Mit dem Contest in J-Bay begann Anfang der Woche die neue Ära des Livestreams. Denn wer heute noch die besten Surfer sehen will, der muss das auf Facebook tun.

Worum geht’s?

Um Geld! Oder genauer gesagt um 30 Millionen Dollar. Denn diese Summe legt Mark Zuckerberg auf den Tisch, damit die Stopps der WSL-World Tour im Livestream nur noch auf Facebook zu sehen sind. Dieser Deal läuft ab dem Corona Open J-Bay über 2 Jahre, also seit dem letzten Montag.

Über Stunden sah der Livestream aus J-Bay am Montag genaus so aus. Kein Witz!
Über Stunden sah der Livestream aus J-Bay am Montag genaus so aus. Kein Witz!

Was ist das Problem dabei?

Der Shitstorm! Denn die Surffans sind nicht happy. Gut, am Anfang gab es ein paar Probleme. So war der Stream in Englisch erstmal so was von down. Dann folgten einige Features, wie etwa der Heat Analyzer, die plötzlich verschwunden waren. Wohl niemand konnte verstehen, warum es ein Fortschritt sein sollte, dass man jetzt nicht mehr die einzelnen Wellen eines Surfers ansehen konnte. All diese Dinge führten dann dazu, dass während des Livestreams eine endlose Reihe von wutschnaubenden Smileys über den Bildschirm flog. Die Fans waren nicht happy, das war eindeutig. Aber die Technikabteilung der WSL hat reagiert und Besserung versprochen: Der Livestream soll stabil laufen, der Heat Analyzer soll zurück kommen und und und. Ein Problem wird aber beliben: Der Zwang zu Facebook und auf Zwänge reagieren Surfen naturgegeben schlecht.

Als ein Weißer Hai am Finaltag für eine Unterbrechung sorgte, sahen knapp 17.000 Fans zu.
Als ein Weißer Hai am Finaltag für eine Unterbrechung sorgte, sahen knapp 17.000 Fans zu. Und die Smileys schnaubten immer noch vor Wut.

Das Rätsel der Zuschauer:

Bei einem Livestream auf Facebook wird angezeigt, wie viele Menschen mit dir vor dem Bildschirm sitzen und den gleichen Stream anschauen. Die Facebook-Seite der WSL-Tour hat über 6.6 Millionen Fans. Die sollten eigentlich alle an den Contests interessiert sein. Dass alle einschalten ist natürlich unrealistisch, aber 10 Prozent könnten es schon sein. Also etwa 600.000 Zuschauer. Beim ersten Heat zugesehen haben: Keine 10.000 Fans weltweit. Im Finale waren es etwa 21.000. Daher kam die Frage auf, warum sich niemand für den Livestream zu interessieren scheint. Die Frage war so brennend, dass sich jemand bei der WSL zu einer Stellungnahme genötigt sah.

Die Antwort auf das Rätsel:

„Die angezeigte Zuschauerzahl im Livestream entspricht nicht der wirklichen Anzahl der Zuschauer“, hieß es da in dem Statement der WSL. „Wir benutzen verschiedene Streams für verschiedene Regionen, um die Werbung besser zu platzieren. Insgesamt sehen also viel mehr Menschen zu als angezeigt werden.“

Die Antwort klingt erstmal vernünftig. Doch es gibt da verdächtige Indizien. So berichteten Medien aus Australien, aus den USA und aus Europa fast die gleichen Zuschauerzahlen im Livestream. Kann es wirklich sein, dass an allen Ecken der Welt jeder regionale Livestream genau dieselben Zuschauerzahlen hat? Oder ist Surfen doch nicht so hot right now???