon etwas her. Es war zu einer Zeit, als man Angst hatte, dass die Welt zum Jahrtausendwechsel untergehen würde, weil sämtliche Computer auf der ganzen Welt beim Sprung von 1999 auf 2000 abstürzen würden. Aus heutiger Sicht erscheint diese Furcht etwas übertrieben. Egal, wir waren zu der Zeit also auf Bali unterwegs, und etwa eine Woche wohnten wir auch in Balian an der Westküste, vielleicht zwei Stunden Fahrt von Kuta entfernt. Der Spot ist ein schöner A-Frame, der für indonesische Verhältnisse recht sanft über Steine und Sand an einer Flussmündung bricht. Balian bekommt aber immer mehr Swell ab als andere Spots auf Bali, und so kann es bei einem großen Swell sein, dass der Break komplett maxed out ist. Genau so erging es uns auch. Von den sieben Tagen dort beherrschten an fünf Tagen solch riesigen Weißwasserwalzen die Bucht, dass an Surfen nicht zu denken war. Die beiden anderen Tage sah es gut aus. Zumindest die Wellen sahen gut aus, das Wasser nicht. Es hatte geregnet, und der Fluss glich einem braunen Strom, der sich ins Meer ergoss. Das Wasser in der ganzen Bucht war trüb. So trüb, dass man seine Knie nicht mehr sehen konnte, wenn man auf dem Board im Lineup saß. Aber der Fluss brachte nicht nur braunes Wasser, sondern auch alles, was sich in dem Flussbett angesammelt hatte. Zum Beispiel ein totes Schwein, das aufgebläht im seichten Wasser trieb. Aus heutiger Sicht würde ich auch sagen, dass wir nie hätten surfen gehen sollen. Aber damals machten wir uns einfach keine Sorgen, es gab auf Bali ja keine Haiangriffe.

„Da trieb ein totes Schwein im seichten Wasser“

Also gingen wir surfen und saßen zu dritt, als die einzigen Surfer, nebeneinander im Wasser, als es geschah. Plötzlich wurde ein Freund von mir um 180 Grad gedreht. Irgendetwas Lebendiges hatte das Tail seines Boards gerammt oder gepackt und ihn mit einem Ruck auf der Stelle umgedreht, so dass er plötzlich nicht mehr aufs Meer, sondern auf den Strand blickte. Dann hatte er noch kurz einen Zug an seiner Leash gespürt, als ob sich etwas darin verfangen hätte. Es ist nichts weiter passiert, aber dieser Kontakt mit einem im trüben Wasser unsichtbaren Lebewesen, ließ seine Augen schreckensweit werden. Für ihn war die Session sofort vorbei.

Am Abend erzählten wir die Geschichte auch in unserem Homestay, und der Besitzer meinte nur: „Sicher ein Hai, die sind ständig hier.“ Wir glaubten ihm nicht wirklich, hielten das nur für eine Schauergeschichte für Touristen. Ach, wie falsch wir doch lagen.

Warum wir heute über Haie und Bali sprechen, steht auf der nächsten Seite