Diese Woche sind wir in Portugal, wo sich in der geschützten Bucht von Arifana bei einem großen Swell plötzlich ein mächtiger Pointbreak zeigt. Doch wer ihn surfen will, sollte keine Angst vor Felsen haben.

Fotos: Dennie Hilding / Text: Uli Scherb

Der erste Kontakt

„Das erste Mal habe ich diese Welle 1997 gesehen. Normalerweise ist Arrifana ja ein geschützter Beachbreak, aber wenn die Wellen groß genug werden, bricht entlang der rechten Seite der Bucht plötzlich ein Pointbreak. Das einzige Problem dabei ist dieser Fels, der wie ein scharfzackiger Turm genau in der Mitte des Points aus dem Wasser ragt. Aber ich sah diese Welle und dachte mir nur, dass ich diesen Spot einfach ausprobieren muss. Also habe ich kurzerhand den – gefühlt – zwei Kilometer langen Paddleout angetreten. Draußen war es dann allerdings krass am Limit. Ich musste quasi direkt neben dem Felsen in die Wellen starten. Da hat nicht viel gefehlt und ich hätte ihn mit der Schulter gestreift. Und nach dem Takeoff habe ich dann immer mit einem Auge auf den viel zu seichten Felsuntergrund geschielt und mit dem anderen auf die Wellenlippe vor mir. Entspannt ist anders, kann ich nur sagen.“

Der Felsen im Vordergrund ist der Grund, warum Kangaroos erst ab einer bestimmten Größe gesurft wird.
Der Felsen im Vordergrund ist der Grund, warum Kangaroos erst ab einer bestimmten Größe gesurft wird.

Was er nicht wusste:

„Abends hat mir dann Dago, der damals das Camp Surf Experience in Lagos leitete, erzählt, dass der Spot schon bekannt ist und Kangaroos heißt. Gesurft wird dort aber nur, wenn es größer ist und die Welle dann richtig läuft. Kaum hatte ich das gehört, habe ich beschlossen, dass ich diese Welle nochmal surfen will und zwar an einem großen Tag.  Irgendwie war ich in den nächsten Jahren aber nicht mehr so oft in Portugal und wenn, dann meist nur noch in einer anderen Gegend.“

Eine Welle, die laut Uli Adrenalin garantiert.
Eine Welle, die laut Uli Adrenalin garantiert. Wir glauben ihm.

Die Rückkehr

„Das war im letzten November, als ich wieder in Portugal war. Allerdings hatte ich überhaupt nicht mehr an den Spot gedacht. Ansonsten hätte ich nämlich ein Gun dabei gehabt, das wäre passender gewesen. Die Wellen hatten sicher 6 bis 8 Fuß, und als wir ankamen, waren alle auch ziemlich aufgedreht. Aber ich habe gesehen, dass das machbar ist und einfach angefangen, mir den Neo anzuziehen. Überlegt habe ich mir dann nur, ob ich ein kurzes oder ein langes Board nehme. Die Entscheidung fiel dann als ich sah, wie viele Wellen ungesurft durchliefen, weil keiner reinkam. Tatsächlich ist hier der Satz „je größer, desto besser“ wirklich wahr. Denn je größer die Wellen, desto besser kommt man an dem Felsen vorbei. Das habe ich vor allem zu spüren bekommen, als ich zur Entspannung mal eine kleinere Welle genommen habe. Da surfte ich nämlich schurstracks auf das Hindernis zu und ein Pullout war die einzige Lösung. Leider folgte gleich dahinter ein dickes Set und die 15 Meter Abstand zu dem Felsen wurden schnell weniger. Nach jeder Welle war ich sicher fünf Meter näher dran. Aber das Glück war wohl auf meiner Seite, denn weder mir noch meinem Board ist etwas passiert.“

"Ein Spot, an dem nicht so sehr die Wellengröße die Linienwahl bestimmt, als vielmehr diese Felsen, die aus dem Wasser ragen", sagt Uli.
„Ein Spot, an dem nicht so sehr die Wellengröße die Linienwahl bestimmt, als vielmehr diese Felsen, die aus dem Wasser ragen“, sagt Uli.

Uli Scherb…

war einst Mitbegründer von Wavetours und betreibt heute in Vieux Boucau an der französischen Atlantikküste nur wenige Minuten vom Strand entfernt die Atlantic Surflodge.

Und hier geht’s zur Friday Evening Wave von letzter Woche nach Dänemark, wo kurz nach Silvester eiskalte Perfektion herrrschte.