Ist ein Reef Cut eine Bagatellverletzung die man den Selbstheilkräften des Körpers überlässt oder besteht Handlungsbedarf ? In ihrem Ratgeber berichten die Autoren Melanie Schönthier und Stephan Bernhard von einem wahrlich grenzwertigem Reefcut und sagen was zu tun ist. 

Die Autoren haben Prime Surfing exklusiv das Kapitel „Schnittfolgen“ zu Verfügung gestellt, lesen lohnt sich!!!

Schnittfolgen

Der Wipeout sah nicht spektakulär aus. Der Surfer hatte nur Pech, dass ihn die Finne am rechten Bein erwischte und durch seine Haut schnitt. Die Wunde war nicht tief und nur zehn Zentimeter lang, eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Der Surfer dachte nicht daran, sie zu desinfizieren, als er nach der Session über den Strand von Kuta ging und ihm dabei ein dünnes Rinnsal Blut über den Fuß lief.

So in etwa dürfte der Reef Cut ausgesehen haben.

Monate später erfuhr er, dass selbst kleinste Wunden im warmen Wasser der Tropen rasend schnell durch Bakterien infiziert werden. Tropenmediziner raten sogar, aufgekratzte Mückenstiche zu desinfizieren. Doch davon wusste er nichts, als er unter dem auf höchster Stufe laufenden Deckenventilator seines Bungalows einschlief. Der nächste Morgen war nicht schön: „Fieber, pochende Kopfschmerzen und eine Beule auf meinem Schienbein, bei deren Anblick ich dachte, mir wäre eine zweite Wade gewachsen – auf der falschen Seite meines Beins. Die Haut um den Schnitt war dunkelrot verfärbt und zum Zerreißen gespannt, jede noch so leichte Berührung jagte einen spitzen Schmerz durch meinen Körper, und meine Fiebertemperatur stieg fast stündlich“, erinnert sich der deutsche Surfer. „Natürlich überlegte ich ins Krankenhaus zu fahren, aber der Rückflug war schon am nächsten Tag, und es war doch nur eine Entzündung – was sollte schon passieren? Die Nacht wälzte ich mich im Fieberdelirium auf meinem schweißnassen Laken herum, der Weg zum Flughafen verlief ganz gut, der Flug selbst wurde zum 20-stündigen Martyrium. Immer wieder sackte ich weg, in eine Welt voll wilder Fieberfantasien. Ich weiß nur noch, dass mein Sitznachbar sich über mein Abendessen hermachte. Beim Umsteigen in Frankfurt nahm ich die Menschenmassen um mich herum wie in Trance wahr, während ich im Rollstuhl von einem Terminal in den nächsten geschoben wurde. Zu Hause angekommen ließ ich mich direkt ins Krankenhaus fahren. Für die Ärzte war die Entzündung keine gro- ße Sache. Der Erreger wurde identifiziert, mit Antibiotika bekämpft und das gesamte verrottete Gewebe um die Wunde herum weggeschnitten. Zurück blieb ein Loch von der Größe eines Tennisballs. Doch kaum war das Fieber abgeklungen, kam der wirkliche Schock.

Welche Schockdiagnose der Protagonist der Geschichte bekommt, lest ihr auf der nächsten Seite