Therapiephase 1 – Anbahnung:

Die Überfahrt zur Insel mit dem Sylt Shuttle Autozug ist ein Erlebnis. Der Bezug unserer Unterkunft mit Meerblick war dann an sich schon heilsam. Das therapeutische Outfit: 5/3er Neoprenanzug, Haube, Handschuhen und Booties – ungewohnt, aber irgendwie beruhigend.

Sylt ist einer der Surfspots, an denen ohne Aufwärmprogramm nichts geht.
Sylt ist einer der Surfspots, an denen ohne Aufwärmprogramm nichts geht.

Therapiephase 2 – Orientierung:

Verglichen mit Bali sind die Wellen erst mal nicht perfekt, aber in Bali kann jeder surfen;) Stark auflandiger Wind und eine satte Strömung setzen einen hohen Reiz, aber das gehört ja zu jeder Therapie.

Therapiephase 3 – Takeoff:

Haube und Handschuhe sind nicht unbedingt förderlich, um den Virus in den Griff zu bekommen – also weg damit, aber wie durch ein Wunder formte sich mit dem Paddeln und Duckdiven in der salzigen Nordsee neben Seehunden und Haubentauchern ein so breites Freudengefühl in Bauch und Gesicht, dass ich rückblickend zumindest von zwischenzeitlicher Spontanheilung sprechen würde.

Es ist wahr: Man kann auf Sylt surfen!
Es ist wahr: Man kann auf Sylt surfen!

Therapiephase 4 – Gruppensitzungen/Wettkampf:

Nach kurzem Warmup und einer Entscheidungskrise (Booties oder nicht), kämpfte ich mich mit der ersten Gruppe durch die Brandung hinaus zu vielversprechenderen Wellen. Gegen die eisigen Böen eröffnete das Startsignal den ersten Heat. Kurze Wellenperiode, auflandiger Wind und drohende Closeouts sind eine ziemliche Herausforderung für Virusträger, aber dennoch bot die Nordsee eine Welle, die mich prompt ins Finale trug.
Beeindruckend war, wie sich die männlichen Patienten den kniffligen Bedingungen stellten und mit kritischen Turns hohe Punktzahlen erreichten.

Haube, aber ohne Booties, war der Trend auf Sylt diesen Herbst.
Haube, aber ohne Booties, war der Trend auf Sylt diesen Herbst.

Therapiephase 5 – Laydays/Stabilisierung:

Während Sturmtief Herwart über die See peitschte, konnten alle Teilnehmer dank gemeinsamen Freesurfs, Pizzaessens, Nachtlebengenießens und viel Spaß den Heilungsverlauf wunderbar stabilisieren.

Layday-Programm
Layday-Programm

Therapiephase 6 – Finale:

Sonne und noch kälteres Wasser waren Rahmenbedingungen des finalen Settings. Mädels und Jungs kämpften um den Titel der Sylt Open II und auf einer eiskalten Nordseewelle surfte ich auf den ersten Platz.

Valeska im Siegestaumel.
Valeska im Siegestaumel.

Nebenwirkungen Therapieansatz 2:

Bis auf kalte Zehen und Nasenspitzen keine. Gefährlich kann nur ein immanenter Suchtfaktor werden, denn Teamgeist und positive Stimmung rufen nach Wiederholung!

Abschließend kann ich die Sylt Open als Kurzzeittherapie nur wärmstens empfehlen. Schön wäre, wenn sich im nächsten Jahr noch mehr Infizierte auf der Insel einfinden. Surfen in Deutschland? Ja! Und ob!

Valeska im Duell mit der Nordsee
Valeska im Duell mit der Nordsee

Mehr von den Sylt Open 2017 gibt es hier in unserer Gallery.