Ab sofort krönen wir jeden Monat mit einer Wipeout-Geschichte, die sich gewaschen hat. Den Anfang macht der südafrikanische Big-Wave-Surfer Seth Pieret, der nach einer Session fast innerlich verblutet wäre.

Seth Pieret ist einer der Teilnehmer der Rebel Sessions 2016, einem Big-Wave-Contest in Südafrika, der noch bis zum 8. Oktober läuft. Dass er nach seinem Wipeout im letzten Jahr überhaupt wieder surfen kann, hat er einer Portion Glück und vor allem seinen Freunden zu verdanken…

„Es geschah am 6. August 2015, als ein heftiger Swell das Riff von Sunset, einem Big-Wave-Spot vor der Küste Kapstadts, zum Leben erweckte. Es war richtig voll im Wasser, und als ich hinauspaddelte, waren die anderen Jungs meiner Crew schon da. Wir nennen uns scherzhaft das ‚B-Team‘ und kennen uns alle schon seit Schulzeiten. Bei einigen Wellen musste ich zurückziehen, da ein paar andere Surfer tiefer saßen. Als ich endlich eine Welle bekam, war es ein Closeout. Ich wurde immer wütender und frustrierter und beschloss, mich an die Inside zu setzen, um mir dort eine der kleineren Wellen zu schnappen. Das war mein erster Fehler.

die Wucht der sich auftürmenden Wassermassen ließ meine Finnen wie Streichhölzer brechen.

Die erste Welle, die ich anpaddelte, baute sich plötzlich fast doppelt so groß vor mir auf, und beim Takeoff merkte ich, dass ich und mein Board niemals in die Welle passen würden. Ich versuchte noch, das Board in einem steilen Winkel nach hinten durch die Welle zu drücken, um nicht von ihr mitgesaugt zu werden. Doch die Wucht der sich auftürmenden Wassermassen ließ meine Finnen wie Streichhölzer brechen, und ich wurde mit der Lippe im freien Fall nach vorne geschleudert. Instinktiv versuchte ich noch, meinen Kopf mit meiner Hand zu schützen. Das war mein zweiter Fehler. Denn indem ich den Arm nach oben nahm, waren meine Rippen der gesamten Kraft der Welle schutzlos ausgeliefert. Die Welle drückte mich unglaublich tief unter Wasser, aber es war noch nicht vorbei. Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Brustkorb, fast so, als hätte mir jemand ein Messer zwischen die Rippen gerammt. Als ich endlich wieder an die Oberfläche kam, konnte ich meinen Arm nicht mehr bewegen. Hilflos trieb ich in der Impact Zone. Ich glaube, meine Freund Sammy war als Erster bei mir. Greg, Paris und Roddy erreichten mich nur kurze Zeit später. Ich hatte gerade noch genug Kraft, mich an einer ihrer Leashes festzuhalten, damit sie mich an Land ziehen konnten. Von dort ging es direkt ins nächste Krankenhaus.

Eineinhalb Liter Blut und Flüssigkeit hatten sich zwischen meinen Lungen und meinem Brustkorb angesammelt und ließen mir kaum mehr Raum zum Atmen.

Die Diagnose war ernüchternd: Meine Rippen waren durch die Wucht der Welle aus der Verankerung gerissen worden und hatten mein Brustbein in Herz und Lungen gedrückt. Das Ergebnis waren innere Blutungen. Eineinhalb Liter Blut und Flüssigkeit hatten sich zwischen meinen Lungen und meinem Brustkorb angesammelt, was auf mein Herz drückte und mir kaum mehr Raum zum Atmen ließ. Trotzdem hatte ich Glück im Unglück, denn meine Freunde waren an diesem Tag mit mir dort draußen und hatten ein Auge auf mich. Bevor wir großen Tagen rauspaddeln, machen wir immer einen Plan und besprechen, was wir im Falle eines Falles zu tun haben. Wir alle beherrschen Herz-Lungen-Massage und die Basics der Ersten Hilfe. Welchen Fehler ich noch gemacht habe? Ich hätte nicht versuchen sollen, nach hinten durch die Welle zu tauchen, sondern einfach nach vorne springen sollen. Das nächste Mal bin ich schlauer!“

Seth Pieret hat sich von seinem Wipeout wieder vollständig erholt und surft nach wie vor am liebsten XXL-Wellen wie diese irgendwo in Südafrika. Credit: Sean Thompson
Seth Pieret hat sich von seinem Wipeout wieder vollständig erholt und surft nach wie vor am liebsten große Wellen wie diese irgendwo in Südafrika. Credit: Sean Thompson