Um Margaret River gab es im April in einer Woche drei Haiangriffe auf Surfer und der WSL-Contest der Pros wurde deswegen abgesagt. Fabian Hägele wohnt und surft genau dort. Wir haben den Auswanderer aus dem Allgäu gefragt, wie er die Angriffe erlebt hat.

1. Du wohnst seit einigen Jahren in Margaret River. Hattest du selbst schon einmal eine Begegnung mit einem Hai?

Ich bin jetzt seit ziemlich genau fünf Jahren in Margaret River und habe hier beim Surfen selbst noch keinen Hai gesehen. Ich tauche allerdings auch viel und treffe dabei regelmäßig Haie an – in der Regel nachdem ich mit der Harpune einen Fisch geschossen habe. Meistens sind das Bronze Whalers, die sich eine einfache Mahlzeit erhoffen. Einen Weißen Hai habe ich noch nie gesehen.

2. Wie weit waren die Angriffe vor knapp 2 Wochen von deinem Homespot entfernt?

Lefthanders, wo die zweite Attacke passiert ist, liegt direkt neben meinem Homespot im  Sommer – praktisch keine 200 Meter entfernt. Während der ersten Attacke auf Alex Travaglini, mit dem ich befreundet bin, war ich dort auch an diesem Tag im Wasser. Kurz bevor ich das Wasser verlassen habe, weil ich zur Arbeit musste, waren die Sirenen des Krankenwagen zu hören, und als ich auf dem Weg zurück zu meinem Auto war, kam der Hubschrauber. Dass es eine Haiattacke gegeben hatte, habe ich erst ein paar Stunden später erfahren. Die Tatsache, dass es einen meiner Kumpels erwischt hatte, war im ersten Moment ziemlich erdrückend, vor allem da es eine ganze Weile gedauert hat, bis er sich außer Lebensgefahr befand. Er wird sich wohl auch vollständig erholen.

Fabian war schon fast überall auf der Welt surfen. In Margaret River hat es ihm am besten gefallen und deshalb machte er den Ort zu seiner neuen Heimat.
Fabian war schon fast überall auf der Welt surfen. In Margaret River hat es ihm am besten gefallen und deshalb machte er den Ort zu seiner neuen Heimat.

3. Wie läuft das ab, wenn es innerhalb weniger Tage gleich drei Hainangriffe gibt. Gehen da noch viele Surfer ins Wasser?

Es gab nur zwei wirkliche Attacken, von denen die zweite auch vergleichsweise harmlos ablief. Die dritte „Attacke“ war nur ein Zusammenstoß mit einem Hai, der wohl auch kein Weißer Hai, sondern ein Bronze Whaler war. Da im Moment der alljährliche „Salmon Run“ im Gange ist, sind diese bis zu drei Meter langen Haie zur Zeit besonders aktiv. Es gibt aber nur wenige dokumentierte Attacken von Bronze Whaler auf Menschen, um die „Bronzies“ mache ich mir in der Regel auch keine Gedanken. Im Wasser war seit den Zwischenfällen deutlich weniger los, vor allem an durchschnittlichen Tagen blieb so mancher Lineup menschenleer. Aber wenn die besten Spots der Region am Feuern sind wie an diesem Wochenende, dann lassen sich nur die wenigsten vom Surfen abhalten. Ich war die letzten zwei Tage bei perfekten Bedingungen auch im Wasser und habe mir während meiner Sessions eigentlich keine Sorgen wegen der Haie gemacht, auch wenn es im Lineup den ein oder anderen Kommentar zu dem Thema gab. Gedanken macht sich da eher meine Freundin, und ich habe ihr zuliebe auch ein oder zwei Sessions direkt nach den Attacken ausfallen lassen.

Gibt es heute mehr Haiangriffe als früher? Auf der nächsten Seite gehen wir der Frage nach.