Imogen Caldwell ist Top-Model und seit kurzem im Global Surf Team von O’Neill. Die Australierin surft nämlich Wellen, die das Prädikat „furchteinflößend“ verdienen. Im Interview verrät sie, wie es ist, auf einem Campingplatz in Westaustralien aufzuwachsen und was ihr Angst macht.

Als du noch sehr jung warst, zog deine Familie in einen sehr abgelegenen Ort im Nordwesten Australiens, hunderte Kilometer entfernt von der nächsten Stadt. Wie war es dort aufzuwachsen?

Ich bin, wer ich bin aufgrund der Kindheit, die meine Eltern meinen Brüdern und mir geschenkt haben. Jeder Tag war ein Abenteuer, und ich bin glücklich darüber, den Campingplatz in The Bluff (ein berüchtigter Big Wave Spot in Westaustralien), den meine Eltern immer noch betreiben, weiterhin als mein Zuhause bezeichnen zu können.

Wie sah euer Familienleben aus, und versteht ihr euch gut?

Ich bin eines von fünf Kindern. Ich habe einen älteren Bruder, Lockie, eine ältere Schwester, Ebony und zwei jüngere Brüder, Jaspa und Oska. Meine Eltern Jim und Bek brachten uns ziemlich jung auf die Welt und kurz nacheinander, daher sind die Altersabstände gering. Wir haben ein sehr enges Familienverhältnis und obwohl wir über den Kontinent verstreut sind, kommen wir häufig zusammen.

Euer Zuhause ist so weit entfernt von allen Annehmlichkeiten wie Shops und Kinos. Hattest du das Gefühl du verpasst das Stadtleben?

Seit ich mich erinnern kann, sind meine Eltern mit uns gereist. Fünf Kinder haben sie nicht davon abgehalten, Weihnachten im Ausland zu feiern oder die Familie an der Ostküste zu besuchen. Nach wenigen Tagen in der Stadt hatten wir genug und sehnten uns nach unserem Zuhause auf dem Land.

Wie habt ihr euch vergnügt?

Alles was möglich war. Wir lernten Surfen, Fischen, Tauchen und arbeiteten nach der Schule auf der Schaffarm.

Wir hätten nichts dagegen, unser Leben einmal einen Tag mit Imogen zu tauschen.
Wir hätten nichts dagegen, unser Leben einmal einen Tag mit Imogen zu tauschen.

Beschreibe deine Verbindung zum Meer.

Ich wuchs am Strand auf, mit dem Meer direkt vor meiner Tür und der Wüste hinter mir. Ich lebte und atmete das Meer jeden Tag in meiner Kindheit. Das ist der Grund für meine starke Abneigung gegen Städte und überfüllte Plätze. Ich reise das ganze Jahr, aber am Ende des Tages möchte ich nur an dem Ort sein, wo das Meer die Wüste trifft.

In diesem Teil Australiens ist das Surfen sehr beängstigend: gefährliche Wellen, scharfe Riffe und Haie. Hattest du jemals Angst und wie konntest du deine Furcht überwinden?

Wenn du es so formulierst, klingt es nicht wirklich verlockend, aber ich habe es nie so gesehen. Es war alles, was wir kannten, und wir wuchsen damit auf.

Wie kamst du zum Surfen? Bist du mit deinen Brüdern gesurft?

Perfekte Wellen und leere Spots – das ganze Jahr über waren meistens nur meine Freunde und Familie draußen zum Surfen. Wie kannst du nicht einer von ihnen sein wollen?

Wie lange surfst du schon?

Ungefähr 7 Jahre… und auf viele weitere!

Welche Boards hast du damals benutzt?

Alle, die ich in die Hände bekam. Wirklich, ich habe das Surfboard und den Wetsuit meines Bruder geklaut und als er es rausgefunden hat, wollte er mich ertränken, aber das konnte mich nicht stoppen. Eines Tages bekam ich mein eigenes Brett von einem Touristen, der seines wegwarf, also habe ich es repariert.

Longboard oder Shortboard?

Machst du Witze? SHORTY!

Surfst du noch Big Waves – ist das dein Ding?

Ja und ja.

Imogen ist keines dieser Models, die nur in kleinen Spaßwellen unterwegs sind. Sie mag es gerne groß.
Imogen ist keines dieser Models, die nur in kleinen Spaßwellen unterwegs sind. Sie mag es gerne groß.

Wir haben Fotos von dir aus dem Jahr 2014 gesehen, auf denen du eine riesige Welle surfst. Der nächste Doktor wäre kilometerweit weg gewesen, falls du dich verletzt hättest. Ist das jemals passiert?

Ich habe viele Narben, die man hätte nähen müssen, aber die Ärzte waren zu weit weg, deswegen bin ich nie hingegangen. Aber bisher hatte ich Glück und keine großen Verletzungen.

Wie groß sind die Wellen, die du normalerweise surfst?

Es gab nie diesen Moment, bei dem ich dachte, die Wellen sind zu groß. Mein Verlobter Cortney Brown hat nochmal ein ganz anderes Verständnis einer „Big Wave“ als ich! Wenn ich an den Winter denke, bin ich jetzt schon aufgeregt.

Bist du Big Waves außerhalb des Nordwesten Australiens gesurft? Falls ja, wo?

Die Größte war in Westaustralien, aber auch Pipeline surfe ich ganz ordentlich, und auch die meisten Spots in Indonesien bin ich bereits gesurft.

Auf der nächsten Seite verrät Imogen ihre Top 3 Surfspots und erzählt, wie ein typischer Tag in ihrem Leben aussieht.