Corona und Surfen: Surfen ist mittlerweile fast in allen großen Surfdestinationen gesetzlich verboten. Wir haben uns mit Surfern aus verschiedenen Ländern unterhalten und sie zur Situation vor Ort befragt. Unter anderem auch mit Jan Bruun aus Australien, wo Surfen noch erlaubt ist. 

Der Verbot keines Sports wird auch nur mit vergleichbarer Hitzigkeit diskutiert wie das Surfverbot. Dabei wäre es doch so einfach, einen einsamen Peak zu finden und die Regel des „Social Distancing“ einzuhalten. Oder nicht? Wir haben mit Surfern aus Frankreich, Australien, Neuseeland, Marokko, Spanien und Bali gesprochen und sie zur Situation vor Ort befragt!

Surfen und Corona: Frankreich

Melanie „Mel“ Schönthier lebt als freie Autorin mit ihrem Mann und Kind in Frankreich und ist unter anderem Chefredakteurin für unser Print Magazin.

Surfen Corona
Mel irgendwo in Frankreich, bevor Corona die Strände sperrte.

Surfen wurde in Frankreich verboten. Wann kamen die ersten Gerüchte auf, dass es vielleicht passieren würde?

Als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 17. März über dem ganzen Land ein Ausgangsverbot verhängte, hatte er ausdrücklich erwähnt, dass körperliche Aktivitäten weiterhin erlaubt sind, also glaubte auch ich, dass Surfen dazu gehört bzw. habe es mir schön geredet: Was soll schon passieren, wenn man allein an einem Peak sitzt? Man steckt ja niemanden an. An den bekannteren Spots in Capbreton und Hossegor saßen auch immer ein paar Leute im Wasser – so 5-6, an normalen Tagen wäre es eher 20-30 gewesen.

Es gab Gerüchte, dass die Polizisten vereinzelt mal Surfer aus dem Wasser holten und verwarnten, aber irgendwie wurde es einfach geduldet. Wir planten für Freitag (die Vorhersage sagte 4 Fuß und Offshore voraus), mit den Rädern durch den Wald hinter unserem „Quartier“ zu fahren (der Strand ist etwa 2 Kilometer von unserem Haus entfernt) und an einem der einsamen Spots dort zu surfen.

Aber irgendwie kippte plötzlich die Stimmung: Leute, die weiterhin surften, wurden in den sozialen Medien angefeindet und als egoistisch und unsolidarisch beschimpft. Pros, Surfschulen und Surfmarken aus Hossegor posteten auf FB und Instagram Statements, dass auch die Surfer sich an die Quarantäne halten und nicht surfen gehen sollen. Plötzlich hatten wir ein ganz schlechtes Gewissen, überhaupt mit dem Gedanken gespielt zu haben, surfen zu gehen.

Es ist seltsam, wie schnell sich die eigene Wahrnehmung verändert. Aber nun wollten auch wir nicht zu den Egoisten zählen, die Spaß haben, während Ärzte, Krankenschwestern, Pflegekräfte und viele andere sich um die Kranken kümmern. Und dann wurden die Strände letzten Freitag ganz gesperrt. Auf der Webcam sahen wir morgens, wie die Polizei Surfer in Hossegor aus dem Wasser holte.

In Seignosse/ Bourdaines bekam anscheinend jeder, der mit Wetsuit auf dem Parkplatz stand, einen Strafzettel über 135 Euro.

Gerade in Frankreich wäre es sehr gut möglich einen Peak für sich alleine zu finden und somit die Regel des Social Distancing zu befolgen. Findest du es übertrieben, dass Surfen verboten ist?

Im Moment sind die Wellen Gott sei Dank eh nicht sehr gut, so dass man nicht ständig denkt, dass man etwas verpasst. Aber mal sehen, wie sich alle verhalten, wenn dann mal eine Woche perfekte Wellen laufen.

Ich kann mir schon vorstellen, dass sich dann einige an den Strand wagen. Ich weiß aber nicht, ob ich das Risiko eingehen würde. Es heißt, sie kontrollieren mit Hubschraubern und Booten das Wasser und ich habe keine Lust, von der französischen Marine rausgeholt und angebrüllt zu werden.

Da verstehen die Franzosen keinen Spaß… Dazu kommt, dass es einfach egoistisch ist, jetzt surfen zu gehen, während diese Ausnahmesituation die Welt so im Griff hat, es jeden Tag mehr Todesopfer gibt und die Menschen, die an vorderster Front sind, an ihre Grenzen gehen müssen.

Wie ist die Stimmung im Land?

Noch ist die Stimmung gut, aber das kann sich schnell ändern, wenn das Ausgangsverbot (and damit das Surfverbot) noch viel länger dauert. Viele Freunde von uns arbeiten in der Surfindustrie und ihre Zukunft ist ungewiss.

Die meisten sind gerade in Kurzarbeit und zu Hause. Wobei die noch am besten dran sind, denn sie bekommen weiter ein Gehalt. Die Selbstständigen sind da viel schlimmer dran. Eine Freundin hat ein Yogastudio in Hossegor, das jetzt natürlich geschlossen ist und sie weiß nicht, wie es weitergeht.

Der Staat übernimmt wohl einige Kosten, aber bis das Geld fließt, dauert es wohl einige Wochen. Viele Bars und Cafés werden wochenlang geschlossen bleiben, das wird gerade auf Touristenorte wie Capbreton und Hossegor ziemliche Auswirkungen haben. Aber noch versuchen wir alle positiv zu bleiben und hoffen einfach, dass es uns hier nicht so schlimm erwischt wie Italien oder Spanien.

Auch wenn das leider unwahrscheinlich ist, denn die ersten Fälle sind nun auch schon hier aufgetaucht und das große Reha-Zentrum in Capbreton direkt vor dem Spot Santosha wurde bereits geräumt und in ein Krankenhaus umgewandelt. Man bereitet sich also auch hier auf den Ernstfall vor.

Würdet ihr trotz Verboten noch ins Wasser gehen?

Wir würden aus diesem Grund jetzt auch nicht mehr surfen gehen. Zum einen haben wir keine Lust, von der Polizei aus dem Wasser geholt zu werden und 135 Euro oder mehr an Strafe zu zahlen.

Auf der anderen Seite ist es einfach egoistisch, jetzt surfen zu gehen, während diese Ausnahmesituation die Welt so im Griff hat, es jeden Tag mehr Todesopfer gibt und die Menschen, die an vorderster Front sind, an ihre Grenzen gehen müssen.

Wir haben uns auch ehrlich gefragt: Hätten wir jetzt überhaupt Spaß, im Wasser zu sitzen? Die Gedanken wären sicherlich ganz woanders…

Werden die Gesetze eingehalten, werden Strafen verhängt?

Wie schon gesagt: Die Strände sind offiziell gesperrt und es ist untersagt, im Ozean irgendeiner Aktivität nachzugehen (surfen, fischen, Boot fahren, tauchen). Die Strafe beim ersten Mal ist 135 Euro, danach wird es teurer und soweit wir wissen, sind auch bis zu 6 Monate Gefängnis möglich.

Gibt es noch Surftouristen vor Ort?

Surftouristen sind hier in Capbreton und Hossegor im Moment keine. Vor ein paar Tagen haben wir auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt eine Familie mit drei Kindern in ihrem Wohnmobil getroffen, die seit einer Woche unterwegs sind und zuerst in Spanien waren.

Dort hat sich die Situation dann aber verschlechtert und sie sind weiter nach Frankreich. Das Problem ist aber, dass auch die Campingplätze und Stellplätze von der Polizei geräumt werden. Sie wollten weiter in Richtung Nordfrankreich fahren, aber ich bezweifle, dass dort die Situation besser ist.

Wie lange gilt das Surfverbot noch?

Im Moment gilt das Surfverbot bis auf weiteres. Offiziell sollte das Ausgangsverbot am 2.4. enden, jetzt wurde es auf unbestimmte Zeit verlängert.

Auf der nächsten Seite schildert Patrick Zabel die Situation in Neuseeland.