Jeden Tag lernt man auch etwas mehr über Nias dazu. Etwa Double-Ups zu erkennen, das sind die Wellen, die die besten Barrels formen. Dabei schieben sich zwei Wellen übereinander zu einem Brecher, der dann seine Lippe mit doppelter Kraft nach vorne wirft, sobald er auf das Riff trifft. Das sind die Wellen, die jeder im Lineup haben will. Denn wer in Nias surft, nimmt Surfen ernst. Fast jeder im Lineup könnte als Hardcore-Surfer bezeichnet werden. Klar dass das Niveau verdammt hoch ist und ein Deutscher sich so ziemlich am Ende der Rangordnung wiederfindet. Aber auch ich bekam meine Double-Ups. Denn im krassen Gegensatz zu all den Horrorgeschichten über Nias geht es dort im Wasser ausgesprochen fair zu. Okay, ein paar Irre gibt es schon, bei denen man besser etwas Abstand hält. Etwa dieser superaggro US-Surfnazi mit Bundesadler auf der Brust und Nias-Totenkopftattoo im Nacken, der sich ständig Drop-Ins erlaubte und die Locals als Monkeys beschimpfte. Aber der war eine Ausnahme. Ein Local erzählte mir auch, dass früher im Wasser ein wesentlich rauerer Ton herrschte, aber das ist wohl lange vorbei.

Und hier noch einmal an einem kleineren Tag und aus einer anderen Perspektive.
Und hier noch einmal an einem kleineren Tag und aus einer anderen Perspektive.

Nias ist auch eine Wellenmaschine. Die Gezeiten spielen keine Rolle, der Wind wird nie zum Problem, und so laufen die Wellen nonstop von 6 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang um 18 Uhr. Das verteilt die Crowds, und wer zum ersten Tageslicht surft, ist nur mit einer Handvoll anderen im Lineup. Während meines Trips gab es dazu 14 Tage lang Swell, der kopfhoch und größer war, was zu drei Sessions pro Tag und unzähligen perfekten Wellen führte. Halt, falsch, einen Tag surfte ich nicht. Da rollte ein mächtiger Swell von 8 Fuß an, der seine volle Kraft in riesigen Barrels zeigt, die teils wohl triple-overhead waren. Ab dieser Größe dreht Nias richtig auf und wird ziemlich brutal. Dann kann es sogar passieren, dass man auf das recht tiefe Riff geschleudert wird. Einem Australier ist das passiert. Er hat sich dabei den Mittelfußknochen gebrochen. Ein anderer hat sich die Nose durch seine Wade gerammt. Überhaupt war es manchmal eine echte mentale Herausforderung surfen zu gehen, während in dem Homestay am Strand ständig irgendjemand nach einem Wipeout wieder zusammen genäht werden musste. Ich selbst bin aber ohne einen einzigen Kratzer aus Nias zurückgekommen und würde jederzeit wieder dorthin. Was für eine Welle!!!”