Stell dir vor, du würdest heute noch deinen Job kündigen, all deinen Besitz irgendwo einlagern und einen neuen Job in einem Surfcamp auf den Mentawais annehmen. Wir würde dein Leben dann aussehen? So wie das von Johnny Jungle!

Wer ist Johnny Jungle?

Johnny ist 36 Jahre alt, kommt aus Perth in Australien und sieht aus wie ein Hipster im Sommerurlaub (Stichwort Vollbart). Aber Johnny ist nicht im Urlaub, Johnny lebt, wo andere Urlaub machen: im Pitstop Hill Mentawai Surfcamp auf den Mentawais. Wobei seine Arbeit darin besteht, als Surfguide Gäste zu den Spots zu begleiten und deren Sessions als Fotograf festzuhalten.

Johnny in seinem Arbeitsoutfit.
Johnny in seinem Arbeitsoutfit.

Wie kam er zu dem Job?

Durch Zufall und eine harte Entscheidung, die um ein Haar anders ausgefallen wäre. „Ich hatte damals einen guten Job in einer Werbeagentur in Perth“, erzählt Johnny. „Ein Schreibtischjob, aber ein guter. Als ich dann einen Surftrip für meinen nächsten Urlaub plante, sah ich durch Zufall, dass ein alter Freund von mir ein Surfcamp auf den Mentaweis eröffnet hatte. Ich buchte den Trip und nahm neben meinen Boards auch meine Kamera mit. Ihr müsst wissen, dass ich schon als Zehnjähriger dem Fotografieren verfallen bin. Damals war ich mit meinen Eltern in Kalifornien in Disneyland und bekam eine Kamera geschenkt. Aber zurück zu meinem Trip auf die Mentawais. Als ich nämlich gerade wieder meine Sachen packte und meine Rückreise anging, kam ein überraschendes Angbot. Der Fotograf des Camps wollte nämlich aufhören und so wurde ich gefragt, ob ich den Job nicht wollte. Es klang verlockend, doch ich lehnte ab.“

Ein Bonus bei Johnnys Job: Es gibt fast täglich solche Wellen zu reiten.
Ein Bonus bei Johnnys Job: Es gibt fast täglich solche Wellen zu reiten.

Wie kann man so einen Job ablehnen?

„Ich hatte einfach so hart und so lange dafür gearbeitet, eine Position zu bekommen, wie ich sie in Perth hatte“, erklärt Johnny. „So eine Karriere konnte ich nicht einfach aufgeben – dachte ich zumindest. Denn kaum zurück an meinem Schreibtisch wurde mir klar, dass das ein Angebot war, wie man es nur einmal im Leben bekommt. Und ich wohl meine ganzes Leben die Frage ‚Was wenn ich den Job angenommen hätte?‘ mit mir herumtragen würde. Also habe ich gekündigt, meinen ganzen Besitz eingelagert und bin auf die Mentawais geflogen. Ich sagte mir, dass ich mindestens sechs Monate bleiben würde. Jetzt bin ich aber schon sechs Jahre hier.

Der Mann am Strand ist Johnny, der gerade von einer Tour zurück kommt. So sieht eben Feierabend auf den Mentaweis aus.
Der Mann am Strand ist Johnny, der gerade von einer Tour zurückkommt. So sieht eben Feierabend auf den Mentawais aus.

Heißt er wirklich Johnny Jungle?

Nein, eigentlich heißt er John Barton. Aber schon früher bekam John in der Clique ständig den Spitznamen verpasst, der gerade zum Anlass passte: Johnny Drunk, Johnny In Love… Als er den Job im Surfcamp annahm, war er eine Zeitlang Johnny Holiday, das änderte sich dann irgendwann zu Johnny Jungle – passt einfach besser zu seinem Arbeitsplatz.

Ein kurzer Clip, der Einblick in das Leben von Johnny Jungle gibt.

Was ist das Schlechteste am Leben im Paradies?

„Die Isolation am Ende der Welt“, meint Johnny. „Wenn ich in Australien von meinem Job erzähle, denken viele, dass ich auf Bali bin. Aber ich lebe hier so weit von Bali entfernt, wie es in ganz Indonesien nur möglich ist. Wir sind so fern der Zivilisation, dass wir alle Lebensmittel per Boot einschiffen müssen und nur über einen Satelliten Internet bekommen. An so einem Standort muss man auf einigen gewohnten Luxus verzichten und bereit sein, dass es schwer ist, Verbindung zu Freunden zu halten.“