Carlo Drechsel zeigt uns Saõ Tomé

DAS WARTEN AUF DEN SWELL

Polizei gibt es eigentlich nicht und entsprechend auch keine nervigen Straßenkontrollen, stelle ich fest, während ich an den flachen Tagen vor dem nächsten Swell die Insel erkunde. Gut, ganz flach ist es eigentlich nicht. Da gibt es immer ein wenig Windswell am Strand der Sieben Wellen, aber ich will lieber auf die Perlen der nur 50 Kilometer breiten Insel warten. So verkostete ich 20 Gänge aus ausschließlich lokalen Zutaten im Restaurant von Sao Joao do Angolares, ließ mir von Claudio Corallo, dem besten Schokoladeproduzenten der Welt, seine Kunst erklären, besuchte die hochgelegenen Kaffeeplantagen und fand einen lokalen Farmer, der zeigte, wie man Vanille anbaut. Es scheint nichts, aber auch wirklich nichts nicht zu geben auf diesem fruchtbaren Biotop inmitten des Atlantiks.

Das Warten lohnt sich meistens auf Saõ Tomé

Unverzichtbar war auch der tägliche Besuch der Pico Mocambo Bar, dem Hotspot mit gutem Rum und unvergleichlichen Charakteren. Denn jeder, den es hierher verschlägt, ob nur für eine Woche oder das ganze Leben, hat eine Geschichte zu erzählen. So wie der aus Guinea-Bissau stammende, in England aufgewachsene und jetzt in São Tomé Bar besitzende und Rum produzierende Inhaber selbst. São Tomé hat einfach den ultimativen „Island Vibe“ und von allem etwas: Brasilien, Karibik, Portugal und Afrika. Der Grund dafür ist klar: Als die Portugiesen 1471 auf der Insel landeten, war sie gänzlich unbewohnt und so mischten sich im Laufe der Jahrhunderte Menschen aus den verschiedene Teilen der Welt. Das Resultat: Heute sieht jeder irgendwie anders aus.

DER SWELL IST DA

Hochsaison für Surfer ist zwischen Mai und September, wenn die Winterswells der südlichen Hemisphäre eintreffen. Als so einer wenige Tage nach meiner Ankunft endlich anrollte, fühlte ich mich fast schon wie ein Local und sprang wie ein Gockel über die Felsen zum Keyhole, als es passierte. Meine Leash blieb beim selbstbewussten Absprung am Fel- sen hängen, ich machte ein Kopfsprung und als ich wieder auftauchte, hing mein Board am Felsen fest, während die erste Welle mich selbst gegen die Steine klatschte. Ich fing an, mit den Füßen am Grund nach Halt zu suchen und trat direkt auf einen Seeigel. Danach bekam ich beim Rauspaddeln noch das Set des Tages auf den Deckel. „Gut gemacht!“, war alles, was mir dazu einfiel. Die Wellen waren groß und für mich die ersten Rechten seit meinem Schulterbruch in Spanien. Dementsprechend surfte ich. Dafür waren aber eine Handvoll extrem talentierter Kids im Wasser, die vormachten wie es geht. Der 18-jährige Jeje etwa surft so gut, dass er ohne Probleme in die QS einsteigen könnte.

Jeje weiß auf jeden Fall wie das Spiel mit den Wellen funktioniert.

Gemeinsam fuhr ich mit ihm noch zum nächsten Spot, einer der bekannteren Wellen des Landes nahe einer mysteriösen US-Einrichtung. Jeje kannte natürlich den Weg und das Loch im Zaun zum Abkürzen. Der Spot entpuppte sich als ein rechter Pointbreak wie aus dem Bilderbuch: 3 bis 4 Fuß hohe Wellen, türkisblaues Wasser und obendrauf noch Palmen am Strand. Der Swell hielt sich noch zwei Tage, bevor der letzte Abend auf der Insel mit Bier, dem Bier ohne Label und Namen, Rum und Kizomba-Rhythmen zu Ende ging.

DER ABSCHIED

Am nächsten Morgen wurde – mit mehr Kater als Verstand – der Mietwagen einfach am Flughafen abgestellt und der Schlüssel einem Jungen ausgehändigt, der behauptete, verantwortlich zu sein.

Gift in verschiedenen Farben. Und es kann so viel Spaß machen.

Die Schokoladeninsel mitten im Atlantischen Ozean wird aber mit all den neuen Freunden, die ich in so kurzer Zeit ins Herz geschlossen haben, in guter Erinnerung bleiben, und hoffentlich werde ich eines Tages wieder zurückkehren.

Gewinnspiel: Ihr müsst ganz einfach Carlo auf Instagram folgen und unter seinen letzten Beitrag eure drei besten Reisebuddies verlinken. Zu gewinnen gibt es einen Wetsuit von O’Neill, ein Jahres Abo unseres Print Magazins und ein handsigniertes Exemplar von Carlos Buch „Insight Africa“.