Afridun Amu: ein afghanischer Surfstar

Afridun Amu
Afghanistan hat schon vor 2000 Jahren Kulturen hervorgebracht, die der unseren in allen Bereichen, ob nun in der Wissenschaft, der Kunst oder der Architektur, weit überlegen war. Während wir noch den Bürgersteig zum Verrichten der Notdurft nutzten, verfügte Afghanistan bereits über ausgeklügelte Abwassersysteme und WC’s.
In den 80er und 90er Jahren sind jedoch ein paar Sachen falsch gelaufen in Afghanistan, viele verließen ihre Heimat, darunter auch die Familie von Afridun Amu. Als sich 1989 die sowjetischen Besatzer aus Afghanistan zurückgezogen haben war der Weg geebnet. Die von Sibghatullāh Mudschaddidi geführte Übergangsregierung ruft 1992 in Kabul den islamischen Staat, mit der neu formierten Regierung wollen Amus Eltern nichts zu tun haben und fliehen 1992 nach Deutschland.

Von den ersten Schritten auf dem Brett zum Präsident des afghanischen Surfverbandes

Afri lernt in einem Frankreich Urlaub surfen und ist sofort hooked. Er sieht in dem Sport aber mehr als die Möglichkeit sich die Zeit zu vertreiben. Er gründet 2012 den afghanischen Surfverband Wave Riders Association of Afghanistan (WRAA) die Ende 2014 vom Weltsurfverband (ISA) offiziell anerkannt wurde.
Amu will uns ein Afghanistan zeigen, welches über den amerikanischen Pazifizierungskrieg hinaus geht, er will uns auf die Schönheit und das Potential seiner Heimat aufmerksam machen, er will uns die Menschen seiner Heimat vorstellen und hat im Surfsport eine perfekte Plattform dafür gefunden. Wir haben den mittlerweile 31–jährigen zum Interview gebeten.

1.Kurz zu deiner Person: wo bist du geboren worden, wo aufgewachsen?

Geboren in Kabul, Schule in Göttingen, Studium in Berlin. Jetzt auf den Azoren.

2. Wann standest du das erste mal in einem Surfboard?

Klassisch deutsche Surfbiografie: Mit 18 Jahren, 2006 am Mimizan Plage in Frankreisch. Nach dem Abi bin ich mit einer handvoll Freunden gen Westen getrampt. Dabei hatte ich zwar Blut geleckt (sehr salziges), aber mein Zivildienst in Köln stand noch zwischen mir und meiner großen Liebe Surfen. Richtig begonnen habe ich dann 2007, beim work and travel in Australien und Neuseeland. Arbeiten, die Welt sehen, surfen (und ganz viel feiern dazwischen).

3. Wie ist die Idee gereift einen afghanischen Surfverband zu starten?

Ich hätte viel lieber einen kanadischen-Ponyreitverband gegründet, aber manchmal muss man im Leben leider mit dem arbeiten was man hat. Ich bin gebürtiger Afghane und passionierter Surfer. Zu Beginn war meine Motivation einfach nur die, eine Plattform aufzubauen um sich mit Gleichgesinnten mit ähnlichem Lebensverlauf auszutauschen. Doch die positive Resonanz auf das Projekt führte dazu dass wir immer weitere Schritte gingen, bis hin zur ISA Anerkennung, der ersten Afghanischen Meisterschaft, der Teilnahme an der WM und nun schauen was sonst noch so alles kommt. Olympia?

Ambitionierter Hobbysurfer . Zum Glück hat er sich gegen Ponyreiten entschieden.

4. Wie war die Zusammenarbeit mit dem afghanischen Sportverband?

In einem Land wie Afghanistan, das erst seit dem Sturz der Taliban (2001) wieder beginnt Regierungsinstitutionen aufzubauen, ist vieles noch relativ wenig entwickelt. Dementsprechend war auch die Kooperation am Anfang sehr holprig, da ja die wenigsten dort überhaupt wussten, was surfen ist. Spätestens jedoch seit wir im Sommer 2018 die erste Surfexpedition in Afghanistan selbst gestartet haben und im Panshertal Flusswellensurfen surfen waren und unsere Expedition in Afghanistan in aller Munde war, sind auch die Verantwortlichen für den afghanischen Sport sehr interessiert daran das Surfen weiter aufzubauen.

Afridun in Afghanistan

5. Wie groß ist das öffentliche Interesse?

Ja, ein sehr großes sogar. Alle großen Medien Afghanistans (z.B. BBC Persia) haben bereits über das afghanische Surfen berichtet, sei es die erste afghanische Meisterschaft, die Teilnahme an der ISA Games oder über unsere Surfreise in Afghanistan. Laut Surfline bin ich ‚Afghanistan’s First Surf Star‘ .

6. Du bist für Afghanistan bei den ISA Games in Frankreich gestartet. Wie war diese Erfahrung, wirst du in Zukunft weiter für Afghanistan an den Start gehen?

Die Erfahrung war ziemlich cool, auch wenn die Wellen ziemlicher Mist waren. Doch sowohl der Großteil der Surfwelt als auch die Menschen in Afghanistan waren ziemlich geflasht davon, die afghanische Flagge bei einem Surfevent zu sehen; ich bin auch in diesem Jahr für Afghanistan bei den ISA WSG 2018 in Japan gestartet und würde mich freuen wenn ich dass auch nächstes Jahr wieder schaffen würde.

Afri repräsentiert Afghanistan bei den ISA Games

7. Habt ihr gerade einen afghanischen Surfer, der potentiell oben mit surfen könnte?

Ja, Filipe Toledo. Es fehlt im nur noch der afghanische Pass.

8. Gibt es Kids an der Basis die trainiert werden?

Das ist unser nächstes großes Projekt und eigentlich der Antrieb für den ganzen Aufbau des afghanischen Surfens. Wir sind gerade dabei die Ressourcen zu sichern um das Surfen in Afghanistan aufzubauen. Konkret heißt das als eines der ersten Schritte den Kids in Afghanistan Schwimmunterricht zu geben, da der Großteil der Kindern noch nicht schwimmen kann. Ein weiteres Projekt dass gerade mit dem iranischen Surfdachverband in Planung ist, ist es, einer Gruppe von afghanischen Kindern zu ermöglichen in den Südiran zu reisen um dort im SUP trainiert zu werden. Mal schauen ob wir dafür die Gelder zusammen bekommen.

9. Was bedeutet dieses Projekt persönlich für dich?

Es heißt ja, das einzige was sich verdoppelt wenn man es teilt sei Glück. Wenn ich es schaffe die Freunde die ich beim Surfen empfinde mit einigen Kindern in Afghanistan zu teilen, wäre das schon eine starke Sache!

10. Wo sehen wir dich in 10 Jahren ?

Puh, keine Ahnung, ich weis noch nicht mal so recht wo ich morgen sein werde. Mal schauen, wie wäre es mit dem „White House“. Ich gehe davon aus das Michelle Obama die nächsten zwei Wahlen gewinnen wird, für 2028 könnte ich dann kandidieren.

11. Sehen wir dich unter der afghanischen Flagge bei den olympischen Spielen?

Da Ponyreiten weder olympisch ist, noch ich die kanadische Staatsangehörigkeit habe, ist Surfen unter afghanischer Flagge wohl meine beste Chance.

Afridun Amu hat gerade mit 4 Freunden einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Unsurfed Afghanistan“ gedreht der voraussichtlich Mitte Januar fertig ist. Den Trailer bekommt ihr hier schonmal vorab.
Auf der nächsten Seite gibt es den Trailer zu „Unsurfed Afghanistan“.