In dieser Rubrik erzählen Surfer von Tagen, die sie das Fürchten, Staunen oder Lachen gelehrt haben. Heute: Was passiert, wenn du nach 20 Jahren endlich der Welle deiner Träume ganz real gegenüber stehst?

Der Deutsche Markus Otto hat es erlebt:

„Schon als ich die ersten Bilder von dem Spot Nias in Indo sah, dachte ich: Das ist die perfekte Welle. Diese grüne Tube, die so viel Platz bietet, dass man aufrecht darin stehen kann. Das war vor circa 20 Jahren, und ich beschloss, dass ich diese Welle einmal surfen werde. Aber je mehr Fotos ich von Nias sah, desto mehr Geschichten und Gerüchte schnappte ich auch über diesen Ort auf – unschöne Geschichten, die meiner Traumwelle eine alptraumhafte Aura verliehen. Da ging es um ultraharte Locals, Bad Vibes im Lineup und sogar darum, dass reisende Surfer am Ende ihres Trips ihre Boards vor Ort zurücklassen müssen, um unbeschadet abreisen zu können. Andererseits sprach auch viel für Nias als Traumspot. So ist das Riff dort tiefer unter Wasser und nicht so messerscharf wie an anderen Spots, sie solch eine Barrel produzieren. Should I stay or should I go – lautete die Frage in meinem Kopf, jahrelang. Vielleicht zögerte ich auch so lange, weil ich schon einmal vor einer Weltklassewelle kapitulieren musste. Das war in G-Land, als ich dort 8-Fuß-Monsterbarrels über das Riff rasen sah und erkannte, dass ich dieser Welle nicht gewachsen war. Gut, das lag lange zurück, und damals war ich noch nicht der Surfer, der ich heute bin. Aber könnte es mir in Nias wieder genauso ergehen? Vielleicht! Egal! Diesen Sommer war die Zeit gekommen, es herauszufinden.

Der Ort selbst ist so etwas wie ein Rattenloch für Surfer. Hier gibt es nichts außer der Welle und keine andere Beschäftigung als Surfen.

Am besten bucht man sein Bett, drei Mahlzeiten pro Tag und konzentriert sich darauf, so viele Welle zu reiten wie möglich. Der Weg zum Wasser ist auch nur 50 Meter weit, dann einfach durch das Keyhole Richtung Lineup paddeln. Am ersten Tag gab es gleich die erste Lektion: Lass dich inside nicht erwischen. Zwei oder drei Mal wurde ich zu Beginn in der Impact Zone von einem großen Set erwischt und durchgespült. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund, besser nicht von einem Set überrascht zu werden. Denn der Surfer in der Tube hat immer Vorfahrt, wer im Weg liegt, muss einen tiefen Duckdive machen, um auszuweichen. Leider haben aber viele Surfer den Reflex, ein Bein nach oben zu strecken, während sie ihr Board unter Wasser drücken. Als Folge ragt dann ein Fuß genau in die Tube, in der ein Surfer mit Mach 2 entlang rast. Zwei Fersen wurde so regelrecht abgesäbelt, während ich dort war. Besser weiter draußen auf die richtigen Sets warten. An deren Anblick muss man sich aber auch erst gewöhnen: Wie eine grüne Mauer drehen die in die Bucht, werfen eine kurze, intensive Barrel, durch die man für zwei, drei Sekunden rast, um dann mit Vollgas aus der Welle zu schießen.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie Surfnazis aussehen und welche Unfälle in Nias ganz normal sind.