Heute Nachmittag tritt die Big-Wave-Elite in Puerto Escondido bei riesigen Wellen gegeneinander an. Doch wie fühlt sich so ein Tag im Lineup eigentlich an? Wir habe nachgefragt bei einem, der es wissen muss.


Der Big-Wave-Surfer Mark Healey aus Hawaii ritt vor etwas über einem Jahr am 3. Mai 2015 die größte Welle, die je in Puerto Escondido angepaddelt wurde. Hier ist sein Bericht:

Am Strand

„Ich komme schon seit bald 20 Jahren hierher nach Puerto Escondido, und dieser Tag war sicher doppelt so groß wie der größte Tag, den ich hier je gesehen habe. Es war einfach riesig. Natürlich gab es keine Chance durch den Beachbreak zu kommen. Der einzige Weg in den Lineup führte zwei Kiloemter den Strand entlang zum Hafen. Dann hieß es von dort auf meiner 9’8“ Gun 45 Minuten weit hinaus und von hinten in den Lineup zu paddeln.“

Mark Healey weiß, wie man trainiert, um immer eine Luftreserve zu haben.
Mark Healey weiß, wie man trainiert, um immer eine Luftreserve zu haben.

Im Lineup

„Sich zu positionieren war schwierig. Entweder musste man ganz weit draußen sitzen und auf die riesigen Freaksets warten oder weiter drinnen versuchen, einen der Durchschnitts-Brecher zu erwischen. Meine Welle war keine eines richtig großen Sets. Ich war gerade 20 Minuten im Lineup, als sie auf mich zurollte.“ (Anmerkung der Redaktion: Ein anderer Big-Wave-Surfer, Nic Vaughan, beschrieb den Tag folgendermaßen: „Ich sah ein Set, das sicher 60 Fuß hoch war. Das sah aus wie eine am Computer generierte Tsunamiwelle aus einem Katastrophenfilm.)

Auf der Welle

„Was für eine mächtige Wall, dachte ich nur, als ich das Face hinabraste. Ich wartete ein wenig, um zu sehen, was die Welle machen würde. Dann sah ich eine Line, legte mein Gewicht aufs Rail und machte den Bottomturn. Dann erkannte ich, dass die Welle keine riesige, runde Barrel formen würde, sondern ihre Lippe nur ein wenig nach vorne werfen würde. Da war klar, dass ich keine Chance hatte die Welle zu machen. Das einzige, was ich noch tun konnte, war der fallenden Lippe auszuweichen. Es gibt nichts Gefährlicheres, als von so einem flüssigen Vorschlaghammer umgenietet zu werden. Also duckte ich mich unter der Lippe in die Closeout-Tube und sprang vom Board.“

Unter der Welle

„Mein Gott, wurde ich verdroschen. Ich glaube, ohne meine aufblasbare Weste wäre ich gar nicht mehr an die Oberfläche gekommen. Das ist das Erschreckende in Puerto Escondido, egal wie hart du kämpfst, hast du doch kaum eine Chance, an die Luft zu kommen. Die Wellen brechen so brutal, dass du durch ein meterdickes Luft-Schaum-Wasser-Gemisch nach oben musst. Ich kam gerade mit meinen Lippen an die Luft, da wurde ich schon wieder nach unten gesaugt. Aber ich hatte Glück, weil ich Richtung Strand gespült wurde. Manchmal hält dich Puerto Escondido auch an der Stelle fest und lässt eine Welle nach der anderen auf deinem Kopf detonieren.“

Ein Clip, der mehr vom ganzen Tag in Puerto Escondido zeigt, an dem übrigens nur vier Wellen geritten wurden. Ganz am Anfang ist auch Mark Healey am Strand und dann bei seinem Ritt zu sehen.

Danach

„Es ging mir gar nicht schlecht, ich brauchte nur einen Orangensaft. Dann überlegte ich noch kurz, wieder rauszupaddeln. Ließ es dann aber sein, nachdem ein Freund von mir gerettet werden musste. Meine Entscheidung die Welle zu nehmen, war übrigens richtig. Es war die erste Welle eines Sets und auch die kleinste Welle des Sets. Alle Surfer, die um mich herum saßen, waren dann „caught inside“. Der Lineup wurde quasi vaporisiert. Auf die Frage, wie groß die Welle war, habe ich keine Antwort. Aber sicher die größte, die ich je in Puerto Escondido gesurft bin.“

Selbst Mark Healey war am Ende froß, dass es alle sicher wieder an den Strand geschafft haben.
Selbst Mark Healey war am Ende froh, dass es alle sicher wieder an den Strand geschafft haben.

Mehr über den Swell für den heutigen Big-Wave-Contest und zusätzlich eine tolle Wipeout-Show vom Mai 2015 in Puerto Escondido, gibt es hier.