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Wer ist Mick Hoult?

Das Beitragsbild dieses Artikels ist eines der meist geteilten und gedruckten Surfbilder der Welt. Der Fotograf Stu Gibson ist bekannt, doch wer ist der Surfer auf dem Foto, das um die Welt ging?

Wir haben den No-name-Surfer des bekanntesten Surffotos auf Tasmanien ausfindig gemacht und ihn anschließend für euch zum Gespräch gebeten.

Wer ist Mick Hoult?

Mick Hoult
Mick und seine Frau Liss

Mick erblickte 1984 in Tasmanien das Licht der Welt, wo er auch die meiste Zeit seines Lebens verbringen sollte. Sein Vater arbeitete lange Zeit als Fischer und Mick ist wie so viele Australier am Strand aufgewachsen und seid frühster Kindheit gesurft. Dass es in Tasmanien einige heftige Welllen gibt, sollte seit der medialen Weltreise des Shipstern Bluff kein Geheimnis mehr sein; spätestens mit den Red Bull Event Cape Fear ist “Shippies”, wie es die Locals nennen, in aller Munde. Aber Tasmanien hat eben nicht nur Shippies, sondern auch Wellen wie die im Beitragsbild. Leider wollte uns Mick die GPS Daten der Welle nicht durchgeben, obwohl wir sie unbedingt surfen wollten. Wir haben Mr. Hoult getroffen und mit ihm über Fame, Stu Gibson und alternative Lebensformen gesprochen.

Hey Mick, wie hast du den Fotografen Stu Gibson kennengelernt?

Ich habe Stu vor ein paar Jahren am Shipstern Bluff kennengelernt. Ich surfe dort vielleicht 2-3 mal im Jahr. Aber nur wenn es nicht allzu groß ist. Wenn es da richtig scheppert fühle ich mich nicht mehr richtig wohl, die Welle ist einfach sehr heftig. Es liegt vielleicht auch dran, dass ich die Welle einfach nicht so gut kenne, vor allem nicht wenn sie richtig groß ist. Ich hatte auch Angst Padang zu surfen als es groß war (Linke Tube Wave in Bali; Anm. d. Red). Ich habe einfach immer Angst vor dem Unbekannten. Irgendwann nach ein paar Wipeouts hatte ich dann keine Angst mehr vor Padang. Vielleicht wäre das mit dem Bluff ähnlich, aber ich habe momentan nicht vor es herauszufinden. [lacht]

Warum hast du dir als Surfer nie einen Namen gemacht?

Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Wie wahrscheinlich jedes australische Kind das am Meer aufwächst, war ich von Kindesbeinen an immer im Wasser und bin gesurft was das Zeug hält. Ich bin auch viele lokale und nationale Surfcomps gesurft und habe tatsächlich zeitweise überlegt, dafür nach Australien zu ziehen. Aber letzten Endes war ich einfach nicht erfolgreich genug, dass sich dieser Schritt gelohnt hätte.

Lass uns über die Welle des Fotos reden. Wie ist die Welle und wo genau liegt sie?

Die Welle ist in Tasmanien. Mehr werde ich allerdings nicht verraten. Sie ist aber eigentlich gar nicht so unbekannt, wie die meisten Menschen denken. An dem Tag, als Stu das Foto schoss, waren noch drei andere Tow-In Teams im Wasser. Die Erste Section ist wirklich scary, man sollte den Take-off besser nicht versauen, da das Riff dort sehr shallow und scharf ist. Die zweite Section ist dann die Barrel Section, hier habe ich wirklich eine gute Welle erwischt, denn oft brechen die Wellen dort Close-out.

Du hast es also aus der Barrel geschafft?

Bei der Welle auf dem Foto schon. Es war nur eine Medium-Size Welle, diese sind an diesem Tag einfach besser gelaufen als die großen. Eigentlich ist die Welle gar nicht besonders gut. Aber auf den Fotos sieht sie einfach gigantisch aus.

Surfen auch Touristen die Welle?

Die Welle läuft so wie wir sie erwischt haben vielleicht 2 mal im Jahr. Insofern: Nein! Einen Trip zu diesem Spot zu planen ist fast unmöglich, da sie eben fast nie läuft. Es ist also eine reiner Local-Angelegenheit dort.

Seid ihr auch in die Welle gepaddelt?

Nein. Wir sind sie nur Tow-In gesurft. Ich habe auch nie davon gehört, dass jemand die Welle angepaddelt ist. Das Ding bricht wirklich verdammt schnell und ist groß! Ich glaube dass ich auch deshalb nicht so viel Anerkennung für die Welle bekommen habe. Tow-In Surfen zählt in der Szene einfach deutlich weniger, als eine Welle aus eigener Kraft zu erpaddeln.

Mick Hoult
Ein weiteres Foto der Session, die Mick Hoults Welle weltbekannt machte. Pic: Andy Chiz

Warum denkst du, dass dieses Bild um die Welt ging?

Na ja, das Wasser sieht wirklich schön aus. Stu hat das Licht sehr gut eingefangen, die Welle war sehr gut und das mit dem Riff sieht halt heftig aus. An diesem Tag sind wirklich einige gute Bilder entstanden, unter anderem eines von Kyron Rathbone, mit dem er es auf das Cover des Surfmag geschafft hat. Meine Welle war eigentlich ziemlich klein. Wir haben an diesem Tag einige größere Dinger gesurft, die waren aber eben nicht so schön.

Hat dieses Foto dein Leben ein Stück weit verändert?

Nicht wirklich. Ich hatte keine Sponsoren die mir Incentives gezahlt hätten, aber klar, ich war auf den Covern von ein paar Surfmags und mein Vater hat eine mannshohe Kopie des Fotos in seinem Büro hängen. Aber ich habe keinen Cent damit verdient und wirklich was geändert hat sich bei mir durch das Foto nicht. Ich denke, Stu dürfte den ein oder anderen Dollar mit dem Foto gemacht haben. Abgesehen von ein paar Momenten des Stolzes, ist mir nicht viel von dem Bild geblieben außer der guten Erinnerung natürlich.

Was machst du, wenn du nicht gerade als Ingenieur deine Brötchen verdienst?

Dadurch dass ich Off-Shore arbeite, bin ich immer eine Zeit am Stück weg, aber habe dafür auch sehr lange frei. Mein Vater und ich haben vor zwei Jahren ein Segelboot fertiggebaut. Das ganze Projekt nahm in etwa fünf Jahre in Anspruch. Seitdem segel ich mit meiner Frau Liss durch die Ozeane und suche nach verlassenen Wellen.

Wo segelt ihr die meiste Zeit?

Wir sind viel im Südpazifik unterwegs, waren schon oft in Fiji, Tahiti, aber auch im indischen Ozean und Indonesien. Wir versuchen immer länger an einem Ort zu bleiben, der uns gefällt, um Land und Leute richtig kennenzulernen.

Also bist du vermutlich auch schon mal Teahupoo gesurft?

Ja, sogar schon recht oft, allerdings nie wenn es richtig geballert hat. Die Locals in Tahiti sind gut und schnell und freuen sich jetzt nicht unbedingt über jeden Besucher. Man braucht schon sehr viel Selbstvertrauen, um hier die großen Sets anzupaddeln. Hier werden Fuck-Ups sowohl von der Community, als auch von der Welle selbst sofort hart bestraft.

Mick Hoult in Teahupoo
Auch wenn es nicht für die ganz großen Bomben gereicht hat, ist Mick in Teahupoo trotzdem auf seine Kosten gekommen. Wir würden uns nach so einer Welle auf jeden Fall eine Flasche Schampus köpfen.

Hast du auf deinen Segelturns Wellen gefunden, die ähnlich gut sind wie Teahupoo?

Wenn ich eine Welle dieser Qualität gefunden hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht der Erste gewesen und die Welle wäre mittlerweile bekannt. In heutigen Zeiten ist es wirklich schwer, Surfspots lange geheim zu halten.

Was sind die größten Gefahren, wenn ihr mit dem Boot durch die Ozeane segelt?

Es gibt so viele Wege um im Meer zu sterben. Aber ganz ehrlich: Mann muss vor allem Ruhe in kritischen Situationen bewahren und vernünftig handelt. Dann ist es bei weitem nicht so gefährlich, wie viele Menschen es gerne annehmen. Zudem sind die Unwetterwarnsysteme sehr präzise und man muss sich eben immer vorab informieren. Meine Frau Liss sagt, die größte Gefahr ist, dass man beim Segeln nie mehr nach Hause kommt, weil es schön ist. [lacht]

Ihr habt gerade euer erstes Kind bekommen. Welchen Einfluss hat das auf eure weitere Lebensplanung?

Wir haben viele Familien auf unseren Segelturns kennengelernt, die das Gleiche wie wir mit Kindern machen. Insofern sind wir sehr zuversichtlich, dass wir so noch einige Jahre weiterleben können. Für die Geburt sind wir jetzt natürlich erstmal nach Tasmanien aufs Festland, zum Glück noch vor den Lockdowns.

Wie ernährt ihr euch auf dem Boot?

Dadurch dass wir lange Zeit vor Anker gehen, ernähren wir uns eigentlich gar nicht so viel anders als zuhause. Wir kaufen sehr viel bei lokalen Bauern ein, gehen aber auch fischen und haben immer einen gesunden Reisvorrat an Board. Ansonsten haben wir einen ziemlich großen Kühlschrank, es mangelt uns also an wirklich nichts.

Mick Hoult und Liss
Mick und seine Frau Liss segeln seit zwei Jahren durch den Pazifik.

Wie teuer ist es, auf dem Boot zu leben?

Es ist sehr viel günstiger als an Land zu leben. Man kommt einfach nicht die ganze Zeit in die Versuchung Geld für schnöden Mammon auszugeben, weil man gar nicht genug Platz an Bord hat. Wir sind also Zwangsminimalisten. Abgesehen davon versuchen wir die meiste Zeit zu segeln, insofern geben wir auch sehr wenig Geld für Benzin aus. Ich würde sagen, wir segeln mindestens 90% der Strecken ohne Motor. Außerdem haben wir einige große Solarzellen am Boot verbaut – wir brauchen also auch kein Benzin, um die Elektrogeräte zu betreiben. Wenn ich es grob überschlagen müsste, würde ich sagen, wir leben von 200$ im Monat.

Was vermisst ihr am meisten auf euren Turns?

Eigentlich vermisse ich wirklich gar nichts. Liss vermisst ab und zu die Berge, aber ansonsten sind wir unterwegs glücklich.

Drohnenshot
Wir können verstehen, warum Mick nicht besonders viel vom Leben an Land vermisst. Wie geht es euch damit?

Kannst du dir vorstellen 9-5 zu arbeiten?

Ja, ich habe lange in solchen Jobs gearbeitet. Aber so wie ich es jetzt arbeite, gefällt mir mein Leben sehr viel besser!

Wie viele Tage arbeitest du im Jahr um dir dein Leben auf dem Boot leisten zu können?

Schwer zu sagen, aber es werden so zwischen 80-120 Tagen im Jahr sein. Es ist eine super Work-Life-Balance.

Habt ihr auf euren Segelturns Orte entdeckt, die besonders herausstechen?

Da wir hauptsächlich im Pazifik gesegelt sind, kann ich nur über diese Region gut urteilen. Und hier sind natürlich überall Juwelen zu finden; am nachhaltigsten beeindruckt waren wir allerdings von Französisch-Polynesien. Die einzelnen Inseln unterscheiden sich zum Teil extrem: manche sind vulkanisch, andere sind von riesigen Riffen geschützt, die Bevölkerung ist extrem stolz, die Avocados fallen einem förmlich in den Schoß, es ist so, wie ich mir das Schlaraffenland vorstelle.

Habt ihr ein noch ein Traumziel?

Ich will in naher Zukunft in den Nord-Pazifik segeln. Diese Region ist sehr viel einsamer und es gibt mit Sicherheit noch viel unentdeckte Wellen.

Hat die Corona-Krise eure Reisepläne beeinträchtigt?

Wir hatten echt Glück. Durch Liss Schwangerschaft waren wir kurz vorm Lockdow zurück in Tasmanien. Es wäre eine blöde Situation gewesen, wenn sie hochschwanger auf irgendeiner Insel festgehangen wäre.

 

 

Das Foto von Mick erschien in unserer Danger Issue Prime Surfing #18.

 

 

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